Kurz gebloggt

Warum die HVB jetzt Einlagen bei Weltsparen einsammelt

9. Juni 2020

Von Christian Kirchner

Es ist ein auf den ersten Blick merkwürdiger Zug: Seit Montag (siehe unsere gestrige News-Rubrik) sammelt die Unicredit-Tochter Hypovereinsbank über die Plattform „Weltsparen“ Festgeld-Einlagen – und das mit Zinsen, die man ansonsten eher bei Instituten sieht, deren Aussprache die Kenntnis nichtdeutscher Knack- und Zischlaute erfordert. Nämlich 0,4% für sechs Monate, 0,5% für ein Jahr und 0,55% für zwei Jahre.

Erster Gedanke in solchen Fällen ist natürlich immer: Hat’s da jemand nötig? Zumal man bei „HVB“ ja gleich an „Unicredit“ denkt und bei „Unicredit“ gleich an „Italien“ und so weiter… Indes zeigt ein näheres Hinsehen: 1.) Die Hypo-Vereinsbank wollte zuletzt keine Einlagen. So wurden besonders große Guthaben laut 2019er-Geschäftsbericht „zum Teil schon ab dem ersten Euro“ mit negativen Zinsen belegt; 2.) Mit der grenzüberschreitenden Liquiditäts-Verschickung ist das ja regulatorisch so eine Sache. 3.) Die HVB will nur Einlagen bis zu einer Höhe von 50.000 Euro. Wem es um die billige Refinanzierung geht, der hat in der Regel eher einen sechsstelligen Maximalbetrag oder gar keinen Deckel.

Der Verdacht liegt also nahe, dass hier neue Kunden angesprochen werden sollen. Denn geht man den Prozess einmal probeweise durch, muss der Interessierte auf der Plattform unter anderem folgendem Passus zustimmen:

„Hiermit beantrage ich die Eröffnung eines HVB Verrechnungskontos Termineinlagen, eines HVB Festgeldkontos sowie die Anlage des o. g. Festgeldes. Zugleich beantrage ich den Abschluss einer Vereinbarung zur Geschäftsverbindung, die insbesondere den Abschluss künftiger Verträge und die Kommunikation mit der UniCredit Bank AG regelt. Ich kann auch künftig zahlreiche Verträge mit der UniCredit Bank AG über Bankprodukte ohne Unterschrift schließen, insbesondere Konten und Depots eröffnen und Bankkarten bestellen.  (….) Zugleich ermächtige ich die UniCredit Bank, mir Mitteilungen für die über die Internet-Plattform von Raisin vermittelten Produkte (z.B. zum Abschluss von Verträgen) auch über die elektronische Postbox meines Weltspar-Kontos zuzusenden“

Und so wird das Ganze dann rund: Die Hypo-Vereinsbank hat zum einen (nur) Kunden mit mindestens 10.000 Euro und maximal 50.000 Euro Sparvolumen im Visier, also eine vergleichsweise spitze Zielgruppe. Und kann über die Raisin-Plattform mit bereits „geonboardeten“ Kunden Folgegeschäft machen. Wenn die HVB also sagt, es gehe ihr darum, potenzielle Neukunden „zu begeistern“ (und das sagt sie auf unsere Anfrage hin tatsächlich), dann klingt das plausibel. Mal gerechnet für einen 25.000-Euro-Kunden sind die Kosten überschaubar: 0,4% Zins für die 6-Monats-Variante (das ist Fakt), vielleicht noch 0,15% bis 0,2% Provision an den „Weltsparen“-Betreiber „Raisin“ (das ist geschätzt) – macht rund 140 Euro Akquisekosten plus ggf. noch eine zusätzlich Abschlussprovision. Zumal die Zinsen auch erst am Laufzeitende gutgeschrieben werden in allen Varianten.

Passt schon. Zumal die HVB ja neulich auch schon im Neukunden-Fieber war.

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