Exklusiv

Solarisbank erwirtschaftet knapp 30 Mio. Euro Erträge

16. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die Solarisbank hat ihre Erträge im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt. Das geht aus dem dieser Tage veröffentlichten 2019er-Geschäftsbericht hervor, den Finanz-Szene.de im Bundesanzeiger entdeckt hat. Zins-, Provisions- und sonstige betriebliche Erträge summierten sich auf 28,1 Mio. Euro, was eine Steigerung um 87% zum Vorjahr und sogar eine Versechsfachung gegenüber 2017. Allerdings zahlt das Berliner Whitelabel-Fintech für sein Wachstum einen ordentlichen Preis: Der Jahresfehlbetrag stieg um ein Viertel auf 23,1 Mio. Euro und wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich auf ähnlich hohem Niveau verbleiben, wie dem Prognosebericht zu entnehmen ist. Erst für 2021 wird ein „deutlicher Rückgang des Verlustes“ erwartet. Sprich: Die ursprünglich schon für dieses Jahr angestrebte Profitabilität wird sich frühestens 2022 einstellen.

Auch wenn das Wachstum für den Moment also teuer erkauft ist: Zumindest die großen deutschen Finanz-Startups zeigen mittlerweile, dass sie mit ihren Produkten und Dienstleistungen tatsächlich auf Abnehmer treffen – und eben nicht mehr nur Verluste, sondern allmählich auch wahrnehmbare Erlöse erwirtschaften. So hatte die Berliner Smartphone-Bank N26 für 2018 Erträge in Höhe von knapp 50 Mio. Euro ausgewiesen (2019 dürfte es sogar ganz, ganz grob doppelt so viel gewesen sein, wie Schätzungen von Finanz-Szene.de zeigen). Auch andere namhafte Finanz-Startups wie Scalable Capital, Raisin oder Deposit Solutions dürften inzwischen auf – wenn auch niedrige – zweistellige Millionenumsätze kommen (wobei gerade die beiden letztgenannten ihre Zahlen notorisch unter Verschluss halten). Kleinere Dienstleistungs-Fintechs wie FinAPI kommen derweil langsam, aber sicher auf mittlere einstellige Millionenerträge – und zwar ohne dabei Geld zu verbrennen.

Die Solarisbank geht unterdessen für dieses Jahr von einem weiteren „signifikanten Wachstum der Erträge aus“, wie es im Prognosebericht formuliert wird. Dabei gilt es allerdings zu beachten: Im Gegensatz zu anderen Whitelabel-Fintechs betreiben die Berliner nicht nur Provisions- sondern auch Zinsgeschäft (z.B. mittels Krediten, die über Plattformen wie Compeon oder Fincompare ausgereicht und dann teilweise an Verbriefungs-Spezialisten wie Crosslend weitergereicht werden – zum Teil aber eben auch auf der eigenen Bilanz bleiben). Hier zeigt sich nun eine bemerkenswerte Entwicklung: Waren 2017 die Provisionserträge noch 15-mal so hoch wie die Zinserträge, lagen 2019 umgekehrt die Zinserlöse (11,4 Mio. Euro) deutlich über den Provisionserlösen (8,2 Mio. Euro) – auch weil das Provisionsergebnis (wie auch schon 2018) hinter den Erwartungen zurückblieb.

Heißt: 2018 und 2019 wurde das Schwächeln bei den Provisionen durch ein jeweils markantes Ausweiten des Zinsüberschusses kompensiert. Im laufenden Geschäftsjahr allerdings tritt die Solarisbank – auch wegen Corona – im Zinsgeschäft offenbar kräftig auf die Bremse. So heißt es im Ausblick auf 2020 wörtlich „Entsprechend der Strategie das bilanztragende Geschäft möglichst klein zu halten und vor dem Hintergrund der hohen Unsicherheit über die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird keine Erhöhung von Zinseinnahmen erwartet.“ Sprich: Wenn die Solarisbank ihre imposante Wachstumsstory fortschreiben will, muss sie in diesem Jahr bei den Provisionen umso mehr liefern.

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