Fintech-Ticker

Sämtliche Fintech-News von Dezember 2023 und Januar 2024

In unserem Fintech-Ticker halten wir Sie über die (vor allem deutschen) Finanz-Startups auf dem Laufenden.

Hier unser Ticker mit sämtlichen Meldungen aus dem Dezember 2023 und Januar 2024:

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Ist N26 jetzt nicht mal mehr die größte kontinental-europäische Neobank?

Deutlich mehr Kunden. Fast genauso hohe Einlagen. Und die deutlich solidere GuV. Glaubt man Medienberichten, dann ist der niederländische Challenger Bunq fast aus dem Nichts an der Berliner Neobank N26 vorbeigezogen. Ähem, blöde Frage: Kann das wirklich sein??? Wir haben uns das Ganze mal ein bisschen näher angeschaut: FS Premium

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Exklusiv: Scalable Capital wächst steil – steigen die Erträge bald auf >100 Mio. Euro?

Scalable Capital wächst weiterhin stark. Trotz Abebben des Trading-Booms steigerte die operative Kerngesellschaft des Neobrokers ihre 2022er-Provisionserträge um mehr als drei Viertel auf 45 Mio. Euro, wie aus dem Jahresabschluss hervorgeht. Und auch 2023 ist das Wachstumstempo extrem hoch geblieben. Hier exklusiv die frischen Zahlen: FS Premium

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Kurz getickert

  • Das insolvente Berliner Wealth-Tech Elinvar stellt seinen Betrieb ein. Wie der Insolvenzverwalter gegenüber „Finance Forward“ bestätigt, habe sich „im Rahmen des durchgeführten M&A-Prozesses kein Käufer oder Investor gefunden“. Somit würden die Server in den kommenden Wochen abgeschaltet – den 70 verbliebenen Beschäftigten sei bereits gekündigt geworden. Finance Forward
  • Die Deutsche Bank steigt – übrigens ebenso wie Mercedes-Benz – aus dem 2018 gestarteten Identity-Dienst Verimi aus. Nach eigenen Angaben hat das Joint-Venture, bei dem unter anderem die Finanztochter von Volkswagen engagiert ist, im Geschäftsjahr 2023 erstmals die Umsatzmarke von 10 Mio. Euro geknackt. Dem steht allerdings seit Gründung ein kumulierter Cashburn von grob 100 Mio. Euro entgegen. Süddeutsche Zeitung
  • Das dürfte die bislang höchste Finanzierungsrunde für eine Krypto-Bank in der DACH-Region sein: Die auf digitale Vermögenwerte spezialisierte Schweizer Sygnum Bank hat von Investoren rund 40 Mio. Dollar eingesammelt – und kommt dabei nach eigenen Angaben auf eine Bewertung von 900 Mio. Dollar
  • Das Berliner „Buy now, pay later“-Fintech Mondu erhält eine weitere Refinanzierungslinie über diesmal 30 Mio. Euro. Wie unser Partner-Medium „Finance Forward“ berichtet, kommt das Geld erneut von der „Magerkurth-Volksbank“ (also von der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank aus Reinheim). Insgesamt hat das Genossenschafts-Institut dem Startup somit nun 50 Mio. Euro zugesagt.

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Wie lässt sich der irrwitzige Hype um die Trade-Republic-Karte erklären?

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Kurz getickert

  • Im November teilte der Smartbroker mit, der Umzug seiner 90.000 Kunden von der DAB BNP Paribas zur Baader Bank sei „erfolgreich“ abgeschlossen. Zwei Monate später zeigt sich: Von einem „Erfolg“ kann man gemessen am Kunden-Feedback nicht mehr wirklich sprechen. Unsere exklusive Recherche: FS Premium
  • Das „Fyrst“ genannte Business-Banking-Angebot der Deutschen Bank entwickelt sich dem Anschein nach auch weiterhin eher schleppend. Nach Angaben des „HB“ (Paywall) zählt die SME-Konto-App inzwischen rund 60.000 Kunden – etwa 15.000 mehr als vor zwölf Monaten.

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Die Renaissance des Baufi-Geschäfts (wenn auch nur in der Fintech-PR)

Wie das Ur-Fintech Hypoport aus seinen jüngsten Transaktionszahlen ableiten kann, das Volumen in der privaten Baufinanzierung befinde sich „weiterhin im Aufwärtstrend“, erschließt sich uns noch nicht wirklich. Für Oktober bis Dezember weist der Berliner Kreditvermittler (bezogen rein auf die Immobilien-Finanzierung) ein Volumen von 12,7 Mrd. Euro aus – verglichen mit dem direkten Vorquartal ein Rückgang um 7%. Dazu passen jüngste Bundesbank-Zahlen. Demnach summierte sich das branchenweite Neugeschäft im November auf 13,5 Mrd. Euro, der zweitschlechteste Monat seit April (im Oktober waren es 13,8 Mrd. Euro gewesen). All das mag auch saisonal bedingt sein. Aber doch sicherlich nicht nur.

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Kurz getickert

  • Die deutsche Krypto-Szene trauert um einen ihrer profiliertesten Köpfe: Wie die Frankfurt School of Finance & Management gestern mitteilte, ist „Blockchain-Professor“ Philipp Sandner vergangene Woche im Alter von nur 43 Jahren verstorben.

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Warum unsere Fintechs jetzt alle einen „Chief Revenue Officer“ brauchen

Als N26 noch 7 Mio. Kunden hatte, hatte N26 auch noch einen „Chief Growth Officer“. Alex Weber hieß der Mann, er war Österreicher wie die Gründer, gehörte zum innersten Zirkel, arbeitete fast neun Jahre für die Berliner Neobank – und als er letzten Juni ausschied, hieß es in Berlin, dass Webers Demission eine stattliche Lücke reißen werde. Trotzdem hat N26 die Lücke bis heute nicht gefüllt. Was aber nicht gegen N26 sprechen muss. Und auch nicht gegen Weber. Sondern eher – gegen die Lücke. Oder anders gesagt: Die Zeiten, in denen jedes halbwegs ambitionierte Fintech einen „Chief Growth Officer“ ins Organigramm malte, scheinen vorbei zu sein. Wo früher von „7 Mio. Kunden“ die Rede war, spricht man jetzt von „4 Mio. ertragsrelevanten Kunden“. Und wo es früher um Wachstum, Wachstum, Wachstum ging, wird jetzt das Lied vom profitablen Wachstum gesungen. Dazu passend: Scheint der „Chief Growth Officer“ vom baldigen Aussterben bedroht – während stattdessen inzwischen gefühlt jede Woche mindestens ein Fintech die Bestellung eines „Chief Revenue Officers“ vermeldet. Letzte Woche zum Beispiel: Neoshare (also das zuletzt ziemlich gehypte Münchner Kreditsoftware-Fintech). Davor die Woche: HawkAI (also das tapfere Münchner KYC-Fintech). Oder ebenfalls davor die Woche: Orderbird (also das hippe Berliner Kassensystem-Fintech). Höchste Zeit, endlich mal zu fragen: Was ist das eigentlich, ein „Chief Revenue Officer“? Was macht er (oder sie) den lieben langen Tag? Und wo kommen die ganzen „CROs“, die in den letzten Monaten bei unseren Fintechs aufgeschlagen sind, eigentlich her? Hier der Versuch einer Antwort und die große Tabelle: FS Premium

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Ignoriert

Schon richtig: Bei den als Produkt-Launch getarnten Marketing-Kampagnen von Trade Republic sollte man grundsätzlich in die AGB schauen, siehe auch schon vor einem Jahr hier. Die jetzt laut werdende Generalkritik an der Saveback-Karte des Berliner Neobrokers („Irreführung“) kommt trotzdem etwas sehr frömmelnd daher. Denn: Ja, die Rückflüsse sind auf 15 Euro pro Monat gedeckelt (der Heavy-User ist also auch weiterhin bei den Miles & More dieser Welt besser aufgehoben). Und ja, die Zahlungen sind an ein paar Voraussetzungen wie den Abschluss eines Sparplans über mindestens 50 Euro geknüpft. Aber ist das ein Skandal? Oder bestätigt die Produktgestaltung einfach nur, was man eh schon ahnte: 1.) Trade Republic avisiert eine Zielgruppe, deren Karten-Spendings eher nicht die eines jungreichen Fintech-CEOs sind; und 2.) Upps, nicht einmal der bebelhafte Herr Hecker hat was zu verschenken.

