Kurz gebloggt

Wird das IT-Debakel der DKB zur Nemesis für die Sparkassen-IT?

9. Januar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Was vor wenigen Tagen noch die zweitgrößte deutsche Online-Bank war, ist seit dieser Woche die größte deutsche Offline-Bank. Oder anders gesagt: Auch gestern kam es bei der DKB wieder zu diversen IT-Ausfällen. So zählte das – als Indikator ziemlich verlässliche – Internetportal „Allestörungen.de“ gegen 12.45 Uhr exakt 1007 gleichzeitige Fehler-Meldungen, um 17 Uhr waren es dann 1451, um 20.34 Uhr sogar 2110 und um 21.45 Uhr immerhin noch 1161. Der Hintergrund: „Nachwirkungen“ des „DDoS“-Angriffs vom Dienstag, wobei das Wort „Nachwirkungen“ (das wir einer dpa-Meldung entlehnt haben) natürlich ein ziemlicher Euphemismus ist. Etwas gradliniger formuliert: Die DKB bzw. ihr Server-Dienstleister kriegen die Probleme einfach nicht in den Griff!

… womit wir nun zu besagtem Server-Dienstleister kommen. Klar: Es war eine Horrorwoche für die DKB. Es war aber auch eine Horrorwoche für die „Finanz Informatik“, diesen viele tausende Mitarbeiter zählenden IT-Koloss der Sparkassen, dem man (bislang) nachsagte, er sei zwar ganz sicher nicht der agilste Player da draußen, dafür aber sorge er mit stoischer Solidität dafür, dass bei den knapp 400 Sparkassen im Lande die technischen Kernfunktionen im Großen und Ganzen dann doch immer so funktionieren, wie sie funktionieren sollten …

Genau dieses Renommee indes nimmt dieser Tage spürbaren Schaden (zumal es im Dezember ja auch schon mal gerumpelt hatte, siehe unser Stück „IT-Panne der Helaba lässt Sparkassen-Kunden verzweifeln“). Nochmal zur Einordnung: Es geht ja nicht nur um die Nicht-Abwehr der „DDoS“-Attacke, eine Fehlleistung, die in der Branche mit einer Mischung aus Unbehagen, Ungläubigkeit und Schenkelklopfen verfolgt wird. Sondern: Da war ja auch der Brokerage-Kollaps bei der dpw Bank, die hierfür ebenfalls und nur notdürftig anonymisiert die „Finanz Informatik“ bzw. deren Tochter FI-TS verantwortlich macht. Und: Darüber hinaus gab es diese Woche zahlreiche weitere IT-Ruckler im engeren und weiteren Sparkassen-Sektor …

Was daran nun das eigentlich Interessante ist: Die „Finanz Informatik“ und die Sparkassen sind Fleisch vom Fleische. Durch dick und dünn. Kein Blatt dazwischen. Bis dass der Tod sie scheidet. Ein bisschen anders allerdings ist das bei der FI-TS. Deren Kunden nämlich (zu denen neben DKB und dwp Bank zum Beispiel die BayernLB oder die Deutsche Hypo gehören) sind zwar in aller Regel mit den Sparkassen verbandelt. Aber: Eben doch nicht so eng verbandelt, als dass man sich im Zweifel nicht auch mal nach einem anderen (zumal preiswerteren?) Dienstleister umsehen könnte. Die Wut auf die FI-TS jedenfalls ist groß dieser Tage. Und die Kunden geben sich – was ein Alarmsignal ist – keinerlei Mühe, diese Wut zu verbergen.

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