N26 erklärt „Europe first“-Strategie. US-Geschäft? Läuft nebenher

14. November 2021

Von John Stanley Hunter und Heinz-Roger Dohms

Die Berliner Challenger-Bank N26 verabschiedet offiziell von ihren globalen Expansionsplänen – und wird ihr Übersee-Geschäft bis auf weiteres nur nebenher laufen lassen. „Die Aufmerksamkeit des Managements wird sich auf absehbare Zeit eher weniger auf den US-Markt richten“, sagte Co-Gründer und Co-CEO Maximilian Tayenthal dem englischsprachigen „Business Insider“ (Paywall). Der Fokus gilt stattdessen den heimischen Kernmärkten wie Deutschland oder Frankreich: „Was mich nachts wach hält, das ist in letztlich die Frage, wie wir den [Kampf um den] europäischen Markt gewinnen können“, so Tayenthal.

Dass N26 auf eine „Europe first“-Strategie setzt, hatte sich seit dem Rückzug vom britischen Markt im Februar vergangenen Jahres zwar schon abgezeichnet. Nach außen hielt das Milliarden-Fintech allerdings den Eindruck aufrecht, zumindest in den USA weiterhin Gas geben zu wollen (siehe auch entsprechende Äußerungen hier noch im Februar 2021).

Dabei gab es für die De-Priorisierung des Amerika-Geschäfts durchaus Anzeichen. Konkret: Direkt nach dem US-Launch Ende 2019 war die N26-App in den USA teilweise mehr als 20.000-mal pro Woche heruntergeladen worden, zeigt eine Auswertung des Analyse-Tools „Airnow Data“. Von zwei kurzen Ausreißern Anfang und dann auch nochmal Mitte 2020 abgesehen, gingen die Zahlen seitdem aber kontinuierlich nach unten – ein klares Indiz, dass die Berliner ihr Marketing in den USA schon vor längerer Zeit heruntergefahren haben, um ihre Ressourcen stattdessen auf den europäischen Markt zu konzentrieren.

Das Geschäft sei auch so "komplex genug", so N26-Chef Tayenthal

Nun wären nach dem 775 Mio. Euro schweren Rekord-Funding aus dem Oktober zwar theoretisch genügend Mittel vorhanden, um auch das US-Geschäft wieder zu forcieren. Die Aussagen Tayenthals zeigen jedoch, dass N26 lieber seine starke Position in den europäischen Kernmärkten ausbauen will – statt sich außerhalb Europas auf einen möglicherweise aussichtslosen Wettbewerb mit finanziell besser ausgestatteten Rivalen wie der US-Neobank Chime oder der britischen Neobank Revolut einzulassen.

"Wenn Sie mich vor ein paar Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt, wir launchen jedes Jahr in einem weiteren Markt", so Tayenthal. Inzwischen merke man allerdings, dass das Geschäft auch ohne solche Expansionsschritte "komplex genug" sei. "Diese Komplexität darf man nicht unterschätzen", meinte Tayenthal, der unter anderem auf die unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen verwies. In dieser Hinsicht sei die Finanzindustrie nicht vergleichbar "mit einem Dienst wie WhatsApp, der sich relativ leicht internationalisieren lässt".

Wie "Finance Forward" bereits Mitte Oktober berichtete, hat N26 die Kooperation mit der US-Partnerbank Axos kürzlich beendet. Die Suche nach einem neuen Dienstleister läuft, potenzielle Neukunden landen seit Ende August wieder auf einer Warteliste. Eine eigene Lizenz ist in den USA offenbar auch weiterhin nicht geplant – anders als in Brasilien. Dort zieht sich der Launch zwar schon seit 2019 hin, dafür hat N26 inzwischen allerdings eine eigene Lizenz. Anfang November haben die Berliner in dem südamerikanischen Land ihren Beta-Test gestartet. Der offizielle Start wird nun für 2022 angepeilt. Die Aussagen Tayenthals freilich lassen erahnen, dass N26 es auch in Brasilien eher gemütlich wird angehen lassen.

Nach dem Funding: Diese Herausforderungen warten auf N26

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