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Kurz getickert

  • Das mithilfe von Upvest entwickelte Brokerage-Angebot von N26 kommt schrittweise auf den Markt. Zwar verkündete die Berliner Neobank gestern ihren Produkt-Launch – der allerdings beschränkt sich vorerst auf den österreichischen Markt und selbst dort erst einmal auf den Handel mit ETFs (also noch keine Aktien und keine Sparpläne). Der Roll-out in Deutschland soll wie zuletzt auch angekündigt im Laufe des ersten Halbjahrs folgen.
  • Die Berliner Ex-Neobank Owwn kappt nach ihrem Pivot (siehe hier) nun auch die letzten Verbindungen zum Finanzsektor – und verkauft das Kreditportal DeineStudienfinanzierung an das Heidelberger Insurtech Getsafe, wie unser Partnermedium „Finance Forward“ berichtet. Demnach liegt der Kaufpreis im mittleren bis hohen siebenstelligen Bereich. Der Umsatz sei zuletzt ebenfalls siebenstellig gewesen, dabei aber hinter den Erwartungen zurückgeblieben, heißt es.
  • Das Berliner Fintech Pliant hat von seinen Investoren weitere 8 Mio. Euro erhalten – womit sich das Gesamt-Funding des 2020 gegründeten Kreditkarten-Spezialisten auf nunmehr gut 50 Mio. Euro beläuft. Darüber hinaus kursierten gestern auch Meldungen über eine 100 Mio. Euro schwere Refinanzierungs-Linie, wobei in diese Summe auch frühere Zusagen eingerechnet sind. Die Fremdmittel, interessanterweise, kommen von der Hamburger Varengold Bank.

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Konto-Eröffnung via eID: Warum der „PIN-Rücksetzdienst“ vielleicht doch bleibt

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Warum der Rückzug des Creditshelf-Patrons zu spät kommt

Manch deutschem Fintech hätte man in den letzten Monaten eine schützende Hand gewünscht – allerdings eher nicht in der Form, wie Rolf Elgeti jahrelang seine Hand über das Frankfurter KMU-Fintech Creditshelf gehalten hat. Kurz zur Erinnerung: Elgeti sicherte sich frühzeitig fast die Hälfte der Aktien, er bewegte als regelmäßiger Insider-Käufer wieder und wieder den Kurs, übernahm signifikante Teile der über Creditshelf arrangierten Kredite, gewährte ein umfängliches Gesellschafterdarlehen und gab sogar mal eine Patronatserklärung ab. Das Management? Ließ all das mit sich machen, war vermutlich sogar ganz dankbar – bis die Hand irgendwann eben keinen Schutz mehr bot und Creditshelf den Unbilden des Marktes plötzlich ohne jede Abwehrkraft ausgesetzt war …

Konkret vollzog sich besagte Wendung im Spätherbst 2022. Creditshelf hatte damals einen vermeintlichen Blockbuster-Deal mit Goldman Sachs geschlossen – die Amerikaner machten die in Aussicht gestellte Refinanzierungslinie allerdings davon abhängig, dass Rolf Elgeti die Junior-Tranchen der zu finanzierenden Kredite übernimmt. Das Arrangement kam nicht zustande, niemand anderes wollte einspringen und bei Creditshelf setzte das Siechtum ein (was sich unter anderem in einem drastischen Jobabbau äußerte). Wie weiter unten vermeldet, hat Creditshelf dieser Tage nun mitgeteilt, dass Elgeti nicht länger dem Aufsichtsrat vorsitzt. Vor 1-2 Jahren wäre es ein Signal für mehr Unabhängigkeit gewesen. Heute dagegen? Scheint’s den übrigen Stakeholdern gemessen am Börsenwert von nur noch 6 Mio. Euro fast schon egal zu sein.

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Kurz getickert

  • Das seit Jahren im Stealth-Modus mäandernde (und schon im April 2022 mit 15 Mio. Euro gefundete) Berliner Fintech Lemon Markets kommt endlich aus der Deckung. Wie unser Partner-Medium „Finance Forward“ berichtet, hat der Berliner „Brokerage as a Service“-Spezialist eine Bafin-Lizenz als Wertpapierinstitut erhalten – und will in den nächsten Wochen nun das operative Geschäft aufnehmen. Erster Kunde: das ebenfalls noch junge Münchner Geldanlage-Fintech Beatvest. Gegründet wurde Lemon Markets 2021 von dem damals erst 20-jährigen Max Linden. Zum Management-Team gehören unter anderem der frühere N26-Bank-Chef Markus Gunter und der einstige Consorsbank-CFO Dirk Schlömer.
  • Im Wealth-Tech-Markt gabelt das Kölner Fintech Investify einen weiteren Kunden des insolventen Rivalen Elinvar auf – nämlich die 2021 gelaunchte Private-Banking-Tochter der Volksbank Bielefeld-Gütersloh.
  • Zeitenwende beim angeschlagenen Frankfurter KMU-Kreditportal Creditshelf: Rolf Elgeti, der die Geschicke des Fintechs jahrelang bestimmt hatte, steht nicht länger an der Spitze des Aufsichtsrats. Er wurde Ende letzter Woche mit sofortiger Wirkung durch den bisherigen Vize-AR-Chef Rolf Hentschel abgelöst.

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Exklusiv: CRX Markets wandelt zu 78 Mio. Euro – sieht sich aber teurer

Zuletzt verkündete der „Supply Chain Finance“-Spezialist CRX Markets stolz, er habe (bei einem finanzierten Volumen von 11 Mrd. Euro und einem Umsatz von 5,5 Mio. Euro) im ersten Halbjahr 2023 „erstmals schwarze Zahlen geschrieben“. Was das Management allerdings verschwieg: Im Spätsommer hat CRX Markets laut Recherchen von Finanz-Szene das Eigenkapital im Umfang von rund 2,75 Mio. Euro aufgestockt – zu einer Bewertung von 78 Mio. Euro. Laut Vorstandschef Frank Lutz handelte es sich dabei um eine Wandelanleihe aus dem Jahr 2020; dementsprechend sei die Bewertung veraltet gewesen. „Da wir im letzten Jahr den Break-even erreicht haben, haben wir derzeit Angebote deutlich im dreistelligen Millionen-Bereich vorliegen.“

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Kurz getickert

  • Der Berliner Robo-Advisor Growney hat seine Erträge im Zuge der Akquisition durch die Hamburger Laiqon AG (ehemals Lloyd Fonds) ein gutes Stück ausgebaut. Im Kalenderjahr 2022 summierten sich Provisions- und Zinserträge auf rund 485.000 Euro; hinzu kamen noch sonstige betriebliche Erträge über knapp 300.000 Euro. Lloyd Fonds war im März 2022 bei Growney eingestiegen und hatte ein paar Monate später die Übernahme verkündet.
  • Das Frankfurter Fintech JT Technologies (das hinter dem Robo-Advisor „Justtrade“ steht, aber auch B2B-Dienstleistungen anbietet) hat seinen Cashburn im Geschäftsjahr 2022 deutlich zurückgefahren – nämlich von zuvor 875.000 Euro auf nur noch 219.000 Euro, und zwar bei einem Eigenkapital von gut 1,5 Mio. Euro. Zu Ertragszahlen macht das Startup bislang keine Angaben.
  • Das AML-Fintech HawkAI zeigt sich bei der Gewinnung von Neukunden auch weiterhin im Payment- und Fintech-Bereich weiterhin erfolgreicher als im klassischen Banking (zumindest was die öffentlich sichtbaren Kunden angeht). Nach dem BNPL-Spezialisten Ratepay und dem Kreditkarten-Startup Moss vertraut nun auch Otto Payments auf die Dienste der Münchner.
  • Mit der Resurrektion des Bitcoin-Kurses dominieren die Krypto-Player urplötzlich auch wieder die Fußball-Werbung. Beim Heimspiel von Bayern München am Freitagabend zum Beispiel war Bitpanda (also das größte Krypto-Fintech in der DACH-Region) omnipräsent. Eine parallel verschickte Mitteilung erläuterte: Bitpanda ist jetzt der „offizieller Krypto-Trading-Partner“ des Rekordmeisters. Tataaa!

