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Bitpanda-Hammer: 55 Mio. € Umsatz, 13 Mio. € Ebitda

5. November 2021

Von John Stanley Hunter

Fintechs überall auf der Welt ringen zurzeit um ihr Geschäftsmodell. Nur mit einem Bankkonto lässt sich kaum Geld verdienen, diese Einsicht ist bei vielen digitalen Finanz-Unternehmen mittlerweile angekommen. In einem Segment allerdings sprudeln die Erträge zurzeit so richtig: beim Handel mit Kryptowährungen.

Beim US-Neobroker Robinhood kommen mittlerweile 51% des Umsatzes aus dem Verkauf von Bitcoin, Ethereum und Co. Und die Krypto-App Coinbase setzte im ersten Halbjahr 3,6 Mrd. Dollar um – bei einem Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar. Angezogen durch die hohen Gewinne setzen inzwischen auch hiesige Investment-Fintechs wie Trade Republic oder Scalable Capital auf Krypto-Trades, sogar die lange Zeit eher skeptische Neobank N26 werkelt an einem entsprechenden Angebot.

Größter Anbieter und Profiteur im deutschsprachigen Raum ist allerdings das Wiener Startup Bitpanda – und das schon seit Jahren. Nun hat das Fintech klammheimlich Zahlen veröffentlicht, wie Finance Forward und Finanz-Szene entdeckt haben. So verzeichnete Bitpanda im vergangenen Jahr 55,3 Mio. Euro Umsatz (was mehr als einer Verdopplung entspricht) und kam dabei auf einen operativen Gewinn (Ebitda) von 12,7 Mio. Euro – profitabel trotz enormen Wachstums, das ist bei Finanz-Startups eher selten. Tatsächlich ist Bitpanda damit das einzige Unicorn-Fintech in der DACH-Region, das Gewinne einfährt.

Dabei führte die Wiener Firma lange Zeit eher ein Schattendasein, es gab wenig Schlagzeilen, auch weil das Fintech in den ersten Jahren nach der Gründung 2014 kein Wagniskapital aufnahm. Trotzdem wuchs die Firma, kam 2019 bereits auf 1 Mio. Nutzer. Ein Jahr später zündete Bitpanda dann den Turbo, erhielt zum ersten Mal Geld von Startup-Investoren. Peter Thiels Valar und Hedosophia stiegen ein. Innerhalb eines Jahres explodierte die Firmenbewertung auf 4,1 Mrd. Dollar – das Fintech sammelte in mehreren Finanzierungen mehr als eine halbe Milliarde ein.

Von 1,1 Mrd. Euro Außenumsatz blieben 55 Mio. Euro hängen

Das nicht nur einträgliche, sondern vordergründig auch simple Geschäftsmodell: Immer dann, wenn die Kunden Kryptowährungen kaufen oder verkaufen, verdient Bitpanda an der Handelsspanne. Und on top fließen noch Gebühren. So hat das Fintech im vergangenen Jahr 1,1 Mrd. Euro Außenumsatz erzielt. Hängen geblieben sind davon 55,3 Mio. Euro, eine rekordverdächtige Take Rate von fast fünf Prozent.

Der Grund: Aktuell sind die Gebühren für viele Krypto-Anleger noch kein Faktor, auch aus Mangel an namhafter Konkurrenz und weil sich viele Kunden nicht näher mit den Kosten beschäftigten. Es ist allerdings fraglich, wie lange Bitpanda seine vergleichsweise hohen Margen aufrechterhalten kann. Neben der wachsenden Konkurrenz aus Übersee dürfte sich irgendwann auch die Konkurrenz durch die Scalables, Trade Republic und Neobanken bemerkbar machen. Die Aufschläge für den Kauf und Verkauf von Bitcoin auf Bitpanda liegen beispielsweise derzeit bei 1,49 Prozent. Das österreichische Startup erhebt ähnlich hohe Gebühren wie der große US-Player Coinbase, beide sind im Branchenvergleich recht teuer, wie
jüngst eine Untersuchung durch Coindex zeigte. Zum Vergleich: Der deutsche Konkurrenz-Anbieter Bison verdient nur am Spread von 0,75 Prozent.

Bitpanda-Mitgründer Eric Demuth gibt sich dennoch betont optimistisch. Per Ende 2020 zählt Bitpanda 1,4 Mio. registrierte Kunden – inzwischen sollen es drei Millionen sein. „Dieses Jahr wird es noch deutlich schöner“, sagt Demuth. Bei gleichem Nutzungsverhalten und Materialaufwand dürfte die Firma ihren Netto-Umsatz mindestens verdoppeln – hinzu kommen weitere Produkte, die Bitpanda seit Jahresbeginn eingeführt hat. Der Gründer glaubt nicht an ein Ende seines rasch wachsenden Geschäfts: „2021 wird 2020 deutlich schlagen“, sagt er. Wobei auch die Kosten (2020 fielen für Personal lediglich rund 14 Mio. Euro an) deutlich höher ausfallen werden: Das Unternehmen hat seit Jahresbeginn sein Team von 182 Mitarbeitern auf mehr als 600 aufgestockt.

Dass die Marge, so üppig sie auch ist, dennoch kleiner ausfällt als die des großen US-Vorbilds Coinbase, stört den Bitpanda-Gründer nicht. „Wie bei allen Techfirmen geht es hier um Skaleneffekte“, sagt Demuth. „Umso größer du bist, umso profitabler ist dein Geschäft. Deswegen werden unsere Zahlen auch von Jahr zu Jahr besser.“

Abwarten, ob es wirklich so kommt. Denn: Das Geschäftsmodell ist noch stark von der generellen Entwicklung der Krypto-Märkte abhängig. Sobald die großen Kryptowährungen einen signifikanten Wertverlust erleiden, dürften sie auch weniger gehandelt und Bitpanda als Broker entsprechend weniger umsetzen.

Auch deshalb drängt Bitpanda in neue Geschäftsbereiche: Zum einen bietet das Fintech seinen Kunden inzwischen auch einen Zugang zu Aktien- und ETF-Derivaten. Zum anderen hat Bitpanda vor wenigen Monaten ein White-Label-Angebot für andere Unternehmen gestartet, die seine technische Infrastruktur nutzen können, um ihren Endkunden ein vergleichbares Angebot zu machen.

Was der Bitpanda-Coup für Trade Republic und Scalable bedeutet

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