Exklusiv

Fintech-Eklat: Exporo wirft Upvest raus und wechselt zu Tangany

10. Mai 2021

Von Caspar Schlenk, John Stanley Hunter und Christian Kirchner

Der Immobilien-Schwarmfinanzierer Exporo wechselt seinen Dienstleister für die Verwahrung und den Handel sogenannter Tokens aus. Das geht aus einem am Freitagabend versandten Kundenschreiben hervor. Betroffen ist laut unternehmensnahen Kreisen ein Anlagevolumen von rund 150 Mio. Euro. In dem „Finanz-Szene“ und „Finance Forward“ vorliegenden Brief heißt es wörtlich: „Wir wechseln den Dienstleister, der die Wallets für die Token-Verwahrung bereitstellt, von bisher Upvest auf in Zukunft Tangany.“

Exporo hatte im Sommer 2019 begonnen, die Anlage in Immobilien und Immobilienforderungen zu  tokenisieren. Auf dieser Basis gibt das Unternehmen digitale Wertpapiere heraus, die in der Ethereum-Blockchain verwahrt und dort gehandelt werden. Als Partner fungierte dabei vom Start weg das Berliner Fintech Upvest. Die Tokenisierung sollte Kosten sparen gegenüber der klassischen Ausgabe, Verwaltung und Handel von Wertpapieren oder Schuldverschreibungen. Das Kundenschreiben von Exporo lässt sich nun allerdings so verstehen, als sei die Ethereum-Blockchain selber zum Kostentreiber geworden – und als sei das der Grund für den Wechsel zu Tangany sein.

Die Kunden werden in dem Brief kompromisslos aufgefordert, dem Wechsel zu Tangany (ein Upvest-Rivale mit Sitz in München) aktiv zuzustimmen. „Der Wechsel des Anbieters ist nicht optional. Wenn Sie dem Wechsel nicht zustimmen, werden Sie keine entsprechenden Investments mehr auf Exporo.de tätigen können.“ Und weiter: „Sollten Sie nicht zustimmen (…) müssen Sie davon ausgehen, dass Upvest Ihr Wallet kündigen wird, wodurch Sie selbst ein Wallet zur Verwahrung Ihrer Token bereitstellen müssten.“

Was für Tangany ein Coup ist, könnte für Upvest zum Problem werden. Das Berliner Fintech verwaltet nach eigenen Angaben 150 Mio. Euro in Blockchain-Wallets. Das ist allerdings (siehe oben) exakt auch der Betrag, um den es laut unternehmensnahen Kreisen bei Exporo ging. Hat Upvest also im Verwahrgeschäft noch gar keine anderen aktiven Kunden als Exporo? Dem wird in Berlin widersprochen. Das über Exporo platzierte Volumen mache lediglich 110 Mio. Euro aus. Das wären freilich trotzdem drei Viertel der verwahrten Assets.

Nun gilt die Verwahrung der Assets als niedrigmargiges Geschäft ist (die Rede ist hier von 0,08% pro Jahr). Folgelich gab sich Upvest-Gründer Martin Kassing auf Nachfrage betont gelassen: „Finanziell trifft der Schritt Upvest nicht“, sagte er, ohne in Details zu gehen. Man kooperiere weiter mit Exporo. Und: „Wir führen Gespräche mit potentiellen Kunden, die wesentlich größer sind. Die haben zum Teil AuM-Summen von mehr als einer Milliarde Euro“.

Tangany wiederum erklärte auf Nachfrage, inklusive des Neuzugangs von Exporo-Kunden belaufe sich das verwaltete Volumen auf dann 400 Mio. Euro. Verwahrt werden die Wertpapiere hierbei weiterhin über die Ethereum Blockchain, während für das Settlement eine eigene private Blockchain genutzt wird.

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