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Weit über 100 Mrd. Euro!!! Wie die Neobroker die Neobanken ausstechen

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Kurz getickert

  • Die Berliner Neobank Vivid Money verleibt sich den Luxemburger Payment-Anbieter Joompay ein. Dieser verfügt nach eigenen Angaben über 500.000 verifizierte Kunden, von denen Vivid nach eigenen Angaben mindestens 20% zu eigenen Kunden machen will (während die heutige Joompay-App verschwinden dürfte). Abgesehen von den Kunden schielt Vivid bei der Akquisition auch auf die E-Geld-Lizenz der Luxemburger. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.
  • Der Berliner Krypto-Verwahrer Finoa kommt weiterhin an bemerkenswert viel Geld. Laut unserem Partner-Medium „Finance Forward“ hat das Fintech über die letzten zwölf Monate insgesamt 15 Mio. Euro bei Investoren eingeworben.

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Trade Republic: 35 Mrd. € AuMs – doch wie imposant ist diese Zahl wirklich?

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Linktipp

Was die „Eltif 2.0“ unseren Fintechs bringt: Sorgt die EU nun bei Private-Equity-Startups wie Moonfare und Liqid für den lang ersehnten Durchbruch? Oder sind die Finanzvehikel trotz Generalüberholung einfach nicht massentauglich? Dieser Frage gehen unsere geschätzten Kollegen nach: Finance Forward

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„Saveback“ und „Round-up“: So funktioniert die neue Visa-Karte von Trade Republic

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Kurz getickert

  • Die deutschen Retail-Broker haben zum Abschluss eines insgesamt enttäuschenden Geschäftsjahrs 2023 überraschend an Traktion gewonnen. So wurde über die LS Exchange (also über die „Hausbörse“ des Berliner Milliarden-Fintechs Trade Republic) im Dezember ein durchschnittliches Volumen von 235 Mio. Euro pro Handelstag abgewickelt – der stärkste Monatswert seit rund zwei Jahren. Ähnlich starke Datenpunkte kamen gestern von FlatexDegiro. Der Frankfurter Online-Broker kam im Dezember auf 240.000 „umsatzrelevante“ Trades pro Handelstag – die beste Performance seit März. Dazu passend stiegen die Kunden-Assets auf Monatssicht von 49,2 Mrd. auf 51,7 Mrd. Euro (wobei hierin ein Cash-Bestand von 3,6 Mrd. Euro eingerechnet ist, ein Plus von rund 400 Mio. Euro).
  • Die Schere zwischen N26 und dem Wettbewerber Revolut hat sich 2022 weiter geöffnet. Trotz eines signifikanten Rückgangs im Krypto-Geschäft konnte die britische Neobank ihre Erträge um 45% auf umgerechnet 1,04 Mrd. Euro steigern – verglichen mit 236 Mio. Euro (plus 24%) bei N26.

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Exklusiv: Liqid knackt 10-Mio.-Euro-Marke – bleibt aber unter Plan

Der digitale Vermögensverwalter Liqid steigt auf in die Phalanx der geschätzt rund 15 deutschen Fintechs, die bereits Umsätze in mindestens zweistelliger Millionenhöhe generieren. Im Geschäftsjahr 2022 kam die operative Einheit des Berliner Finanz-Startups auf Provisionserträge von 10,7 Mio. Euro. Verglichen mit dem Vorjahr entsprach dies einem Zuwachs von rund 50% – hinter der eigenen Zielmarke (angepeilt worden war bei konstanter Provisionsmarge ein AuM-Wachstum um gut 80%) blieb man allerdings zurück. Liqid betreibt zum einen fondsbasiertes Robo Advisory, fokussiert sich darüber hinaus aber zunehmend auch auf alternative Asset-Klassen wie Private Equity. In beiden Segmenten dürften die Berliner unter den hiesigen Fintechs die jeweilige Nummer zwei im Markt sein, zum einen hinter Scalable Capital (Robo), zum anderen hinter Moonfare (PE). Laut Angaben auf der Website zählt Liqid rund 8.000 Kunden und etwa 2,5 Mrd. Euro Assets under Management. Der Geschäftsbericht geht auf keine der beiden Kennziffern ein.

