Kurz gebloggt

Wie groß ist das Möchtegern-Groß-Fintech Bitwala wirklich?

30. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Immer, wenn wir bei Finanz-Szene.de die großen deutschen Fintechs aufzählen (N26, Solarisbank, Raisin, Deposit Solutions, Scalable Capital und noch 2-3 weitere), passiert uns ein zutiefst bedauerlicher Fehler – wir vergessen Bitwala. Dabei ist Bitwala doch, wie wir neulich im „Handelsblatt“ lasen, jenes Berliner Finanz-Startup, das „mindestens so groß wie N26“ werden will und dessen CEO „fest davon überzeugt ist“, sein Unternehmen könne „zu einer weltweiten Größe aufsteigen“.

Dieses Wochenende hat die Krypto-Bank Bitwala den großen Worten zumindest mal ein kleines Ausrufezeichen folgen lassen. 15 Mio. Euro haben die Berliner in ihrer Serie-B-Runde eingesammelt, das Geld kommt unter anderem von Earlybird. Ist das viel? Ist das wenig?

Versuch einer Einordnung:

Zu Bitwala muss man wissen, dass die Berliner bislang vor allem im Ankündigen eine Größe waren.

  • 2018 etwa berichtete der damalige CEO in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“: „Bis Ende 2019 streben wir unsere eigene deutsche Vollbanklizenz an“ – ein Vorhaben, das nun, da 2020 dem Ende zugeht, weiterhin seiner Realisierung harrt.
  • Auch schön: Anfang letzten Jahres (also 2019 …) kündigte Bitwala ein bis zu 75 Mio. Euro schweres „Security Token Offering“ an. Auf die Frage, was daraus geworden ist, gibt das Unternehmen keine Antwort.
  • Ein weiteres Beispiel: Der schon angesprochene „Handelsblatt“-Artikel neulich war überschrieben mit: „Trotz Niedrigzinsen: Krypto-Bank Bitwala plant zwei Prozent Zinsen auf Sparkonten.“ Auch hier stellen sich – auch aus Anlegersicht – Fragen: Wann wird dieser Plan in die Tat umgesetzt? Wie geht das denn überhaupt, 2% Zinsen „trotz Niedrigzinsen“, und das „auf Sparkonten“? Und macht da die Einlagensicherung mit? Auf keiner dieser Fragen erhielt Finanz-Szene.de gestern seitens Bitwalas eine Antwort. Nur so viel: „Zu unserer Produkt-Pipeline wird es in Kürze Neues geben.“

Da freut es einen fast, dass es sich bei dem jüngsten Funding tatsächlich mal um einen Vollzug handelt und nicht nur um die nächste Ankündigung.

Tatsächlich lesen sich die Rahmendaten nicht so schlecht: Wie sich aus dem Handelsregister errechnen lässt, kommt Bitwala im Zuge der Finanzierungsrunde auf eine Post-Money-Bewertung von rund 64 Mio. Euro. Damit spielen die Krypto-Spezialisten zwar nicht in jener Fintech-Liga, in der sie sich selber gern sehen, also in der ersten – aber immerhin in der zweiten. Ebenfalls positiv: Wenn nicht alles täuscht, hat sich die Bewertung im Vergleich zur 13-Mio.-Euro-Runde von 2019 deutlich verbessert.

Weniger positiv: Nur Alt-Investoren haben gezeichnet. Dabei müsste man angesichts des jüngsten Bitcoin-Booms (der Kurs hat sich seit März verdreieinhalbfacht) doch eigentlich davon ausgehen, dass „das Vorzeigeinstitut unter den deutschen Krypto-Start-ups“ (O-Ton „Handesblatt“) auch für neue Investoren interessant ist. Ebenfalls auffällig: Wenn stimmt, dass Bitwala 150.000 Kunden hat, dann beläuft sich die Bewertung pro Kunde auf „lediglich“ rund 425 Euro. Das ist einerseits natürlich ordentlich. Andererseits: Bei N26 sind es gemessen an den offiziell 5 Mio. Kunden knapp 650 Euro. Und geht man (wie wir es tun) davon aus, dass N26 nur mit 1,5 Mio. oder allenfalls 2 Mio. Kunden wirklich Geschäft macht, dann sind’s dort grob gerechnet sogar 2000 Euro.

Heißt? Angesichts der Krypto-Booms dürfte Bitwala aktuell eine Wachstumsgeschichte sein (auf die Frage, wie viel Ertrag das Fintech in diesem Jahr erwirtschaftet und ob man hinzufügen könne, wie der „Ertrag“ definiert werde, kommt zur Antwort, man gehe von einem „mittleren siebenstelligen Umsatz“* aus). Der Ausgang dieser Geschichte? Offen.

Mal sehen, ob aus dem Ankündigungs- doch noch ein Taten-Fintech wird.


*Ergänzung, 1. Dezember, 9.44 Uhr: Das Unternehmen ergänzt, dass es sich um „Umsatzerlöse“ handele.

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