Kurz gebloggt

N26 halbiert die Kundenzahl und gibt ein 7-Mio.-Euro-Rätsel auf

5. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Dürfen wir zur großen N26-Meldung von gestern Früh heute noch ein bisschen was nachreichen?

  • Während uns sonst gern mal vorgeworfen wird, wir würden immer nur negativ über die Berliner Smartphone-Bank berichten (was wir gar nicht tun), empfanden einige Leser den gestrigen Bericht als zu positiv. Deshalb folgende Anmerkungen: 1.) Warum haben wir bei Provisionen und Zins auf die Erträge statt auf den Überschuss rekurriert? – Weil lange Zeit infrage stand, ob N26 überhaupt in der Lage ist, nennenswerte Erträge zu erzielen! Dass diesen Erträgen entsprechender Aufwand gegenübersteht, wollten wir nicht verschweigen, hielten wir aber für nicht betonenswert. 2.) Warum haben wir die „sonstigen betrieblichen Erträge“ eingerechnet? – Weil diese laut Abschluss „im Wesentlichen aus Sonderzahlungen aus der Geschäftsbeziehung mit Mastercard“ resultierten. Unsere Vermutung war/ist: Diese Erträge könnten was mit der Interchange zu tun haben und also im Kern operativ sein.
  • Diversen Lesern war (wie auch uns) aufgefallen, dass die Abschreibungen bzw. Wertberichtigungen aus dem Kreditgeschäft mit 7 Mio. Euro erstaunlich hoch ausfallen für eine Bank, von der es heißt, sie würde doch eigentlich gar kein Kreditgeschäft betreiben. Hierzu haben wir drei Thesen für Sie, die auf Gesprächen mit zwei Bilanzexperten beruhen: 1.) N26 macht krude Sachen, von denen man nichts weiß. 2.) Der Dispo-Kram, den N26 betreibt, erzeugt vielsagend hohe Einzelwertberichtigungen. 3.) Das rasante Wachstum der Bilanzsumme zieht automatisch die Bildung hoher pauschaler Wertberichtigungen (insbesondere für den Dispo-Kram) nach sich. Und was stimmt? Also, „1.“ fänden wir mega-cool. Plausibler allerdings ist eine Mischung aus „2.“ und „3.“.
  • Und schließlich die eigentlich schönste N26-Pointe (die wir vorgestern Abend auf die Schnelle übersehen hatten): Während die Berliner Anfang 2019 öffentlich von 2,3 Mio. Kunden schwadronierten, steht im jetzt veröffentlichten 2018er-Geschäftsbericht wörtlich: „Die Kundenzahl stieg zum Jahresende auf über eine Million.“ Mit anderen Worten: All das, was N26 seit Jahr und Tag zur Anzahl seiner Kunden verbreitet, ist gelinde gesagt mit allerhöchster Vorsicht zu genießen. Und wir? Fühlen uns immer wohler mit unserer neulich aufgestellten These, dass sich unter den zuletzt von N26 kommunizierten 5 Mio. „Kunden“ nur rund 1,5 Mio. wirklich aktive Kunden befinden.

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