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Von N26 über Trade Republic. Fünf Hypothesen zum Fintech-Jahr 2024

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Linktipp

Von MiCAR bis zur „prudenziellen Behandlung von Krypto-Asset-Exposures bei Banken“: Wer in puncto Krypto-Regulierung mitreden möchte (und über die Weihnachtstage ein bisschen Zeit zur Lektüre hat), dem empfehlen wir den diesbezüglichen 22-seitigen Aufsatz im neuen Monatsbericht der Bundesbank. PDF (ab S. 75)

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Exklusiv: Raisin macht Zweitmarkt „Zinspilot“ dicht

Der vor allem für seine „Weltsparen“-Plattform bekannte Berliner Einlagen-Broker Raisin schafft seine Zweitmarke „Zinspilot“ ab. Wie Finanz-Szene exklusiv erfahren hat, soll das Portal bis Ende 2024 schrittweise abgeschaltet werden. Die Tagesgeld-Anlagen will man entsprechend kündigen, die Festgeld-Anlagen auslaufen lassen. Nach Angaben von Raisin sollen die Kunden die Möglichkeit erhalten, „vereinfacht“ zu „Weltsparen“ zu wechseln. Ein KYC-Prozess wird allerdings trotzdem vonnöten sein.

Überraschend kommt der Schritt nicht: „Zinspilot“ ist die alte B2C-Plattform des 2021 mit Raisin verschmolzenen Hamburger Rivalen Deposit Solutions. Das Angebot war seit der Fusion kaum noch beworben worden – der Fokus galt der deutlich bekannteren „Weltsparen“-Plattform, zumal diese im Zuge der Zinswende einen regelrechten Boom erlebte (siehe –> Meilenstein für deutsche Fintech-Branche: Raisin erreicht 50 Mrd. Euro AuM). Das Berliner Fintech begründet die Schließung von „Zinspilot“ denn auch damit, dass „inzwischen fast alle Partnerbanken und auch ein Großteil der Kundinnen und Kunden auf ‚Weltsparen‘ migriert“ seien.

Bitter ist die Entwicklung für die Sutor-Bank, bei der immer noch die Verrechnungskonten der alten Deposit-Solutions-Kunden liegen. Mit der angestrebten Migration der verbliebenen „Zinspilot“-Kunden auf die „Weltsparen“-Plattform wechselt auch die dahinterstehende Infrastruktur – die Einlagen werden dann nicht mehr von Sutor betreut, sondern von der Raisin Bank, also der hauseigenen Service-Bank des Berliner Milliarden-Fintechs (siehe zuletzt in diesem Kontext –> Wie aus Raisin peu à peu ein Wettbewerber für alle und jeden wird).

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Solarisbank entlässt mehr als 20 Beschäftigte – auch drei Manager gehen

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Kurz getickert

  • Ein Datenpunkt aus der Fintech-Ecke: Die finnisch-stämmige Freelancer-Bank Holvi hat in ihrem Deutschland-Geschäft in diesem Jahr nach eigenen Angaben rund 11 Mio. Euro Umsatz gemacht. (Ffwd)
  • Der auch hierzulande tätige niederländische Neobroker Bux, der letztes Jahr beinahe von N26 übernommen worden wäre, hat sich an die ABN Amro verkauft.
  • Der Berliner Fintech-Konzern Hypoport strafft seine Strukturen. Im Kern läuft der Umbau darauf hinaus, dass die bislang auf mehrere Segmente verteilten Baufinanzierungs-Aktivitäten (Europace, Dr. Klein, Value AG …) künftig in einem großen Segment namens „Real Estate & Mortgage Platforms“ zusammengefasst werden. Das Geschäft mit Ratenkrediten wird künftig getrennt von der Baufinanzierung erfasst und bildet gemeinsam mit kleineren B2B-Aktivitäten (u.a. REM Capital, Fundingport, Fio Finance) das Segment „Financing Platforms“.
  • Die jüngste Entlassungswelle beim milliardenschweren britischen Fintech-PSP „Checkout.com“ trifft auch hiesige Mitarbeiter. Laut „Sifted“ wird der Berliner Standort geschlossen.
  • Die DWS will tief ins Krypto-Geschäft vordringen – und plant dazu mit zwei Partnerfirmen (dem niederländischen Handelshaus „Flow Traders“ und dem britischen Blockchain-Spezialisten „Galaxy“) die Gründung eines Joint-Ventures namens „AllUnity“. Ziel des neuen Unternehmens sei die Auflage eines Stablecoins, also einer wertstabilen Digitalwährung, mit der Kunden dann in Zukunft spezielle Zahlungen abwickeln sollen, teilte die Deutsche-Bank-Tochter gestern mit. Sitz von „AllUnity“ wird Frankfurt sein, als CEO ist Alexander Höptner vorgesehen, der frühere Chef der Börse Stuttgart.

