12/11/20: Sparkassen, VR-App, Fulfin, N26, Finiata, Finleap, Creditshelf

12. November 2020

Schlammschlacht zwischen Apobank und Fiducia & GAD: Der missglückte Kernbank-Umzug der Apotheker- und Ärztebank (siehe unsere große Recherche „Wie die Apobank ins Chaos stürzte“) hat ein unerwartetes Nachspiel. In einem gestern Abend veröffentlichten, hochspannenden „FAZ“-Artikel (Paywall) macht Vorstandschef Ulrich Sommer den ehemaligen IT-Dienstleister seines Instituts für das Debakel verantwortlich, also die Fiducia. Diese jedoch kontert die Vorwürfe des Apobank-Chefs knallhart – woraufhin dieser seine Anschuldigungen noch einmal wiederholt und teilweise sogar auf die DZ Bank ausweitet. Mithin: Maximal-Zerwürfnis im Geno-Lager! Hier zusammengefasst, was die Apobank der Fiducia & GAD konkret vorwirft und wie diese sich zur Wehr setzt: Finanz-Szene.de

Wie sinnig ist das aus Risikoperspektive eigentlich, was die Sparkassen da mit ihren sogenannten „Kredit-Baskets“ machen? Naja, vielleicht nicht unser Bier. Wir sind ja nur die braven Berichterstatter. Also: Die deutschen Sparkassen haben am gestrigen Mittwoch einen weiteren Pool zur wechselseitigen Absicherung ihrer Kreditrisiken aufgelegt. Volumen diesmal: 460 Mio. Euro. Anzahl der teilnehmenden Sparkassen diesmal: 64. Anzahl der eingebrachten „mittelständischen Kreditrisiken“ diesmal: 224. „Zusammen mit den vorherigen Pools haben die Sparkassen nun rund 3 Mrd. Euro an unbesicherten Ausfallrisiken [über die Pools] abgesichert“, lesen wir bei „Bloomberg“. Sportlich, zumal in Zeiten wie diesen. MitteilungBÖZ/Bloomberg (Paywall)

Apropos in Zeiten wie diesenWoran liegt das eigentlich, dass die Risikovorsorge im Q3 bei den meisten hiesigen Banken dann doch nicht explodiert ist? Ist das eine Folge der Corona-Gesetze (also etwa der Aussetzung der Insolvenz-Antragspflicht)? Hat es damit zu tun, dass die Institute bereits im Frühjahr ordentlich vorgesorgt hatten? Oder ist am Ende alles halb so schlimm da draußen? Jedenfalls: Die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) hat von Juli bis September gerade mal 14 Mio. Euro (!) für faule Kredite zurückgelegt, nach 70 Mio. Euro im ersten Halbjahr. Folge: ein bemerkenswerter Quartalsgewinn von 75 Mio. Euro. Die Aktie? Seit Monatsbeginn 38% im Plus. Wobei zur Wahrheit freilich auch gehört: Eine Prognose fürs Gesamtjahr traut sich die PBB immer noch nicht zu. Erfolge haben in Zeiten wie diesen eine höchst ungewisse Halbwertzeit. Mitteilung

News

Die neue VR-Banking-App der Volks- und Raiffeisenbanken soll „voraussichtlich“ Anfang nächsten Jahres in die Stores kommen (Twitter) +++ Die neue „O2 Money“-App von Comdirect und Telefonica nutzt gleich mehrere Funktionen von Finleap Connect – unserer Einschätzung nach das bislang prominenteste Mandat für das ambitionierte Berliner B2B-Fintech (per Mail) +++ Das Münchner Working-Capital-Fintech Fulfin hat seine von uns gestern schon vorweggenommenes Funding-Runde nun endlich verkündet. Höhe? Siebenstellig. (Mitteilung) +++ Bei N26 hat die Operations-Tochter am gestrigen Mittwoch ihren Betriebsrat gewählt. Die Wahl bei der eigentlichen N26 GmbH soll in Kürze folgen (per Telefon) +++ Die Fintech-Tochter von Auto1 kooperiert nach dem Zerwürfnis mit Deutscher Bank und Allianz (siehe unsere große Geschichte aus dem April) künftig mit der Solarisbank (HB/Paywall) +++ Das Berliner Finanzierungs-Fintech Finiata hat den Umfang seiner Notkapitalisierung (siehe unsere Berichte hier und hier) öffentlich gemacht: 7 Mio. Euro, immerhin (per Mail) +++ Der Frankfurter-Onlinebroker Flatex hat die Zahl seiner Kunden im dritten Quartal auf 1,16 Mio. gesteigert – ein imposantes Plus von 46% im Vergleich zu den Pro-forma-Zahlen des Vorjahres (dgap) +++ Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Die Payment-Giganten Nexi und Nets haben die Frist, bis zu der sie exklusiv über einen Zusammenschluss verhandeln wollen, vom 12. auf den 16. November ausgedehnt (Reuters/Yahoo) +++ EZB-Chefin Christine Lagarde stellt eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik in Aussicht – und meint damit explizit auch mehr Anleihekäufe und mehr Liquidität für die Banken, also „TLTRO III“ (Börsen-Zeitung)

Wussten Sie schon?

… dass der börsennotierte Frankfurter KMU-Kreditvermittler Creditshelf in diesem Jahr seine Umsatzprognose verfehlen wird? Falls nein: Grämen Sie sich nicht. Denn zu Ihrer Entschuldigung, liebe Leserinnen und Leser, sei gesagt: Bis zum Dienstag dieser Woche war dies (wenn wir dem Gang der Ereignisse folgen) nicht einmal dem Creditshelf-Management selbst bekannt. Dann jedoch wurde es Mittwoch, es brach also der 11. Tag im 11. Monat des Jahres an – und da, einen Tag vor den heutigen Quartalszahlen urplötzlich, ging den Creditshelf-Vorderen ein vorweihnachtliches Licht auf: Ahhh, Mist, das mit dem Umsatz wird doch nix (siehe die Ad-hoc von gestern, 18.04 Uhr). Nun muss man fairerweise sagen: Es ist Corona. Und Corona macht Prognosen schwierig. Aber sieben Wochen vorm heiligen Abend eine Umsatzwarnung fürs Gesamtjahr – so stärkt man das Investorenvertrauen eher nicht.

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