Fintech Jobboom-Serie (Prolog)

Deutsche Fintechs beschäftigen inzwischen grob 20.000 Leute 

Als im Frühjahr 2020 die Corona-Krise hereinbrach, fror der deutsche Fintech-Boom für einige Monate regelrecht ein. Die Zahl der Neueinstellungen sank gen Null, mancherorts wurde Kurzarbeitergeld beantragt, teilweise auch die Belegschaft reduziert.

Und nun, zwei Jahre später???

Für manche in der Szene fühlt es sich dieser Tage an wie ein Déjà-vu: Entlassungen bei Klarna (u.a. in Berlin, siehe hier). Entlassungen bei SumUp (siehe hier). Entlassungen bei Kontist und Nuri (also ebenfalls in Berlin, siehe hier und hier). Ob es sich um Einzelfälle oder den Beginn einer Welle handelt, werden die kommenden Wochen zeigen. Was allerdings (Stichwort: Big picture) in die Betrachtung einbezogen werden sollte: Zwischen Corona-Schock und Klarna-Schock liegen zwei Jahre, in denen viele deutschen Fintechs in sehr, sehr großem (zu großem?) Stil Jobs aufgebaut haben:

  • SumUp etwa kommt inzwischen auf grob 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Trade Republic hat seine Belegschaft binnen 24 Monaten in etwa versechsfacht
  • und Moss ist im gleichen Zeitraum um mehr als das Zehnfache gewachsen.

Klar – das sind Ausreißer. Aber sie stehen für einen branchenweiten Trend, wie eine exklusive Erhebung von Finanz-Szene auf Basis von Linkedin-Profilen zeigt. Demnach haben 117 untersuchte deutsche Fintechs ihre Belegschaft allein zwischen Mai 2021 und April 2022 um durchschnittlich 27% ausgebaut. Alles in allem zählten wir bei unserer Auswertung gut 16.000 Beschäftigte – und das, obwohl wir eine eher enge Fintech-Definition anlegten und uns auf die seit 2010 gegründeten Finanz-Startups beschränkten*. Wenn man bedenkt, dass ja beileibe nicht jeder Beschäftigte bei Linkedin registriert ist, darf man alles in allem sicherlich von mittlerweile grob 20.000 Fintech-Mitarbeitern hierzulande ausgehen.

Wir wollen die aktuelle Lage zum Anlass nahmen, das Phänomen in einer mehrteiligen Serie genauer zu beleuchten: Welche Fintechs sind wie stark gewachsen? Wie schaut es in den einzelnen Segmenten aus? Und um was für Profile geht es?

Hier gelangen Sie – passend zu Kontist und Nuri – zum ersten Teil der Serie: Neobanken und Multibanking-Startups (weitere Teile folgen in den nächsten Tagen)


*Wir haben uns auf Fintechs aus den Bereichen Banking, Payments, Investment, Kredit und Insurtech beschränkt. Dagegen blieben beispielsweise Immobilien-Startups, Buchhaltungs-Startups oder Steuer-Startups außen vor. Dadurch, dass wir (mit Ausnahme von Smava und Auxmoney) alle vor 2010 gegründeten Fintechs ausklammerten, fehlen beispielsweise Branchengrößen wie Hypoport, Interhyp oder Ratepay.

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