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Exklusiv: So viel Umsatz macht das Core-Banking-Fintech Mambu wirklich

Bezogen auf den deutschen Bankenmarkt ist ja immer von zwei zentralen IT-Dienstleistern die Rede. Nämlich von der Finanz Informatik für die Sparkassen. Und von der Atruvia für die Genossen. Wenn man so will, gibt es allerdings noch einen dritten. Nämlich Mambu für die Fintech-Banken. Schließlich setzen praktisch alle hiesigen Challenger (N26, Solarisbank, Raisin Bank, C24 Bank) bei ihrer Kern-IT auf den Berliner Cloud-Banking-Spezialisten – wenn auch in stark unterschiedlichem Umfang und selbstverständlich lange nicht so allumfassend, wie das in den beiden Verbünden der Fall ist. Jedenfalls: Auch wenn Deutschland für Mambu nie ein Kernmarkt war, so trugen die hierzulande ergatterten Neobank-Mandate trotzdem dazu bei, die Saga vom heimlichen deutschen Fintech-Champion zu nähren. Und so verwunderte auch nicht, dass sich Mambu im Dezember 2021 nicht nur ein Funding über 235 Mio. Euro sicherte – sondern das auch noch zu einer gigantischen Bewertung von rund 5 Mrd. Euro. Das „Handelsblatt“ schrieb damals unter Berufung auf interne Unterlagen, die Taxierung beruhe „auf einem prognostizierten Umsatz von 165 Mio. US-Dollar basierend auf Aufträgen für das Jahr 2022“. Was einerseits nicht unplausibel klang. Andererseits aber doch ambitioniert. Schließlich war Mambu im Jahr 2020 (siehe hier) gerade mal auf Erträge von rund 31 Mio. Euro gekommen. Und so stehen nun also seit mittlerweile 24 Monaten all diese sehr, sehr großen Zahlen im Raum. Doch niemand weiß, wie die Lage wirklich ist. Hier der Versuch, die Wissenslücke zumindest halbwegs zu füllen – bitte sehr: FS Premium

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Auch das noch: Raiba Hochtaunus kauft Berliner Immobilien-Fintech

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Warum das Mega-Funding für SumUp kein Mega-Erfolg gewesen sein muss

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Wussten Sie schon?

… dass N26 noch nicht ganz so paneuropäisch ist, wie man vielleicht meint? Wie unser Partner-Medium „Finance Forward“ berichtet, kommen rund 50% der „ertragsrelevanten“ Kunden aus Deutschland, weitere 25% entfallen auf Frankreich. Immerhin: Die restlichen 25% sind bunt gemischt.

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Scalable Capital erhält von Investoren satte 60 Mio. Euro

Das Münchner Investment-Fintech Scalable Capital zerstreut mit einer Finanzierungsrunde über 60 Mio. Euro etwaige Zweifel an seiner Kapitalausstattung. Hintergrund: Laut Berechnungen von Finanz-Szene dürfte der Robo-Advisor- und Brokerage-Spezialist (nach Verlusten von jeweils >50 Mio. Euro in den beiden zurückliegenden Jahren) per Ende 2022 nur mehr über Eigenkapital in Höhe von rund 80 Mio. Euro verfügt haben. In Anbetracht der schwierigen Marktverhältnisse ist die Höhe des Fundings imposant; es dürfte sich neben Raisin (ebenfalls 60 Mio. Euro) um die kräftigste Kapitalerhöhung eines deutschen Fintechs in diesem Jahr handeln. Zur Bewertung machte Scalable keine Angaben. Wer die Geldgeber sind und weitere Details gibt es heute Morgen bei unserem Partner-Medium „Finance Forward“.

