Exklusiv

Finleap macht Fintech-Haudegen Kebsch zum CEO von „Connect“

9. Januar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Auf Linkedin firmiert Frank Kebsch (54) zumindest bis gestern immer noch als „CEO Arvato Financial Services“. Dabei ist er genau das seit rund einem Jahr nicht mehr. Der Abgang damals kam für Außenstehende überraschend. Und für manche Innenstehende auch. Schließlich hatte Kebsch fast zwei Jahrzehnte bei der Finanzsparte von Arvato (das ist die gigantische Dienstleistungs-Tochter von Bertelsmann) verbracht, immer in führender Position, die letzten zweieinhalb Jahre schließlich als „Chief Executive Officer“. Bis er durch Rolf Hellermann ersetzt wurde.

Und nun: Feiert der Fintech-Veteran ein bemerkenswertes Comeback. Denn wie Finanz-Szene.de vorab erfahren hat, soll Frank Kebsch der CEO von Finleap Connect werden – also Chef des neuen, ziemlich ambitionierten B2B-Ventures des Berliner Company-Builders Finleap (das auch hinter der Solarisbank, Joonko und rund einem Dutzend weiterer Finanz-Startups steht). Was zum Vollzug noch fehlt, ist einzig die Zustimmung der Bafin. Das allerdings dürfte im Falle Kebschs eine reine Formalie sein.

Finleap Connect war im vergangenen Sommer aus dem Zusammenschluss des Berliner Kontowechsel-Spezialisten Finreach mit dem Hamburger API-Fintech Figo entstanden. Darüber hinaus gingen Infinitec Solutions (eine Art „Personal Finance Manager“ für KMUs) und Finleaps „Commercial“-Team in der neuen „Connect“ auf, so dass damals auf einen Schlag ein Unternehmen von mehr als 150 Mitarbeitern entstand. Manch einer in der Branche unkte seinerzeit, nun stehe wohl erst einmal eine Konsolidierung an – doch das Gegenteil ist der Fall. Mittlerweile sei Finleap Connect bei 200 Leuten angekommen, berichtete Kebsch gestern im Gespräch mit Finanz-Szene.de; 20 weitere Stellen sind momentan im Jobportal des Unternehmens ausgeschrieben.

Welche Ziele Finleap mit der „Connect“ verfolgt, hatten wir im vergangenen Sommer aufgedröselt (hier ist das Ganze zum Nachlesen). Im Kern geht es darum, einen großen Software as a Service‘-Provider zu schmieden, der Banken, Finanz-Startups und sonstigen Unternehmen, die Finanzdienstleistungen anbieten wollen, praktische sämtliche Fintech-Lösungen aus einer Hand anbietet. CEO des neuen Unternehmens sollte eigentlich Finleap-Oberguru Ramin Niroumand selbst werden. Beziehungsweise: Er wurde es auch – allerdings eben nur für einige Monate, da ja nun Kebsch übernehmen soll.

Im Gespräch mit Finanz-Szene.de versuchte Niroumand gestern erst gar nicht so zu tun, als wäre das alles von langer Hand geplant gewesen. Stattdessen führte der 32-Jährige für seinen überraschenden Sinneswandel zwei Gründe an: „Zum einen habe ich gemerkt, dass ich nicht dauerhaft die Doppelrolle des Finleap-CEOs und des Finleap-‚Connect‘-CEOs ausfüllen kann. Das sind dann eben doch zwei Vollzeit-Jobs. Und zum anderen wollten wir uns die Chance, einen Vollprofi wie Frank Kebsch als Connect-Chef zu gewinnen, nicht entgehen lassen.“ Niroumand will sich nun wieder auf seine Kernjob konzentrieren, wird allerdings nebenher auch weiter bei „Connect“ mitmischen – etwa beim Thema internationale Expansion oder bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells.

Interessant übrigens: Die Personalie Kebsch steht für einen nicht nur, aber besonders im Finleap-Universum zu beobachtenden Trend – nämlich dass in der Fintech-Branche, je erwachsener sie wird, auch immer mehr erfahrene CEO Einzug halten. Das zeigte sich bei der Solarisbank (Roland Folz); das zeigte sich bei Element (Christian Macht). Das zeigte sich bei Penta (Marko Wenthin, dessen Profilfoto bei Linkedin zugegebenermaßen eher einen teenagerhaften Eindruck macht). Und nun zeigt es sich bei Finleap Connect.

Dass aus Finleap Connect nun aber eine Art „Arvato Financial Solutions 2.0“ werde, ist Kebsch zufolge nicht zu erwarten: „Die beiden Unternehmen sind nicht wirklich zu vergleichen. Bei Arvato FS steht bei aller technologischen Orientierung letzten Endes die Dienstleistungs-Komponente im Mittelpunkt. Dagegen liegen der Fokus von Finleap Connect eindeutig auf Software und Technologie.“

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