15/09/2020: Scalable, Comdirect, Basel IV, Check24, HSBC, Sparkasse Bremen

15. September 2020

Scalable Capital macht früheren ING-Diba-Vorstand Martin Krebs zum CFO: Gefühlt vergeht ja keine Woche mehr, ohne dass irgendein Fintech-Promi bei irgendeiner deutschen Bank anheuert, wobei es sich im Zweifel sogar um die Deutsche Bank handelt. Der umgekehrte Weg hingegen wird – und das nicht nur gefühlt – deutlich seltener beschritten. Zumindest fiel uns, als wir uns gestern fragten, welcher (Ex-)Vorstand einer größeren hiesigen Bank denn jemals operativ bei einem größeren hiesigen Fintech angeheuert hätte, tatsächlich nur der Name Holger Hohrein ein (Ex-Comdirect und inzwischen auch Ex-Deposit-Solutions). Allein das zeigt: Wenn der Robo-Marktführer Scalable jetzt den langjährigen (2003-2016) Diba-Mann Krebs zum „Chief Financial Officer“ macht, ist das eine ungewöhnliche Verpflichtung. Wobei: Um die eigentliche Brisanz der Personalie zu verstehen, sollte man in Erinnerung rufen, was Krebs vor seiner Zeit bei der Diba (also vor 2003) gemacht hat: Finanz-Szene.de

Frage: Was ist noch seltener als ein Bankvorstand, der zu einem Fintech wechselt? Richtig: Ein Bankvorstand, der kein Mann ist. Insofern war es sicherlich ein gutes Signal, als Frauke Hegemann im Dezember zur Nachfolgerin Arno Walters als Comdirect-CEO berufen wurde – auch wenn es sozusagen eine Ernennung mit Makel war, da zu diesem Zeitpunkt ja schon feststand, dass es die Comdirect schon bald nicht mehr geben würde. Jedenfalls, wenn man so will, dann hat sich Hegemann auf hübsche Weise revanchiert: Nämlich erstens, indem sie (freilich von äußeren Umständen profitierend …) seither Ergebnisse abliefert, von denen ihr Vorgänger nicht mal geträumt hat. Und zweitens, indem sie, glaubt man dem „Handelsblatt“ (Paywall), kürzlich gekündigt hat. Von der Comdirect war gestern kein Dementi zu bekommen. Scheint also zu stimmen. Ein interessanter, womöglich sogar (dafür müsste man die Umstände kennen, was wir nicht tun) ziemlich cooler Move.

Und eine zwar etwas unkonkrete, aber relevante Nachricht vom gestrigen Abend: Nach „Reuters“-Informationen haben Deutschland und Frankreich die übrigen EU-Ländern zu Lockerungen bei den Eigenkapitalregeln aufgerufen (nach unserem Verständnis geht es dabei um „Basel IV“). Begründen werde die Forderungen mit der Corona-Krise und der Angst, dass zu harte Kapitalauflagen die Kreditvergabe abwürgen könnten. Reuters

News

Die Bafin hat Check24 untersagt, Kreditnehmern weiterhin zu versprechen, im Falle von Arbeitslosigkeit einen Teil der Ratenzahlungen zu übernehmen. Grund: Es handle sich hierbei um Versicherungsgeschäft, dafür fehle der entsprechenden Check24-Tochter aber die Erlaubnis (bafin.de)  +++ Die EZB hat in ihrer Rolle als oberste Bankenaufsicht durchblicken lassen, die Regeln zur Ausschüttung von Dividenden im nächsten Jahr flexibler zu handhaben (SZ) +++ Also, zumindest kann man der Sparkasse Bremen nicht vorwerfen, dass sie das mit der Digitalisierung nicht versuchen würde (eigener Robo, Sonderweg bei Bankassurance …). Der neueste Schnack: Das Weser-Institut hat jetzt einen „Chief Digital Officer“, er heißt Pranjal Kothari, Ex-Finleap. (Mitteilung/PDF) +++ HSBC Deutschland hat einen neuen Leiter Private Banking, nämlich Axel Hoffmans, bislang Credit Cuisse. (PBM) +++ Der Finanzinvestor Apollo und das britische Telekomunternehmen Lycamobile sind laut „HB“ die aussichtsreichsten Bieter für das Wirecard-Kerngeschäft. Außerdem hätten Gebote abgegeben: KKR, Santander, Solarisbank und SIA (HB/Paywall) +++ Nubank (also das brasilianische N26) hat Easynvest (offenbar so etwas wie das brasilianische Gratisbroker) übernommen – bereits Nubanks dritte Akquisition in diesem Jahr. Reuters

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