Kurz gebloggt

Deutsche Fintech-Branche schaltet in den Krisenmodus

13. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Als Finanz-Szene.de letzten Mittwoch vom (scheinbar) „ersten“ hiesigen Finanz-Startup berichtete, das infolge der Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet habe (nämlich: Savedroid), ergänzten wir die Nachricht wohlweißlich um den Zusatz: Zumindest handele es sich um das erste Fintech, „bei dem dieser Schritt öffentlich wird“.

Und in der Tat: Schon in unserem Newsletter am Donnerstagfrüh war von mindestens zwei weiteren Fällen die Rede – bevor am Donnerstagvormittag dann der Branchenprimus N26 bekannt gab, 150 Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken zu wollen. Und das, nachdem die Berliner am Abend zuvor uns gegenüber noch betont hatten, keine Kurzarbeit angemeldet zu haben.

Jedenfalls: Übers lange Osterwochenende haben wir unsere Recherchen noch ein bisschen vorangetrieben und glauben nun den tatsächlichen Stand zumindest für die Top-Fintechs einigermaßen verlässlich beisammen zu haben. Und zwar: Von den zehn höchstbewerteten Finanz-Startups hierzulande greifen inzwischen zumindest vier auf Kurzarbeit zurück. Darunter befindet sich neben N26 auch der Hamburger Crowdinvesting-Spezialist Exporo – von einem der beiden anderen Fintechs wissen wir durch eine anonymisierten Umfrage, bei dem vierten ist die Quellenlage zwar ziemlich, aber nicht zu 100% verlässlich.

Unklar ist, wie die Lage in der breiten Masse der Fintechs aussieht. Bei knapp 30 Anbietern hatte Finanz-Szene.de vergangene Woche direkt angefragt, ob sie Kurzarbeit angemeldet hätten. 15 Fintechs hatten dies explizit verneint, darunter waren 13 einverstanden, dass wir ihren Namen nennen – wobei sich bei N26 (siehe oben) der Sachstand ja mittlerweile geändert hat. Bleiben noch zwölf:

  • Iconic Finance
  • Solarisbank
  • IDNow
  • CRX Markets
  • Scalable Capital
  • Billie
  • Elinvar
  • Compeon
  • Clark
  • Raisin
  • Element
  • WebID Solutions

Darüber hinaus hatten wir über Social Media nach weiteren Fintechs gefahndet, die keine Kurzarbeit angemeldet haben. Hier blieb die Resonanz – verglichen mit ähnlichen Recherchen in der Vergangenheit – erstaunlich dünn. Es meldeten sich lediglich:

  • Qplix
  • Justtrade
  • Aixigon (als schon 1999 gegründeten Bankensoftware-Anbieter zählen wir Aixigo normalerweise nicht zu den Fintechs – aber sei’s drum …)

Das heißt selbstverständlich nicht, dass im Umkehrschluss die große Mehrheit der „Normale-Fintechs“ auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreift. Andererseits: Warum sollte in der Masse der Finanz-Startup der Anteil derer, die bereits in den Krisenmodus geschaltet haben, signifikant kleiner sein als unter den Top-10-Fintechs?

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