Volksbanken planen Launch eines sektoreigenen Accelerators

14. Juni 2022

Von Georgia Hädicke

Die Volks- und Raiffeisenbanken planen den Launch eines sektoreigenen Accelerators für digitale Geschäftsmodelle. Konkret soll eine Beteiligungsgesellschaft gegründet werden, “die in Geschäftsmodelle für oder von Genossenschaftsbanken investieren und diese bundesweit zu skalieren soll”, wie der BVR auf Anfrage von Finanz-Szene mitteilte. Der Verband selber wird den Plänen zufolge 49% an der Gesellschaft halten, weitere große Anteilseigner sind die DZ Bank und der genossenschaftliche IT-Dienstleister Atruvia mit jeweils 20%. Die Mitgliederversammlung des Verbands muss dem Vorhaben am 24. Juni noch zustimmen.

Der Vorstoß des BVR dürfte innerhalb des Sektors durchaus argwöhnisch verfolgt werden – schließlich sind die Genossen bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle bislang oft dezentral unterwegs. Das beste Beispiel ist die TEO-App einiger Sparda-Banken (siehe unser Themen-Dossier hier), in eine ähnliche Richtung geht das Immobilien-Serviceportal “PIA” der PSD-Banken.

Noch granularer (wiewohl öffentlichkeitswirksam) ist der Vorstoß der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank aus dem Odenwald, die hunderte Millionen Euro über Fintech-Plattformen wie Billie (siehe unseren Podcast mit Vorstandschef Ralf Magerkurth) verleiht. Andere Geno-Institute wiederum experimentieren mit Krypto (siehe hier), die Frankfurter Volksbank startete letztes Jahr eine bundesweite Plattform zur Vermittlung von Baufinanzierungen (siehe hier, ein bisschen runterscrollen) und die Berliner Volksbank hat wiederum über den Risikokapitalgeber VR Ventures in etliche Finanz-Startups investiert.

Wie sich der Accelerator von VR Ventures unterscheiden soll

Auch wenn der Accelerator die Möglichkeit erhält, in Unternehmen außerhalb des Genosektors zu investieren, soll sich das Vehikel im Gegensatz zur VR Ventures nicht systematisch an Startups beteiligen. Gegenüber der verbandseigenen Zeitschrift “Bank Information” sprach BVR-Präsidentin Marija Kolak von einer “Forschungs- und Entwicklungseinheit”, mit der “die Evolution des Geschäftsmodells der Genossenschaftsbanken beschleunigt” werden solle. Interessant auch: Die Rede ist von einer “Erweiterung des Ökosystems um banknahe und bankferne Lebenswelten”. Das bedeutet nach unserem Verständnis: Auch in digitale Modelle abseits der klassischen Banking-Produkte wird investiert.

Bereits im Dezember hatte ein Genobanken-Konsortium – dem die DZ Bank, der genossenschaftlichen IT-Dienstleister Atruvia sowie diverse Volksbanken angehören – für rund 15 Mio. Euro den namhaften Berliner KMU-Kreditvermittler Fincompare erworben (siehe hier). Verglichen mit diesen Aktionen und den Summen, mit denen einzelne Volksbanken bei ihren digitalen Engagements hantieren (siehe oben) wirkt der Plan für die neue Beteiligungsgesellschaft eher zurückhaltend.

Das könnte auch damit zusammenhängen, dass ein radikalerer Ansatz innerhalb der Gruppe schwer vermittelbar wäre. Man brauche “ein Konstrukt, in dem alle Institute von Innovationen der Gruppe profitieren und das Leistungsangebot aus diesen Innovationen nutzen können”, sagte Kolak der “Bank Information”. Damit ist explizit auch die Teilhabe kleiner und mittlerer Institute gemeint.

Für Beteiligungen muss extra Kapital eingesammelt werden

Nach einer dreijährigen Aufbauphase will sich der BVR aus der Eigentümerstruktur des Accelerators zurückziehen. Den Primärbanken sollen dann zum Nennwert 51% der Anteile angeboten werden (die 49% des BVR sowie 2%, die zunächst bei einer Geno-Beteiligungs-Holding liegen). Zur genauen Höhe der Anschub-Investition wollte sich der BVR auf Anfrage nicht äußern. Zumindest die Betriebskosten für die ersten Jahre kommen aber offenbar direkt aus dem BVR-Etat.

Will das Vehikel in bestimmte Geschäftsmodelle investieren, muss dafür allerdings nochmal Geld von investitionswilligen Primärinstituten eingesammelt werden. Über die Fortführung des Vehikels über die dreijährige Aufbauphase hinaus soll anhand vordefinierter Messgrößen entschieden werden. Dabei geht es um das Skalierungs-Potenzial der einzelnen Geschäftsmodelle, um Kundenkontakte und “Leads” fürs Kerngeschäft sowie um das Ertragspotenzial.

Als Sitz der Gesellschaft ist Berlin geplant. Das Personal soll nicht aus dem BVR und dem Sektor kommen – sondern aus dem eher “unternehmerischen Umfeld”, wie der BVR bestätigt. Das Konstrukt soll den Namen “Amberra” tragen. Wer sich genötigt sieht, das jetzt zu googeln, um dann etwa auf eine Charakterbeschreibung aus dem Fantasy-Spiel “World of Warcraft” zu stoßen, dem können wir an dieser Stelle die Verwunderung ersparen: “Amberra ist ein Kunstwort, darin stecken: ambition (engl. für Ehrgeiz, Bestreben), amber (engl. für bernsteinfarben) und terra (lat./eng. für Land, Boden, Erde). Alles hochwertige bzw. bodenständige (terra) Attribute, die sehr gut zu uns passen”, erklärt der Verband.


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