N26-Rivale Bunq erzürnt Kunden mit saftigem Gebührenplus

2. April 2020

Von Christian Kirchner

Wo wären wir bloß ohne unsere ökobesorgten Neobanken? N26 erhöhte kürzlich die Gebühren für Ersatzkarten „der Umwelt zuliebe“, damit die Kunden nicht so viele Karten nachbestellen. Tomorrow wiederum schreibt auf sein Premium-Konto seit Februar ein Preisschild von 15 Euro, womit „der CO2-Fußabdruck ausgeglichen“ werden soll.

Dass Preiserhöhungen ein bisschen netter daher kommen, wenn die Kunden das Gefühl haben, etwas Gutes zu tun – das denkt sich offenbar auch die niederländische Neobank Bunq, die in Deutschland seit 2017 aktiv ist. Denn gestern erfuhren die Kontoinhaber in einer eher subtil gehaltenen E-Mail, man werde „große Schrittes zu einer besseren bunq Erfahrung“ machen und dafür ein paar alte Kontomodelle abschaffen und ein neues Kontomodell einführen. Dafür könnten Mitglieder binnen zwei Jahren CO2-neutral werden, zudem würden künftig für alle Kartenumsätze Bäume gepflanzt.

„Große Schritte“ sind die Änderungen indes vor allem in Sachen Monetarisierung. Aber das erfährt nur, wer sich im Preisverzeichnis genau umsieht. Denn Bunq stellt seine kostenlosen Konten (Ausnahme: die kontolose Travel-Card) ein und überführt die Kunden automatisch in das „Premium“-Kontomodell. Kostenpunkt: 7,99 Euro pro Monat nach dreimonatiger kostenlosen Startphase.

Ein automatisches „Upsell“ erhalten auch Kunden, die bislang schon in der kostenpflichtigen Variante „GreenCard“ (in der für Umsätze automatisch Bäume gepflanzt werden) unterwegs waren und dafür 99 Euro im Jahr (also 8,25 Euro pro Monat) zahlten. Sie werden nun ins Modell „Premium SuperGreen“ für nunmehr 16,99 Euro pro Monat überführt. Dieses Paket umfasst die Leistungen (siehe hier) der bisherigen Green Card und der bisherigen Premium-Konten. Hier gibt es immerhin eine einjährige Einführungsphase für bisherige GreenCard-Kunden – ab April 2021 greift dann der neue Preis.

Zum Vergleich: das teuerste Privatkunden-Kontomodell der Deutschen Bank kostet 11,9o Euro, bei der Commerzbank sind es 12,90 Euro. Auf Augenhöhe ist Bunq künftig mit dem N26-Metal-Angebot für 16,90 Euro.

Der Schritt dürfte beispiellos sein in der Branche der Neo-Banken, in der man eigentlich eher an kleineren Preisschräubchen dreht. Folge: Im Bunq-eigenen Forum türmen sich die Beschwerden von Kunden, die sich überrumpelt und schlecht informiert fühlen. Auch an Finanz-Szene.de wandten sich erzürnte Kunden.

Nutzer erstaunt vor allem, dass Bunq die Maßnahmen mit einer kürzlich auf seiner Hompepage durchgeführten Umfrage begründet: Dort erkundigte sich die Neobank in einem offenen Bereich reichlich suggestiv, ob man denn alles so kompliziert lassen soll, wie es ist mit den Konten, oder ob man künftig „mit allen Karten mit einem simplen Abo-Model“ mehr Bäume pflanzen sollte. 81% stimmten demnach für die „Mehr Bäume“ ab, schrieb Bunq gestern an seine Kunden – und begründet damit offenbar implizit auch die saftigen Preiserhöhungen. Von denen indes war in der Mail gar keine Rede. Sondern nur, siehe oben: im Preisverzeichnis.

Über seine Anzahl der Kunden macht das im 2012 gegründete Oranje-Fintech keine Angaben. Die Kundeneinlagen sollen zuletzt bei rund 430 Mio. Euro gelegen haben. Bei Apple ist die Bunq-App mit 1350 Bewertungen und einem Bewertungsschnitt von 4,7/5 sehr populär. Die Bank ist nach eigenen Angaben in inzwischen 30 Ländern aktiv, nachdem allein im vergangenen Herbst der Rollout in 22 weiteren Ländern erfolgte. Der Claim der Bank lautet: „Bank of the free“.

Wütende Nutzer texteten diesen Slogan gestern gleich mal um: Bunq sei nun eben die „Bank of the fee“.

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