Kurz gebloggt

Diese 15 Details offenbart der Lagebericht von N26

28. Januar 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Caspar Schlenk

N26 hat ausgewählten Medien – darunter dankenswerterweise auch uns – seinen noch unveröffentlichten 2019er-Lagebericht zur Verfügung gestellt. Am „Big picture“, das wir gestern bereits zu zeichnen versucht hatten, ändert sich hierdurch zwar wenig. Aber: Die Fülle an hochinteressanten Details, die der Bericht offenbart, wollten wir Ihnen trotzdem nicht vorenthalten. Auf geht’s: 15 Dinge, wie wir noch nicht von N26 wussten:

  1. Bei den „rund 100 Mio. Euro“ Umsatz in 2019, von denen N26-Chef-Stalf am Donnerstag im „Handelsblatt“-Interview gesprochen hatte, handelte es sich genau genommen um 94 Mio. Euro
  2. Diese 94 Mio. Euro verteilten sich auf: Provisionserträge (83 Mio. Euro), Zinserträge (9 Mio. Euro) und sonstige betriebliche Erträge (2 Mio. Euro)
  3. Den Provisionserträgen von 83 Mio. Euro standen Provisionsaufwendungen von 36 Mio. Euro gegenüber. Diese Verhältnis hat sich verglichen mit 2019 (da waren es 38 Mio. Euro Erträge und 24 Mio. Aufwand) markant verbessert
  4. Von den 9,3 Mio Euro Zinserträgen entfielen entfielen 4,3 Mio. Euro auf das Kreditgeschäft – vermutlich in erster Linie Dispokredite
  5. Die Zahl der „ertragsrelevanten Kunden“ gibt N26 in dem Abschluss mit 2,3 Millionen an (also per Ende 2019). Da in einer Pressemitteilung Anfang 2020 von fünf Millionen Kunden die Rede war, kann man also davon ausgehen, dass rund 45% der öffentlich kommunizierten Kunden echte Kunden sind in dem Sinne, dass N26 mit ihnen nennenswert Geschäft macht
  6. Im Geschäftsbericht heißt es, dass N26 im Jahr 2019 mit einem Kunden im Schnitt 60 Euro Ertrag erwirtschaftet habe
  7. Zudem heißt es: „Wegen der weltweiten Corona-Epidemie gehen wir von einer leicht rückläufigen Entwicklung des Umsatzes je Kunde in 2020 aus.“
  8. Hieraus lassen sich nun Rückschlüsse auf die 2020er-Erträge ziehen. Denn wenn man a) auf Basis der kommunizierten Kundenzahlen davon ausgeht, dass N26 im vergangenen Jahr im Schnitt irgendwas zwischen 2,5 Mio und 2,8 Mio. ertragsrelevante Kunden gehabt haben dürfte und dass b) der Umsatz je Kunde corona-bedingt auf, sagen wir, 50-55 Euro zurückgegangen ist, dann kommt man auf einen Gesamtumsatz irgendwo zwischen 125 Mio. und 155 Mio. Euro
  9. Im „HB“ hatte Valentin Stalf gesagt, der Verlust sei von 217 Mio. Euro in 2019 auf 110 Mio. Euro in 2020 gesunken. Bei 94 Mio. Euro Erträgen ergeben sich für 2019 Aufwendungen von 311 Mio. Euro. Legt man für 2020 einfach mal einen Umsatz von 140 Mio. Euro zugrunde, dann hätten die Kosten bei 250 Mio. Euro gelegen
  10. Nicht nur die Expansionen nach UK und in die USA trieben 2019 die Kosten, sondern auch weitere Faktoren. Ein Beispiel: N26 steckte insgesamt 15 Mio. Euro in die „ausgelagerte Kundenbetreuung“
  11. Die Kosten der Kundenverifizierung verdoppelten sich auf 10 Mio. Euro, die der Kartenproduktion auf 13,8 Mio. Euro
  12. Die Marketingkosten stiegen von knapp 27 Mio. Euro auf stattliche 68 Mio. Euro. Das sind umgerechnet etwa 22 Euro pro Kunde bzw. 52 Euro pro „ertragsrelevantem“ Kunden. Im Branchenvergleich immer noch ein guter Wert
  13. Bemerkenswert: Obwohl das Unternehmen kaum Kreditgeschäft macht, ergaben sich „Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen und bestimmte Wertpapiere sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft“ von 16 Mio. Euro
  14. Erstaunlich: N26 hat im Kreditgeschäft „stille Reserven“ in Höhe von fast 19 Mio. Euro angehäuft. Ins Unreine (und ein bisschen ahnungslos) spekuliert: Kann das daher kommen, dass diese ganzen Kommunalobligationen (oder wo auch immer N26 seine Einlagen genau hinschieben mag) in Niedrigzeiten hübsche Wertzuwächse generieren?
  15. Ach nee, waren doch nur 14.

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