Kurz gebloggt

Was wird jetzt aus ESG? Und was aus der DeuBa-Fintech-Gang?

2. Juni 2022

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Es sind Nächte wie jene von Dienstag auf Mittwoch, die ein erhöhtes Scheidungsaufkommen unter Finanz-Szene-Redakteuren vermuten lassen würden. Erst haben wir den Newsletter fertig gemacht. Dann haben wir nachgeguckt, ob die DWS nun endlich eine Ad-hoc verschickt hat. Dann haben wir dem zunehmend märtyrerhaften Herrn Nadal bei seinem Vier-Satz-Sieg gegen Herrn Djokovic zugesehen (ein Hoch aufs Free-TV). Dann haben wir noch einmal und wiederum vergeblich die DWS-Website konsultiert. Und dann sind wir endlich ins Bett gegangen, nur um kurz darauf vom Wecker daran erinnert zu werden, dass wir vor 6 Uhr in jedem Fall noch ein weiteres Mal auf der DWS-Seite vorbeischauen müssen. Und dann? Haben wir den Newsletter halt nochmal neu fertig gemacht. Folge: Eigentlich sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, seit gestern Früh mit dem Wichtigsten versorgt. Nächtliche Ad-hoc. Wöhrmann raus. Hoops rein. Und weiter geht’s. Gleichwohl: Ganz so leicht wollen wir den Themenkomplex “DBK/DWS/ESG” dann doch nicht von der Angel lassen …

… Ein paar Fragen gilt es nämlich noch zu stellen. Etwa (wobei dieser Aspekt vielleicht nicht der relevanteste, wohl aber der szenigste ist): Was wird jetzt eigentlich aus der Hoops-Gang – sprich: aus den Bajorats und Stracks und Siegerts und Ex-Wirecard’lern und Payment-Nerds und Digital-Currency-Jüngern, die Hoops in den zurückliegenden Jahren für die Corporate Bank gewonnen hatte? Klar: Das sind alles zunächst einmal Deutschbanker. Und keine Hoops-Banker. Aber: Es soll ja auch Take-That-Fans gegeben haben, die eigentlich eher Robbie gut fanden. Und so muss als offen gelten, was aus diesem spannenden Experiment (“Wir stecken 15-20 renommierte Fintech-Menschen ins Firmenkundengeschäft der größten Bank der Republik und gucken was passiert”) ohne Robbie nun wird. Zumal die Hoops-Nachfolger David Lynne und Jan-Philipp Gillmann eher dem klassischen Bankertypus entsprechen, während die digitalaffine Nachfolge-Option (das wäre Cash-Management-Chef Ole Matthiesen gewesen) unglücklicherweise vor Kurzem nach Singapur entsandt worden war …

… Nächste Frage: Was bedeuten die Ereignisse des Dienstags für das Mega-Thema “Environmental, Social, Governance”? Denn: Bislang gingen weite Teile der Finanzbranche ja davon aus, dass “ESG” ein reines Upside-Thema ist. Springen wir halt mal drauf und gucken, was passiert – kost’ ja nix. Die Marketing-Leute hatten freie Hand und die Juristen andere Sorgen – mit der Folge, dass jeder sein Öko-Plackerl halt dorthin pappte, wo es ihm gerade passte. Erinnert sei – wobei dies nur zwei Beispiele unter vielen sind – an die DKB oder N26, die die Degradierung der Girocard bzw. die Bepreisung der Mastercard Debit allen Ernstes ökologisch begründeten (“Weniger Plastik” bzw. “Auf Plastik verzichten”). Schon klar: Nicht bei jeder Bank bzw. jedem Fintech, das ein bisschen zu laut “ESG” ruft, wird jetzt gleich ein 50-köpfiger Trupp aus BKA, StA und Bafin einrücken. Und doch: Der “Fall Wöhrmann” führt plakativ vor Augen, dass das Thema “ESG” eben auch eine Downside im Gepäck haben kann …

… Womit wir bei der letzten Frage wären: Was, bitteschön, erwartet Herrn Hoops nun bei der DWS (abgesehen von skeptischen Investoren, welche die DWS-Aktie gestern mit einem neuerlichen Minus von 6,2% aus dem Handel schickten)? Zunächst einmal: Angesichts der Tatsache, dass Stefan Hoops ja nicht nur der Robbie Williams der Corporate Bank ist, sondern auch der Prinz William der Gesamtbank, kommt die Beauftragung mit der Wöhrmann-Nachfolge nicht wirklich überraschend. Wer irgendwann mal auf dem Thron der deutschen Bankenbranche sitzen will, der sollte nicht nur Issuing-Lösungen für Eintracht Frankfurt entwickelt, sondern der muss irgendwo im blauen Commonwealth auch mal einen richtigen Pflock eingeschlagen haben …

… Die schlechte Nachricht ist nun: Es gibt ja durchaus Nörgler, die argumentieren, Hoops habe die Corporate Bank zwar modernisiert, den harten Zielen hänge die Sparte allerdings hinterher. Dagegen die gute? Hoops’ künftige Rolle ist wie geschaffen, um die Zweifler eines Besseren zu belehren. Denn: Auch wenn die DWS heute operativ besser dasteht als zu Beginn der Wöhrmann-Ära – ein irgendwie schwieriger, irgendwie unfertiger und irgendwie auch nur semi-performanter Laden ist sie geblieben. Hier unsere Analyse …

Was erwartet Stefan Hoops? Unser große Analyse zur DWS

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