Kurz gebloggt

Hier kommt das am höchsten gefundete deutsche Jung-Fintech

17. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn in den vergangenen Monaten ein interessanter neuer Fintech-Akteur den deutschen Markt betrat, dann handelte es sich in aller Regel um den Ableger eines schon mehr oder weniger bekannten ausländischen Players. Ein gutes Beispiel hierfür ist der schwedische API-Spezialist Tink, der im Mai sein hiesiges Büro eröffnete (skurrilerweise in Düsseldorf, nicht in Berlin). Andere Namen sind October (KMU-Finanzierung), die Modularbank (bieten so was Ähnliches wie Solaris an, wenn wir es richtig verstehen), Qonto (so was Ähnliches wie Kontist und Penta) und natürlich die neue Challenger-Bank Vivid Money.

Was dagegen mittlerweile eine Rarität ist, mal abgesehen von den sog. Fintech-Brokern (von denen es gefühlt inzwischen ja jede Woche drei neue gibt), das sind gut gefundete heimische Neo-Player. Receeve fällt einem ein, also das neue Hamburger Inkasso-Fintech – aber sonst? Ach ja, natürlich: Nufin!

Nufin ist das, was man, täten sich die Fintech-Menschen nicht so schwer mit schönen, alten, deutschen Wörtern, ein Vorschusslorbeeren-Fintech nennen könnte. Schon letzten Herbst sammelten die Gründer Ante Spittler (vor seiner Heirat: Ante Krsanac) und Anton Rummel bei Angel-Investoren 4 Mio. Euro ein. Anfang dieses Jahres folgte eine weitere Finanzierung über diesmal 6 Mio. Euro. Das Geld kam von den beiden Berliner Risikokapitalgebern Cherry Ventures und Global Founders Capital (wobei GFC zum Samwer-Universum gehört und der vormalige Arbeitgeber von Spittler und Rummel ist. Zuvor hatten die beide das – letztlich pleite gegangene – Umzugs-Startup Move24 gegründet). Schaut man im Handelsregister nach, wie viele Anteile für besagte 6 Mio. Euro weggingen, dann lässt sich hochrechnen, dass die Post-Money-Bewertung im Februar bereits satte 47 Mio. Euro betrug. Nicht schlecht für ein Startup, dessen Launch damals noch einige Monate in der Zukunft lag.

Das freilich hat sich inzwischen und sozusagen einen Corona-Schock später geändert. Denn seit letzter Woche ist Nufin live – wenn auch nicht unter dem Namen Nufin, sondern unter der Brand „Vanta“ (wie die Kollegen von „Deutsche Startups“ sehr zu unserem eigenen Missfallen scoopten).

Das Geschäftsmodell? Vanta will sich als Anbieter von Firmenkreditkarten positionieren. Dahinter steht der Gedanke, dass 1.) Kartenzahlungen ganz generell und also auch im Business-Kontext stark an Bedeutung gewinnen dürften. Und dass 2.) schon jetzt sehr konkret immer mehr Unternehmens-Ausgaben per Kreditkarte beglichen werden (nicht nur Hotels oder Flüge, sondern z.B. auch Online-Services, Cloud-Services etc .pp.).

Das Setup ist dabei grob gesagt folgendes:

  • Vanta bietet Unternehmen „eine Komplettlösung für den Bezug von Kreditkarten“, wie Gründer Spittler das ausdrückt
  • Das heißt: Die Karten können an bestimmte Abteilungen, aber auch an einzelne Teams oder Mitarbeiter ausgestellt werden.
  • Ergänzt wird das Angebot um eine Buchhaltungs-Lösung
  • Wie Vanta Geld verdienen will? Erstens am „Interchange-Split“ (das Fintech erhält also einen Anteil an den Gebühren, die pro Kartenzahlung anfallen, zumal bei Geschäftskarten der „Interchange-Deckel“ von 0,3% nicht greift); und zweitens über eine Gebühr, die den Unternehmen für die Nutzung der Software in Rechnung gestellt wird.

Komplett neu ist die Idee als solche natürlich nicht. Das große Vorbild für Vanta dürfte Brex sein, ein US-Fintech, dass medial als „The credit card for startups“ herumgereicht wird und bei der jüngsten Finanzierungsrunde mit 2,6 Mrd. Dollar bewertet wurde. Zumindest grob vergleichbare Anbieter gibt es auch in Europa, etwa die Franzosen von Spendesk, die Dänen von Pleo oder die Bulgaren von Payhawk, die ihre Services alle drei auch in Deutschland anbieten. Und natürlich gehören auch auf KMUs spezialisierte Challenger-Banken wie Penta zu den potenziellen Konkurrenten von Vanta.

Von der Wettbewerben setze man sich durch „diverse USPs“ ab, sagt Rummel. Dazu gehöre der Einsatz „echter Kreditkarten“ (sprich: „Charged cards“) mit der damit verbundenen „ultimativen Kartenakzeptanz“. Oder auch die Möglichkeit, für Teams oder Mitarbeiter jeweils individuelle Ausgabenlimits festzulegen.*

Die technische Infrastruktur hinter Vanta kommt von der Raisin Bank (interessant: endlich mal ein neues Konten- oder Karten-Fintech, das seine Infrastruktur nicht von der Solarisbank bezieht). Auf der Issuing-Seite kooperiert das neue Startup vorerst mit einem britischen E-Money-Institut namens CashFlows – sucht wegen des Brexits allerdings bereits nach einem neuen Partner.

Bislang habe man eine gehobene zweistellige Zahl an Kunden gewonnen, sagt Spittler – und nennt das Berliner Factoring-Fintech Billie, das Berliner Investment-Fintech Moonfare und das Hamburger HR-Startup Joblift als Referenzen. Tatsächlich seien deutsche Startups zunächst auch die zentrale Zielgruppe.

Alles in allem (zu den Angel-Investoren gehörten u.a. Fintech-Guru André Bajorat, zu den Beratern der Ex-N26-und heutige Moonfare-Manager Lorenz Jüngling) drängt sich der Eindruck auf: Vanta ist zunächst mal so etwas wie ein Startup von Startups für Startups. Bzw ein Fintech von Fintechs für Fintechs. Für den Beginn nicht die schlechteste Voraussetzung. Aber auf Dauer muss da natürlich mehr kommen.


Anm. der Red.: Wir von Finanz-Szene.de kennen uns in dem Beritt nicht so gut aus, als dass wir bis ins letzte Detail beurteilen können, welche dieser Features es bei der Konkurrenz womöglich ebenfalls – oder zumindest so ähnlich – gibt und welche nicht …

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