Kurz gebloggt

57 Mio. Euro: Nimmt Smava den nächsten Anlauf an die Börse?

26. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Was ist bloß mit Smava los? Diese Frage stellen sich Eingeweihte nicht nur angesichts der überraschenden Transparenz-Offensive des Ur-Fintechs (siehe unser Stück „Hier kommt die ungeschminkte Wahrheit über Smava“ vom 8. Mai). Sondern: Was Brancheninsider noch viel mehr verwundert, das sind die üppigen TV-Werbeausgaben des Berliner Kredit-Vergleichsportals. So zeigen Finanz-Szene.de vorliegende Zahlen des Datenanbieters Nielsen:

  • Von der „KW 1“ bis zur „KW 18“ lagen die sogenannten Brutto-Spendings von Smava in keiner einzigen Woche unter 1 Mio. Euro
  • Insgesamt summierten sich die Brutto-Spendings im genannten Zeitraum auf rund 26 Mio. Euro
  • Ergibt ein wöchentliches Durchschnitts-Spending von 1,44 Mio. Euro – was für ein hiesiges Fintech extrem hoch ist (auch wenn dieb tatsächlichen Ausgaben normalerweise ein markantes Stück unter den von Nielsen ermittelten Zahlen liegen)

Was hat das alles zu bedeuten? Startet Smava jetzt endgültig durch? Oder legen die Berliner eher so etwas wie einen Zwischenspurt hin – womöglich in der Hoffnung,  es auf diesem Wege in absehbarer Zeit doch noch an die Börse zu schaffen (nachdem letztes Jahr ja ein erster Versuch verpufft war …)?

Gestern Abend jedenfalls hat Smava den Gerüchten mal wieder neues Futter gegeben. In einer zu vorgerückter Stunde auf der eigenen Website veröffentlichten Pressemitteilung heißt es, im Gesamtjahr 2019 sei das vermittelte Kreditvolumen um 35% auf rund 2,7 Mrd. Euro gestiegen – bevor im ersten Quartal dieses Jahres nochmals ein Plus von 45% (verglichen mit dem Vorjahresquartal) hinzugekommen sei. Machte 900 Mio. Euro vermitteltes Volumen in nur drei Monaten.

Zahlen, die vor dem Hintergrund der jüngst veröffentlichten (und testierten) älteren Geschäftsberichte und auch im Abgleich mit den Nielsen-Daten glaubwürdig und plausibel erscheinen.

Woher Smava das Geld für dieses Wachstum nimmt – diese Frage beantwortet die Pressemitteilung auch gleich. So ist von einem „Growth“-Kredit in Höhe von 35 Mio. Euro die Rede, die  Kreos Capital zur Verfügung gestellt habe. Hinzu komme eine von Earlybird, Vitruvian und weiteren Investoren gestemmte „Kapitalerhöhung“ in Höhe von 22 Mio. Euro (Finanz-Szene.de hatte über das entsprechende Funding bereits berichtet, allerdings kannten wir da die genaue Summe noch nicht). Macht 57 Mio. Euro frisches Geld.

Gleicht man zudem die 22 Mio. Euro Eigenkapital-Funding mit Daten aus dem Handelsregister ab, so ergibt sich rein rechnerisch ein Unternehmenswert von rund 285 Mio. Euro. Das wären mehr, als Investoren Smava bei der vorherigen Kapitalerhöhung Ende 2017 zugebilligt hatten (da waren es rund 200 Mio. Euro). Aber deutlich weniger, als angeblich beim letztlich verpufften IPO-Versuch herausgeholt werden sollten. Da waren nämlich „bis zu“ 500 Mio. Dollar (Dollar!, nicht Euro) im Gespräch gewesen.

Und jetzt? Ein IPO inmitten von Corona-Zeiten? Wo das Geschäft mit Konsumentenkrediten ohnehin schwieriger wird (siehe auch unseren Partner-Blog „Ratenkredite: Wenn das Geschäft nicht mehr von allein läuft“ von letzter Woche …)? Man mag’s kaum glauben. Andererseits: Der eine Wettbewerber, nämlich Check24, ist momentan mit der Gründung der eigenen Bank beschäftigt; bei dem anderen Wettbewerber, nämlich Finanzcheck, weiß man nach dem neuerlichen Eigentümerwechsel nicht so recht, was aus dem eigentlich werden soll … Vielleicht glaubten die Smava-Gesellschafter zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung (also im Dezember) ja auch, dass die Umstände günstig seien.

Eins jedenfalls steht fest: Leise wird’s nicht werden um Smava.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing