Exklusiv

Penta bietet als erste Challenger-Bank einen KfW-Kredit an

8. Dezember 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Was war das für ein Palaver im Corona-Frühjahr. Die Konjunktur schmierte ab. Die KfW holte die Bazooka raus. Und aus der deutschen Fintech-Branche ertönte ein kollektives „Wir wollen auch!!!“. Wie die Sache ausging, ist bekannt: Die Fintechs (allen voran: Penta) wollten zwar tatsächlich KfW-Hilfen vergeben. Aber sie konnten nicht. Beziehungsweise, das war die Lesart der Fintechs: Sie hätten zwar gekonnt – doch man (genauer: die KfW) ließ sie nicht.

Nun indes, ein dreiviertel Jahr später, wird die Challenger-Bank Penta mit ihren rund 25.000 Klein-KMU-Kunden doch noch zur KfW-Bank. Jedenfalls indirekt. Und jedenfalls bezogen auf den sogenannen KfW-Schnellkredit (irgendwann 2021 will Penta auch weitere KfW-Darlehen ins Angebot aufnehmen). Es ist allerdings nicht so, dass das Berliner Fintech brav bei der Frankfurter Staatsbank vorstellig geworden wäre und um eine entsprechende Akkreditierung nachgesucht hätte.

Sondern: Um den Corona-Schnellkredit vergeben (korrekter: den eigenen Kunden vermitteln) zu können, macht Penta gemeinsame Sache mit der „Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank eG“, einem umtriebigen Geno-Fusionsinstitut, das in Franken bzw. Südhessen beheimatet ist. Das Hausbank-Prinzip? Das Regional-Prinzip? Werden selbstverständlich nicht umgangen (wo käme man denn da hin?). Sondern: Sie werden offenbar modern interpretiert!

Einschub: Falls der ein oder andere Leser jetzt meint, von der Sache mit Penta und der Volksbank schon mal gehört zu haben … Nope, da verwechseln Sie was! Doch dazu gleich mehr. Erst einmal: der Reihe nach.

Dass die Sache mit den KfW-Krediten für Penta überhaupt so ein großes Ding ist (auch in puncto Prestige), das hat mit der oben bereits angedeuteten Geschichte aus dem Frühjahr zu tun. Damals hatte – der zwischenzeitlich aus privaten Gründen zurückgetretene – Penta-Chef Marko Wenthin in der Früphase des ersten Lockdowns lautstark die Initiative ergriffen. Vereinfacht gesagt, sollte Penta zum technologischen Scharnier für die Vergabe der damals noch im Diskussions-Stadium befindlichen KfW-Soforthilfen werden. Wenthin schrieb eine Petition, er richtete einen Appell, er wurden in Ministerien und natürlich auch bei der KfW vorstellig – doch die KfW: Ließ ihn abblitzen.

Dieser Fintech-CEO will die Republik retten. Ernsthaft?!

Das große KfW-Programm begann. Die Fintechs waren raus.

Im Mai kam Penta dann mit einem – allerdings sehr viel bescheideneren – Alternativplan aus der Deckung. Über eine Partnerschaft mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh wollte das Fintech zumindest mal seinen ostwestfälischen Kunden einen Zugang zu den Corona-Hilfen der KfW verschaffen. Das gelang auch. Allerdings blieb es bei dem regionalen Ansatz. Von dem „Pilotprojekt, dem schnell andere folgen könnten“ (so die Formulierung in der damaligen Pressemitteilung) war bald nicht mehr die Rede. Dabei hätte der Ansatz durchaus Sinn machen können. Viele Penta-Kunden sitzen in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München. Wäre das Fintech mit den dortigen Genobanken zu ähnlichen Arrangements gekommenn wie mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, dann hätte Penta – jedenfalls in der Theorie – einen beträchtlichen Teil seiner Kunden da schon mit KfW-Krediten bedienen können.

Überlegungen, die urplötzlich obsolet sind. Denn: Seit wenigen Wochen gibt es eine neues Fintech hierzulande, es heißt Banxware und wurde an den Start geschickt von Ratepay-Gründerin Miriam Wohlfahrt und dem früheren Wirecard-Anwalt Jens Röhrborn. Banxware versteht sich als „Software as a Service“-Anbieter, der Bilanzsummen-Player (also etwa Banken oder Lending-Fonds) mit digitalen Kreditmarktplätzen verknüpfen will. Was in diesem Fall bedeutet: Banxware ist das Verbindungsstück zwischen der Vereinigten Volksbank (die die Bilanzsumme mitbringt) und dem Finanz-Startup Penta (das sich als Kreditlieferant seiner Kunden versteht).

Wer der Banxware-Gründerin Wohlfahrt, dem Penta-Interims-CEO Lukas Zörner und dem Volksbank-Chef Ralf Magerkurth lauscht, der bekommt den Eindruck, irgendwie sei das doch alles ganz einfach:

„Banxware ist unser technischer Provider“, sagt Penta-Mann Zörner.

„Wir besorgen die Abwicklung der Kreditanträge für die Penta-Kunden: Von der Antragsstrecke über das Hochladen aller notwendigen Unterlagen über die digitale Unterschrift des Antrags und Videoident. Anschließend bilden wir die technische Brücke zur Vereinigen Volksbank, von wo die Weiterleitung an die KfW erfolgt“, sagt Banxware-Frau Wohlfarth.

Und der Volksbank-Mann Magerkurth sagt: „Wir sind seit 2012 im Vermittlergeschäft tätig, für uns ist das also im Grunde nichts Neues. Da wir aus einer strukturschwachen Region stammen, müssen wir in der Kreditvergabe andere Wege gehen als andere Regionalinstitute.“

Äh, und wie machen Sie das technologisch, Herr Magerkurth? „Wir verfügen über eine eigene IT-Tochter, die sich mit solchen Themen auskennt und die dafür sorgt, dass wir über Schnittstellen verfügen, über die sich ein Anbieter wie Banxware dann mit uns verknüpfen kann.“

Und dann erzählt Herr Magerkurth noch, sein Haus komme auf eine Bilanzsumme von 3,3 Mrd. Euro, mache pro Jahr gut 600 Mio. Euro Neugeschäft und vergabe rund 50% seiner Kredite außerhalb der eigenen Region.

Sprich: Das Regional-Prinzip, das bei der Kooperation von Penta mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh noch limitierend wirkte – im Dreierbündnis von Penta, Banxware und Vereinigter Volksbank scheint es keine Rolle mehr zu spielen. Die Kreditvergabe soll deutschlandweit erfolgen.

Bleiben vier Fragen:

1.) Woher eigentlich kennen sich Frau Wohlfarth und Herr Magerkurth? Nun, man kennt sich halt.

2.) Was hält die KfW von der Triple-Entente? Die staatliche Förderbank war nach Finanz-Szene.de-Informationen gar nicht involviert, hat aber dem Vernehmen nach kein Problem mit der Kooperation, weil das Hausbank-Prinzip gewahrt bleibt.

3.) Kommt die Initiative nicht zu spät? „Überhaupt nicht“, sagt Penta-CEO Zörner: „Uns erreichen täglich mehrere konkrete Kundenanfragen nach dem KfW-Schnellkredit. Die Nachfrage ist also nach wie vor da – und wird angesichts dezweiten Lockdownse womöglich sogar noch zunehmen.“

4.) Wann erfolgt der Go-Live? Am heutigen Mittwoch.

Welche Motive umtreiben Banken und Fintechs bei den KfW-Hilfen?

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