Volksbank Bielefeld will „digitale Private Bank“ der Genos werden

9. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Als mutmaßlich erstes genossenschaftliches Primärinstitut macht sich die Volksbank Bielefeld-Gütersloh an die konsequente Digitalisierung ihrer Vermögensverwaltung. Zu diesem Zweck hat das westfälische Institut als 100%ige Tochter die Klarwert GmbH gegründet, die seit kurzen über eine Bafin-Lizenz zur Finanzportfolio-Verwaltung verfügt. Die eigenen rund 450 Vermögensverwaltung-Kunden (mit Asset under Management in dreistelliger Millionenhöhe) sollen nun überzeugt werden, zu der neuen Tochter zu wechseln. „Wir glauben, dass unsere Kunden diesen Schritt praktisch vollzählig mitgehen werden“, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Scheppan im Gespräch mit Finanz-Szene.de. Doch das ist nicht alles: „Unser Ziel ist es, auch andere Volksbanken und Sparkassen für die Klarwert-Lösung zu gewinnen“, so Klarwert-Chef Werner Schönfeld.

Bekanntermaßen gehört die Vermögensverwaltung zu den Problemfeldern der genossenschaftlichen Bankengruppe. Die große Mehrheit der immer noch rund 700 örtlichen VR-Banken ist schlich zu klein, um sinnvollerweise echtes Private Banking anzubieten. Manche Primärinstitute behelfen sich mit fondsbasierten Lösungen, wobei die Fonds dann in der Regel von der genossenschaftlichen Union Investment kommen. Andere Genoinstitute leiten ihre gehobene Klientel zur verbundeigenen DZ Privatbank weiter – die mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von zuletzt rund 20 Mrd. Euro allerdings weit hinter einstmals formulierten Zielen zurückbleibt. Eine weitere verbundeigene Lösung ist der Robo Advisor Visualvest, der – gern unter anderem Namen – bei diversen Volks- und Raiffeisenbanken zum Einsatz kommt. Allzu offensiv vertrieben wird der margenschwache Robo allerdings nicht. Zudem gilt das Angebot eher als Alternative für preissensible Normalkunden, weniger als Option für die gehobene Kundschaft.

Eine eigene, ernstzunehmende Vermögensverwaltung unterhalten vielleicht 10, allenfalls aber 15-20 Volks- und Raiffeisenbanken da draußen. Dazu gehören zum Beispiel die Volksbank Frankfurt, die Volksbank Wiesbaden oder (unter dem Namen „Werther & Ernst“) die Verbundvolksbank Ostwestfalen – und dazu gehört seit rund 20 Jahren auch: die damalige Volksbank Gütersloh, die 2014 mit dem Nachbarinstitut aus Bielefeld verschmolz. Lange Zeit seien die Kundenbasis und damit auch die Asset under Management in sehr erfreulichem Tempo gewachsen, erzählt Schönfeld. Inzwischen merke man allerdings, dass man die vermögende Klientel mit rein analogen Angeboten immer schwerer erreiche. „So kam die Idee für die Gründung von Klarwert.“

Die Investitionskosten sollen – inklusive Gründung der neuen Gesellschaft und allem Drum und Dran – gerade mal im mittleren sechsstelligen Bereich liegen und seien insofern „definitiv vertretbar“, so Vorstand Scheppan. Zumal: „Wir hätten die Prozesse der bestehenden Vermögensverwaltung ohnehin digital aufrüsten müssen. Zuletzt sah es dort immer noch so aus, dass die vierteljährlichen Reportings für die Kunden von Hand ausgedruckt und dann per Post verschickt werden – „das geht heutzutage so natürlich nicht mehr“. Beim Quasi-Neustart auf der grünen Wiese kooperiert die Bank mit dem B2B-Fintech Elinvar, das Privatbanken wie Warburg, Donner & Reuschel oder die Castellbank zu ihren Kunden zählt, zuletzt aber längere Zeit nicht mehr durch Akquisitionen auffiel (siehe unsere Analyse hier). Für den VV-Digitalisierer Elinvar ist die Volksbank Bielefeld-Gütersloh auf den ersten Blick ein überschaubares Mandat. Allerdings: Auf Sicht sind es genau solche Kooperationen, die Fintechs den Weg in die Verbünde ebnen.

Die Volksbank Bielefeld jedenfalls will mit Klarwert rasch in die Offensive gehen. Die gemeinsam mit Elinvar, der Fiducia & GAD (für die Kernbank-Komponenten) und der dwp Bank (für die Abwicklung der Wertpapiertransaktionen) aufgesetzte Lösung könne erst einmal bis zu zehn Partnerbanken aufnehmen, sagt Schönfeld. Diese sollen ihre Kunden in jedem Fall behalten (mit diesen Kunden also auch den Vertrag über die Vermögensverwaltung abschließen – das eigentliche Portfolio-Management würde Klarwert übernehmen. „Zunächst wollen wir unsere Idee an Banken aus der Region herantragen“, so Schönfeld – wobei der Begriff „Region“ weit gefasst zu sein scheint: „Wenn wir von bis zu zehn Partnern ausgehen, dann werden die nicht alle aus Ostwestfalen kommen können, sondern da hoffen wir auf Interesse auch aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens.“

So sieht sie aus – die moderne Definition des Regionalprinzips.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing