08/06/20: Wirecard, Apobank, HVB, Raisin, Blackrock, Pfandbriefbank

8. Juni 2020

Dass es am Freitag bei Wirecard eine Razzia gegeben hat (was am Freitagabend bekannt wurde) und dass diese Razzia auf einer Strafanzeige der Bafin gegen die Wirecard-Vorstände beruhte, dürften Sie mitbekommen haben, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht trotzdem noch mal ganz kurz, worum es im Kern geht: Die Aufsicht hegt den Verdacht der Marktmanipulation und bezieht sich dabei auf von Wirecard am 12. März und am 22. April versandte Mitteilungen – das waren jene Mitteilungen, die sich so lasen, als werde das Unternehmen durch den KMPG-Prüfbericht entlastet, was dann ja aber nicht wirklich der Fall war (woraufhin die Aktie schließlich mächtig abrauschte). Auf die Bafin-Anzeige-Razzia-News wiederum reagierte die Aktie im Freitagabend-Handel einigermaßen kommod (minus 7,1 %). Alles weitere wird man heute, die nächsten Tage oder spätestens am 18. Juni sehen, also an dem Tag, an dem wieder mal der testierte 2019er-Abschluss kommen soll. Finanz-Szene.de

[Übrigens: Nicht nur die Bafin – die ja letztes Jahr mit einem Leerverkaufsverbot noch einen Verteidigungsring um Wirecard gezogen hatte -, sondern auch diverse Fondsmanager, Anlegervertreter sowie Rechtsanwälte aller Art springen jetzt urplötzlich auf den Anti-Wirecard-Zug auf und stellen Anzeigen, fordern Rücktritte und melden sich sonstwie zu Wort. Kurz gesagt, haben wir uns in den letzten Wochen erlaubt, die meisten der entsprechenden Wortmeldungen zu ignorieren; und wir würden es gern auch weiterhin so handhaben. Was aber nichts damit zu tun hat, dass wir der neue Wirecard-Fanclub wären.]

Wenn bei Plebejer-Banken wie DKB oder Comdirect die Hütte brennt – dann beginnt bei Twitter oder Facebook gleich der Shitstorm. Bei einem Patrizier-Institut wie der Apobank ist das ein wenig anders. Denn: Apotheker und Ärzte sind qua Standesbewusstsein eher nicht die typischen Social-Media-Krakeeler. Sondern: Sie äußern ihren Protest lieber in geschlossenen Fachforen, zu denen Sie, liebe Banker*innen, und wir hier von Finanz-Szene.de leider keinen Zugang haben. Indes: Der Arzt unseres Vertrauens wäre nicht der Arzt unseres Vertrauens, hätte er uns nicht mal in eines dieser Foren reinlugen lassen, was denn die letzte Woche – also nach der nicht wirklich geglückten IT-Migration der Apobank – so los war unter den Kunden. Eine Dokumentation: Finanz-Szene.de

News

Erstmals überhaupt (meinen wir jedenfalls) wagt sich eine der deutschen Top-5-Banken auf eines der neuartigen Hochzinsportale – nämlich die Hypo-Vereinsbank auf die „Weltsparen“-Plattform. Für 6-monatiges Festgeld bieten die Münchner von heute an 0,4%, für 12 Monate 0,5% und für 24 Monate 0,55% (per Mail) +++ Und, Anja Kohl, was gibt’s Neues vom Parkett? – „Die Deutsche Bank, liebe Finanz-Szene.de-Redaktion, hat den freitäglichen Xetra-Handel mit einem satten Plus von 4,7% auf 8,71 Euro abgeschlossen, die Commerzbank legte sogar um 10,7% auf zu 4,40 Euro zu!!!“ +++ … wobei, liebe Frau Kohl, wir gerne ergänzen würden, dass es sich um ein Markt- oder besser noch ein Branchenphänomen zu handeln scheint. Der Euro Stoxx Banks innerhalb der letzten zehn Handelstage? 31% rauf. Da liegt die Deutsche im selben Zeitraum knapp drunter (29%), die Coba leicht drüber (34%) +++ Die Commerzbank-App hat seit Tagen Probleme, die sich allerdings (nur) durch eine Neuinstallation beheben lassen (Twitter) +++ Dem Tenor unseres Freitag-Aufmachers folgend, prophezeit Martin Zielke in seiner Rolle als BdB-Präsident eine Beschleunigung des Filialsterbens (FAZ/dpa) +++ Die Deutsche Pfandbriefbank steigt – traurig, aber wahr – aus dem MDax in den SDax ab. (Finanzen.net)

Wussten Sie schon …

… dass Friedrich Merz auch in seinem letzten vollen Jahr als hiesiger Blackrock-AR-Chef keine Reichtümer aus dem Job angehäuft hat? Die von ihm beaufsichtigte Einheit (sie nennt sich „Blackrock Asset Management Deutschland GmbH“) beschäftigte laut dem kürzlich veröffentlichtem Geschäftsbericht 2019 gerade mal 16 Mitarbeiter. Für die drei Aufsichtsmitglieder inklusive des Vorsitzenden Merz gab es 507.000 Euro, also im Schnitt 169.000 pro Kopf – während für die Mitarbeiter durchschnittlich 160.000 Euro Personalaufwand anfielen. Alles eher bescheiden, zumal gemessen an 25 Mio. Euro Überschuss, also gut 1,6 Mio. Euro pro Kopf. Für den Merz-Nachfolger und Ex-Deka-Chef Michael Rüdiger nicht der allerlukrativste Job. Aber sicherlich auch nicht der aufreibendste.

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