Exklusiv

Holländische Bankenpleite bringt Creditshelf in Bredouille

Die Insolvenz der Amsterdam Trade Bank (siehe unser Stück “Niederländische Bankenpleite trifft tausende deutsche Sparer”) bringt das Frankfurter Fintech Creditshelf in die Bredouille. Das holländische Geldinstitut war zuletzt zum wichtigsten Funding-Lieferanten des KMU-Kreditportals aufgestiegen – so teilte Creditshelf noch Ende Oktober mit, die Zusammenarbeit mit der auch als “FIBR Bank” auftretenden Amsterdam Trade Bank signifikant zu erhöhen und das ursprünglich auf 60 Mio. Euro begrenzte Kreditvolumen auf 120 Mio. Euro zu verdoppeln. “Die bereits zweite Ausweitung der Zusammenarbeit verdeutlicht das starke Engagement der beiden Partner für den deutschen Mittelstand”, hieß es in dem damaligen Statement.

Kalkulationen von Finanz-Szene belegen die zuletzt enorm gewachsene Bedeutung der Amsterdam Trade Bank für Creditshelf. So hatten die Frankfurter das über ihre Plattform arrangierte Kreditvolumen im vergangenen Jahr um zwei Drittel (konkret: um 68 Mio. Euro) auf insgesamt 167 Mio. Euro erhöht. Wie sich auf Basis von Geschäftsberichten errechnen lässt, entfielen von diesen 68 Mio. Euro. mehr als 50 Mio. Euro auf die Amsterdam Trade Bank (die das Geld über ein Vehikel namens “Anfang B.V.” investierte). Da die Amsterdam Trade Bank in kleinem Umfang auch schon 2020 engagiert gewesen war, sind die “ersten” 60 Mio. Euro, von denen in der Mitteilung vom letzten Herbst die Rede war, inzwischen komplett investiert, wie das Fintech bestätigte.

Die bestehenden Kreditengagements sind von der Pleite der Amsterdam Trade Bank (ATB) nicht unmittelbar berührt. Sondern: Diese Darlehen werden im besten Falle weiterhin bedient, was in letzter Konsequenz vermutlich der Insolvenzmasse zugutekommt. Als künftiger Funding-Lieferant – also über die 120 Mio. Euro hinaus – dürften die Niederländer dagegen ausfallen, wie Creditshelf uns gegenüber bestätigte.

Offen ist, was aus der im Herbst angekündigten Ausweitung des Engagements von 60 Mio. auf 120 Mio. Euro wird. Wie viel von diesem Geld ist schon geflossen? Fließt hiervon überhaupt noch was?  Creditshelf teilte hierzu uns gegenüber mit: “Die ‘zweiten’ 60 Mio. Euro sind noch nicht vollständig abgerufen und investiert. Wir stehen in engem Kontakt mit der ATB, um die weiteren Schritte zu diskutieren.”

Die Pleite der Amsterdam Trade Bank trifft Creditshelf zu einem misslichen Zeitpunkt. Wichtigster Stakeholder der Frankfurter Fintechs ist bekanntlich der Multi-Unternehmen Rolf Elgeti. Er amtiert als Aufsichtschef, hält über sein Firmennetzwerk einen Großteil der Anteile – und auch ein großer Teil der über die Creditshelf-Plattform arrangierten Kredite findet sich nach wie vor in den Büchern von Elgeti-Unternehmen.

Ein entscheidender Akteur ist hierbei die “Obotritia Capital”, über die Elgeti nicht nur einen Teil seiner Aktien kontrolliert, sondern die per Ende 2021 über Creditshelf arrangierte Kredite im Umfang von gut 27 Mio. Euro hielt  – und die ausweislich des Creditshelf-Geschäftsberichts auch eine “Patronatserklärung” gegenüber dem Startup abgegeben hat, also quasi der Garantiegeber ist. Genau diese Obotritia Capital allerdings (siehe hier unseren Scoop von vergangener Woche) hatte zuletzt mit einer ausgesetzten Zinszahlung für Aufsehen gesorgt.

Die Gemengelage stellt sich nun also wie folgt dar: Früher oder später dürfte die Pleite der Amsterdam Trade Bank zu einer Funding-Lücke auf der Creditshelf-Plattform führen – zumindest wenn das Fintech seinen Wachstumskurs fortsetzen will. Ob Elgeti allein diese Lücke füllen wird, bleibt zumindest abzuwarten. Sprich: Es würde sicherlich nicht schaden, wenn Creditshelf bald einen neuen Refinanzierungs-Partner präsentiert.

Rolf Elgetis Investment-Vehikel Obotritia setzt Zinszahlung aus

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