10/06/20: DWS, Lemonade, Marcus, Dreams, HSBC, Wefox, Coya

10. Juni 2020

EZB kündigt baldige Klarheit in puncto Ausschüttungen an. Vorweg: Beim Themenkomplex „Banken/Dividenden“ ist die Frage des „Dürfens“ ja eigentlich das kleinere Problem. Viel wichtiger wird in den nächsten Monaten die Frage des „Könnens“ werden. Denn: Dass, sagen wir, die Deutsche Bank in Anbetracht eines von Analysten erwarteten 2020er-Verlusts von 1,8 Mrd. Euro oder die Commerzbank (Konsens-Schätzung: 0,4 Mrd. Euro Minus) im kommenden Frühjahr zur großen Dividenden-Sause ansetzen  – das steht ja nicht wirklich zu erwarten. Ob man sie lässt oder nicht. Indes: Trotzdem hat die Frage des „Dürfens“ natürlich ihre Berechtigung. Und was das betrifft, herrscht seit gestern zumindest insofern Klarheit, als dass der oberste europäische Bankenaufseher Andrea Enria mitgeteilt hat, bis Juli finale Klarheit schaffen zu wollen, ob der vorerst bis Oktober geltende Dividenden-Bann aufgehoben wird oder nicht. Die Tendenz? Schwer zu sagen. Klar indes ist, jedenfalls hat es Enria gestern laut „BÖZ“ so gesagt: Die Banken hätten schon deshalb gern Klarheit, weil sie die Information für die Publikation ihrer Halbjahreszahlen benötigen. Börsen-Zeitung

Warum sich der DWS-Chef dreier (vermeintlicher) Topmanager entledigt: Da hat er aber mal durchgegriffen, der Asoka Wöhrmann. Drei Geschäftsführer müssen gehen. Von bislang acht. Und nicht ein einziger aus dem Trio wird ersetzt. Heißt: Die größte deutsche Fondsgesellschaft kommt künftig (jedenfalls rein rechnerisch) mit 62,5% ihres bisherigen Führungsteams aus. Macht Wöhrmann also doch noch wahr, was er kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober 2018 versprochen hatte – nämlich dass „die Treppe“ von nun an „von oben“ gekehrt werde? Gemach, gemach. Denn die Frage lautet ja nicht zwingend, wie die DWS in Zukunft mit fünf Köpfen auskommen will. Sondern: Wofür hat sie bislang acht gebraucht? Tatsächlich soll das sogenannte „Chief Controlling Office“ zuletzt eher ein Relikt als ein Feature gewesen sein. Und die „Americas“-Division? Trug in den vergangenen Jahren zu den Nettozuflüssen nur noch insofern bei, als die Nettozuflüsse ohne „Americas“-Division höher gewesen wären, als sie es mit „Americas“-Division waren. Also ein Negativ-Beitrag. Unsere Analyse: Finanz-Szene.de

Als Banking- und Fintech-Newsletter verfolgen wir die Insurtech-Branche immer eher so mit halber Kraft – weil: Sind zwar Fintechs. Aber eben keine Banken. Gleichwohl kann es ja nicht schaden, sich ab und zu mal auf den jeweils aktuellen Stand zu bringen. Also: Die Kollegen von „Finance Forward“ haben aktuelle Zahlen von drei der größeren Anbieter hierzulande zusammengetragen, und herausgekommen ist, dass Coya 2019 auf Versicherungs-Einnahmen von 812.000 Euro gekommen ist, bei der Wefox-Tochter „One“ lagen die Prämien-Einnahmen bei 6,6 Mio. Euro, und die W&W-Tochter „Adam Riese“ kam auf eingenommene Versicherungsbeiträge von 6,2 Mio. Euro. Keine Ahnung, wie Sie das einordnen, liebe Fintech-Menschen. Unser Eindruck: Es sieht zumindest nicht danach aus, als würden die Versicherungs-Fintechs im Eiltempo an den Banking-Fintechs vorbeiziehen.

News

Apropos Insurtech: Das hochgewettete US-Versicherungs-Startup Lemonade (zu dessen Investoren die Allianz gehört) hat bei der SEC Dokumente für einen baldigen Börsengang hinterlegt (Forbes) +++ Der BdB drängt nach „Reuters“-Informationen auf Lockerungen für Unternehmen bei der Annahme von Staatshilfe. (SZ/RTR) +++  HSBC Trinkaus hat die Risikovorsorge bis Ende Mai vervierfacht – allerdings auch den Kreditbestand verglichen mit dem Bilanzstichtag 2019 um 8,3% auf 11,8 Mrd. Euro ausgebaut. (BÖZ/Paywall) +++ Im nordrhein-westfälischen Cum-Ex-Komplex wird mittlerweile gegen 880 Beschuldigte ermittelt (Spiegel) +++ Die Deutsche Bank will an ihren strikten Corona-Vorschriften festhalten (Reuters) +++ Goldman Sachs schließt seine Onlinebank „Marcus“ für britische Neukunden (Citi A.M.) +++ Das schwedische Spar-App-Fintech Dreams, das letzten November seinen Deutschland-Launch angekündigte, hat jetzt auch die entsprechende „Country Managerin“: Lucia Hegenbartova (per Mail)

Wussten Sie schon …

… dass das Baufinanzierungsgeschäft im konjunkturell mutmaßlich dunkelsten Monat seit vielen Jahrzehnten (also im April 2020) – nein, nicht etwa eingebrochen, sondern um 5,3% auf 24,3 Mrd. Euro gestiegen ist? Und zwar nicht im Vergleich zum Vormonat. Sondern im Vergleich zum Vorjahresmonat, also im Vergleich zum April 2019, als abgesehen von ein paar mittlerweile berühmten Virologen noch kaum jemand wusste, was ein „Corona-Viren“ überhaupt sind. So geht’s aus Bundesbank-Daten hervor, also aus der unbestechlichsten aller Quellen. Wie bereits bekannt war (DSGV-Präsident Schleweis hatte es in einem Interview ausgeplaudert), drehten vor allem die Sparkassen den Kredithahn extrem weit auf. Sie steigerten das Neugeschäft sogar um 12%, also deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Schön aus Ihrer Perspektive, liebe Bankerinnen und Banker: Die neuen Darlehen gingen im Schnitt zu 1,5% effektivem Jahreszins raus – der zweite Monatsanstieg in Folge nach dem Rekordtief von 1,36% im Februar.

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