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Kurz getickert

  • Abgezeichnet hatte es sich ja schon – nun ist es offiziell: Als drittes deutsche Fintech nach N26 und Solarisbank hat Trade Republic eine vollwertige Banklizenz von der Bafin erhalten. Was genau der Berliner Neobroker mit der Lizenz nun vorhat (Girokonto? Kreditgeschäft?), wollte Gründer Christian Hecker am Mittwoch „noch nicht verraten“, wie das „Handelsblatt“ exklusiv in Erfahrung gebracht hat. An den Kooperationen mit Partnerbanken wie Solaris oder der Deutschen Bank soll indes vorerst festgehalten werden.
  • In Brüssel haben sich 16 ökologisch orientierte Banken zur „Sustainable Banking Coalition“ zusammengetan – darunter aus Deutschland die GLS Bank und Tomorrow. (Mitteilung)

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Deutsche Fintechs funden wieder – oder würden es jedenfalls gern tun

Ein nicht-öffentliches Dokument zur bevorstehenden Venture-Capital-Konferenz „Noah“ gibt Einblick in die Funding-Pläne mehrerer prominenter deutscher Fintechs. Wie unser Partner-Medium „Finance Forward“ (dem das Dokument zugespielt wurde) berichtet, soll die Solarisbank angeblich auf 150 Mio. Dollar spekulieren, beim BNPL-Spezialisten Billie gehe es um eine Summe von 50-150 Mio. Dollar, das (zwar in der Schweiz ansässige, aber hierzulande aktive) KMU-Finanzierungsportal Teylor sowie die Hamburger Neobank Tomorrow strebten jeweils eine Summe von 5-15 Mio. Dollar an. Die Angaben stammen laut „Finance Forward“-Einschätzung größtenteils von den Unternehmen selbst.

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Kurz getickert

  • Die Hamburger Neobank Tomorrow dreht erneut an den Kontogebühren. Nachdem sich das Öko-Fintech vor einem Jahr vom kostenlosen Kontomodell verabschiedet hatte, zahlen die verbliebenen rund 120.000 Kunden ab März je nach Tarif nochmal 1-2 Euro (bzw. zwischen 13% und 33%) mehr pro Monat.

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Wussten Sie schon?

… dass Trade Republic eines seiner größten Geschäftsgeheimnisse gelüftet hat? Nachdem der Berliner Neobroker bislang partout nicht verraten wollte, welcher Anteil seiner Erträge auf „Payment for Order Flow“-Provisionen entfällt (alle Hintergründe zum beschlossenen „PFOF“-Verbot finden Sie hier), hat es Gründer Christian Hecker bei einer Startup-Konferenz in Skandinavien jetzt doch getan, wie wir dem britischen „Sifted“-Newsletter entnehmen. Und zwar: Ein Drittel der Einnahmen komme aus „PFOF“, soll Hecker gesagt haben. Ob das mit dem Drittel stimmt (müsste es nicht eigentlich noch ein bisschen mehr sein???), wissen wir natürlich trotzdem nicht.

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Was hat die Hypo-Vereinsbank mit Banxware vor (und umgekehrt)?

Im Kern ist die Meldung von gestern Nachmittag ja gar nicht so kompliziert: Das Berliner Embedded-Finance-Fintech Banxware hat von Investoren 15 Mio. Euro Eigenkapital erhalten. Einer der Investoren ist die Unicredit. Und die Hypo-Vereinsbank, also die deutsche Tochter der Unicredit, hat in Person ihrer Privatkunden-Vorständin Monika Rast angekündigt, mit Banxware jenseits der finanziellen Beteiligung auch inhaltlich zusammenarbeiten zu wollen. Bleibt allerdings noch die Frage: Und was heißt das jetzt genau??? Wir glauben, vier mögliche Use Cases herausfiltern zu können. Bitte sehr: FS Premium

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Sämtliche Fintech-News aus dem November 2023

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