Exklusiv

Trade Republic bereitet den Einstieg in den Krypto-Handel vor

26. April 2021

Von Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Der Berliner Neobroker Trade Republic bereitet allem Anschein nach den Einstieg in den Handel mit Kryptowährungen vor. So finden sich auf der Homepage des hochgewetteten Berliner Fintechs Job-Ausschreibungen für einen „Legal Counsel“ und einen „Senior Legal Counsel“, die sich unter anderem um die „rechtliche Konzeptionierung von neuen Finanzprodukten (z.B. Kryptohandel)“ kümmern sollen.

Ein weiteres Indiz: In der „Fragen und Antworten“-Rubrik auf der Trade-Republic-Website soll sich zeitweise eine längere Passage zu digitalen Währungen befunden haben. Laut einem in Online-Foren kursierenden Screenshot ging es darin um die Frage, wie der sogenannte „Buy In“ bei Kryptowährungen errechnet wird. Zitat: „Beim Handel mit Crypto wird die gleiche Berechnungslogik verwendet wie bei Aktien, ETFs und Derivaten.“ Eine Sprecherin von Trade Republic wollte die Authenzität des Screenshots auf Anfrage von Finanz-Szene.de weder bestätigen noch dementieren. Darüber hinaus gab sie keinen Kommentar ab.

Aus dem Fintech-Markt heißt es, dass Trade Republic alsbald in den Handel mit digitalen Währungen einsteige, sei mittlerweile „ausgemachte Sache“. Sogar über mögliche Partner wird bereits spekuliert. So ist für den Handel als solcher der Londoner Krypto-Market-Maker „B2C2“ im Gespräch, für die Verwahrung der US-Spezialist „BitGo“ (auch hierzu von der Sprecherin gestern kein Kommentar …). In der Tat erscheint der Schritt logisch: Trade Republic hatte vor zwei Jahren als erster deutscher Online-Broker den (nahezu) gebührenfreien Handel mit Wertpapieren eingeführt – und mit diesem aus den USA stammenden Konzept verblüffenden Erfolg gehabt.

So dürften die Berliner nach Berechnungen von Finanz-Szene.de (siehe hier) schon im Dezember letzten Jahres die 500.000-Kunden-Marke durchbrochen haben und könnte in diesem Jahr sogar die Millionenschwelle überschreiten. Das Fehlen eines ergänzenden Krypto-Angebots könnte dabei allerdings zum Wachstumshemmnis werden. So ist aus dem vielbeschworenen Trading-Boom über die vergangenen Monaten „ein Trading- und Krypto-Boom geworden“, wie ein Marktkenner sagt. „Von zehn Tradern in der jungen Zielgruppe, die auch Trade Republic bedient, interessieren sich sieben oder acht nicht nur für Aktien, sondern eben auch für Bitcoin oder Ethereum.“ Für das Berliner Startup sei es daher zwingend, das Terrain so schnell wie möglich zu besetzen.

Wie sich bei „Google Trends“ ablesen lässt, ist zum Beispiel die Suche nach dem Begriff „Bitcoin“ in den zurückliegenden Wochen geradezu explodiert. Gleichwohl fehlt hierzulande noch ein Massenanbieter, der das Thema konsequent besetzt. Neben ausländischen Playern tummeln sich im Krypto-Bereich bislang eher Nischen-Fintechs wie Bitwala aus Berlin oder die Stuttgarter-Börse Tochter Bison. Wobei: Dass selbst solche Player inzwischen auf eine sechststellige Zahl von Kunden kommen, zeigt, welches Potenzial im Kryptohandel zu stecken scheint (wobei Bitwala-Chefin Kristina Mayer-Wacker jüngst im FinanceFwd-Podcast eingestehen musste, dass die beeindruckende Marke von mehr als 200.000 Kunden wohl auch einer eher lockeren Begriffsdefinition von „Kunde“ geschuldet ist …).

Die Folge: Neben den reinen Krypto-Spezialisten wagen sich seit einiger Zeit auch immer mehr sonstige Investment-Fintechs und sogar etablierte Banken in das neue Feld vor. Die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser beispielsweise legte im Dezember gemeinsam mit dem Hamburger Whitelabel-Player Kapilendo einen Fonds für Krypto-Währungen auf. Das als Robo Advisor bekannte, mittlerweile aber auch als Neobroker agierende Münchner Fintech Scalable Capital bietet Krypto-Anlagen zumindest schon mal auf Derivatebasis an; und auch einer der reinen Neobroker, nämlich Justtrade, bietet bereits Investments in Kryptowährungen an. Selbst ein ausgewiesener Krypto-Skeptiker wie N26-Gründer Valentin Stalf will sich dem Trend nicht länger verschließen. Warum, das erklärte er im Februar im „Clubhouse“-Talk von „Finance Forward“ in fünf knappen Worten: „Die Kunden wollen es haben“.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing