02/07/20: Wirecard, Bafin, 1822direkt, Shine, Transferwise, DPR

2. Juli 2020

Als wir einen von Jaffés „Investoren aus aller Welt“ gestern fragten, was genau an Wirecard denn eigentlich spannend sei – da kam zurück: „Dafür müssen wir erst einmal verstehen, was dieses Unternehmen eigentlich genau macht.“ Im ersten Moment mag dieser Satz schräg klingen. Tatsächlich trifft er allerdings den Kern der Sache. Denn: Obwohl als börsennotiertes Unternehmen eigentlich zu hoher Publizität verpflichtet, ist Wirecard in all den Jahren doch immer auch ein Stück weit eine Blackbox geblieben. Und zwar nicht nur, was das Asien-Geschäft anbelangt. Sondern auch, was den Rest betrifft. Also: Was ist Wirecard eigentlich im Kern? Ein Acquirer? Ein Payment Service Provider? Ein Karten-Issuer? Oder ein Banking-as-a-Service-Provider? Und welche der diversen Wirecard-Gesellschaften macht was genau, welche Unternehmensteile sind werthaltig – und welcher Interessent könnte als Käufer für welche Sparten bzw. welches Business infrage kommen? Versuch eines Überblicks: Finanz-Szene.

Wirecard-News

Beim Ende April veröffentlichten, 74 Seiten langen KPMG-Prüfbericht handelte es sich offenbar nicht um die vollständige Fassung. So berichten „SZ“ und „Tagesschau“ nun von 232 Seiten „unveröffentlichten Anhängen“, in denen unter anderem von fragwürdigen Kreditgeschäften in Asien und von Geldtransfers an eine Briefkastenfirma auf Mauritius die Rede sei. Insgesamt seien bei diesen Geschäften in den vergangenen Jahren offenbar mehrere hundert Mio. Euro aus der Wirecard-Gruppe abgeflossen. Wenn das so stimmt, ergeben sich hieraus eine Schlussfolgerung und eine Frage. Hier die Schlussfolgerung: Wir haben es beim Wirecard-Skandal offenbar nicht nur mit  milliardenschweren Fake-Positionen zu tun, sondern offenkundig auch (diese These hatten wir ja letzte Woche schon aufgestellt) mit beträchtlichen echten Umsätzen, die allerdings in dunkle Kanäle wanderten (wichtig: „echte“ ist nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit „legale“). Und hier die Frage: Wären Vorstand/Aufsichtsrat nicht verpflichtet gewesen, den Aktionären die Erkenntnisse aus den „unveröffentlichten Anhängen“ mitzuteilen? tagesschau.de

An der gestrigen Razzia waren 12 Staatsanwälte, 33 Polizeibeamte und IT-Fachleute beteiligt (HB/Paywall) +++ Neben dem Firmensitz in Aschheim wurden auch drei Büros in München und zwei weitere in Österreich durchsucht (Wiwo) +++ Die Ermittlungen richten sich nun auch gegen die beiden noch amtierenden Alt-Vorstände Alexander von Knoop und Susanne Steidl (tagesschau.de) +++ Es soll noch weitere Verdächtige geben, wobei inzwischen nicht nur wegen Bilanzfälschung und Marktmanipulation, sondern auch wegen Betrugs ermittelt wird (HB/Paywall) +++ Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) wehrt sich in einem „FAQ“ gegen den Vorwurf, bei Wirecard geschlampt bzw. geschlafen zu haben (DPR)

News

Die 1822 direkt Frankfurter Sparkasse (und nicht, wie wir fälschlicherweise schrieben, ihre Tochter 1822direkt) erhebt vom 1. September an auf Einlagen jenseits von 250.000 Euro einen Strafzins von 0,5% (eigene Informationen) +++ Die Übernahme der Augsburger Aktienbank (genauer: des Wertpapiergeschäfts) durch die einstige Comdirect-Tochter Ebase ist perfekt (Das Investment) +++ Die Allianz stellt ihr (gemeinsam mit Wirecard betriebenes) Projekt für mobiles Bezahlen namens Pay&Protect ein (Spiegel) +++ Die Société Générale übernimmt für angeblich rund 100 Mio. Euro die französische Challenger-Bank Shine, die sich auf Freelancer spezialisiert hat – und also mit Kontist aus Berlin vergleichbar sein dürfte (TechCrunch) +++ Das bislang auf internationale B2C-Geldüberweisungen spezialisierte britische Fintech Transferwise drängt in das Investmentgeschäft (CNBC)

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