16/06/20: AGV, Scalable Capital, N26, Deutsche Bank, Commerzbank

16. Juni 2020

Öffentliche Banken steigen aus Tarif-Gemeinschaft mit Deutsche Bank, Commerzbank und Co. aus. Seit 1972 und also fast ein halbes Jahrhundert lang galt: Wer vom „AGV Banken“ spricht, also vom Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes – der muss sich die KfW, die Landesbanken, die Landes-Förderbanken und große Sparkassen wie die Haspa mitdenken. Denn: Auch die ließen sich in Tarifverhandlungen stets von der „AGV Banken“ vertreten. Seit gestern indes ist das Bündnis Geschichte. Denn wie Finanz-Szene.de am Mittag zunächst exklusiv berichtete und wie am frühen Abend in Pressemitteilungen offiziell bestätigt wurde, scheren die durch den VÖB vertretenen öffentlichen Banken aus der über Jahrzehnte gepflegten Tarif-Gemeinschaft aus. Lesen Sie hier, was die Gründe sind, was die Entscheidung für die Beschäftigten bedeutet – und wie es für den „AGV Banken“ auf der einen und den VÖB auf der anderen Seite nun weitergeht: Finanz-Szene.de

Robo-Marktführer Scalable Capital schickt eigenen Neo-Broker ins Rennen – und greift damit Trade Republic frontal an. Lange Zeit war die Welt der deutschen Geldanlage-Fintechs recht übersichtlich. Ein Einlagen-Broker war ein Einlagen-Broker. Ein Robo-Advisor war ein Robo-Advisor. Exporo war Exporo. Und B2B war B2B und B2C war B2C. Heute hingegen? Der Einlagen-Broker Raisin („Weltsparen“) ist inzwischen auch Robo-Advisor („Weltinvest“). Robo-Advisor wie Scalable sind inzwischen auch Einlagen-Broker. Liqid macht jetzt das, was Moonfare macht (also irgendwas mit Private Equity). Und wenn man irgendein klassisches B2C-Fintech fragt, ob es mal drüber nachgedacht habe, auch B2B zu machen, kriegt man zur Antwort: „Wie, das machen wir doch immer schon!!!“ – Jedenfalls: So wirklich überraschend kommt vor diesem Hintergrund nicht, dass Scalable Capital gestern Mittag einen eigenen Neo-Broker gelauncht hat. Spannend ist der Schritt trotzdem – zumal er eine ganze Reihe von Implikationen mit sich bringt. Voilà: Finanz-Szene.de

News

Der zu Facebook gehörende Messenger-Dienst WhatsApp hat gestern seine Payment-Funktion gelauncht – allerdings zunächst nur in Brasilien. (TechCrunch) +++ Und dann haben wir ab 8 Uhr (das Unternehmen selber hat die zugrundeliegende PM mit einer „Sperrfrist“ belegt) noch eine zwar nicht super-spannende, aber doch halbwegs interessante News zu N26 für Sie. (Finanz-Szene.de) +++ Die Deutsche Bank verwaltete per Ende Q1 im deutschen Wealth Management 76 Mrd. Euro; Ende 2017 waren es noch 90 Mrd. Euro. (BÖZ) +++ Bafin-Chef Felix Hufeld hat die deutschen Bank im Zuge der Corona-Krise vor Kreditausfällen „in mehreren Wellen“ gewarnt (Bafin-Journal/PDFHB/Paywall) +++ Bei der Commerzbank wird es angeblich „deutlich mehr Filialschließungen und mehr Arbeitsplatzverluste geben als bisher angekündigt”. So hat es Aufsichtsrat und Verdi-Vertreter Stefan Wittmann gestern gesagt. (Reuters) +++ Und noch eine News, die zu unserer „Wird Corona zum Todesurteil für die Filialen?„-Story von vorletzter Woche passt: Die Volksbank Ulm-Biberach nutzt die Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown laut „Südwest-Presse“ zu Schließungen und Einschränkungen im Kunden-Service (swp.de/Paywall) +++ Die Deutsche Bank erhofft sich von der vergangene Woche verkündeten Bündelung von Wealth Management und internationalem Privatkunden jährliche Einsparungen von 100 Mio. Euro (HB/Paywall) +++ Die Commerzbank hat die Cerberus-Forderung nach zwei Aufsichtsratsposten zurückgewiesen (ARD Börse)

Wussten Sie schon …

… dass beim ausgewiesenen B2C-Fintech Scalable Capital in diesem Jahr rund 40% der Erträge aus dem B2B-Geschäft kommen sollen? Bzw.: Addiere man jene Erlöse hinzu, die dem B2C-Geschäft über die B2B-Kooperation mit der ING Diba zufließen, dann lande man sogar bei rund 75%. So jedenfalls hat es uns Gründer Erik Podzuweit gestern erzählt, als wir eigentlich (siehe oben) in anderer Sache telefonierten. Die Lehren diesen Zahlen? 1.) Der aus journalistischer Sicht ausgelutschteste aller Fintech-Trends („Es sind die Kooperationen, stupid!) ist vermutlich der nach wie vor wirkungsmächtigste; 2.) Dass das große Robo-Sterben immer noch nicht begonnen hat, könnte womöglich damit zusammenhängen, dass auch bei anderen Anbietern B2B mehr geht, als man beim Blick auf die B2C-Bilanz vermuten würde; und 3.) Wenn selbst bei Scalable nur einer von vier Euros aus dem unmittelbaren Endkundengeschäft stammt – dann dürfte das ein Indiz sein, wie schwer sich viele Fintechs weiterhin tun, in direkte Verbindung mit den „Usern“ zu treten.

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