22/04/20: Girocard, OLB, Apple Pay, FMS, Finleap Connect, Adyen

22. April 2020

Liebe deutsche Kreditwirtschaft, nachdem wir uns dieser Tage mal von einem einfachen (und sehr kompetenten) Sparkassen-Manager da draußen haben schildern lassen, welchen irren Aufwand das Thema „Bargeldversorgung“ verursacht … nun: Wir konnten vorher schon und wir können jetzt noch besser verstehen, warum Du den ganzen Cash-Kladderdatsch am liebsten abschaffen und auch noch den letzten Deiner Kunden mit einer kontaktlosen Girocard zwangsbeglücken würdest. Indes, wie weit darf man gehen? Oder anders gefragt: Wenn Ihr jetzt einen um die Volksgesundheit besorgten Hygiene-Onkel namens „Dr. Georg-Christian Zinn“ auffahrt, der den Menschen in einem gefakten „Zeit“-Interview Angst vorm Bargeld machen soll – ist das dann genial? Oder ist es allmählich ein bisschen too muchFinanz-Szene.de

Da ist doch was faul, dachten wir, als die Oldenburgische Landesbank (also das nach Private-Equity-Methoden geführte Nordwest-Institut) Ende März einen stolzen 2019er-Gewinn in Höhe von gut 100 Mio. Euro verkündete. Nachdem die OLB also dieser Tage den entsprechenden Geschäftbericht im Bundesanzeiger veröffentlicht hatte, baten wir unseren Analysten Thomas Borgwerth, doch mal einen raschen Blick auf die Zahlen zu werfen. Was er dann auch getan hat. Um es kurz zu machen: Okay, die OLB hat einen Großteil ihrer Finanzanlagen aufgelöst – was ja aber nicht verboten ist. Ansonsten sehe das aber alles sehr solide aus, so Borgwerth: „Letztlich ergibt sich ein sehr stark gestiegenes Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 149 Mio. Euro. Wie nachhaltig das ist, muss man abwarten. Schlecht sieht es auf den ersten Blick aber definitiv nicht aus!“ Also offenbar doch nichts faul.

Dürfen wir Sie noch mit einem kleinen Nachklapp zu unserer „Volksbanken-Apple-Pay“-Geschichte von gestern nerven? Weil: Wenn jetzt (jedenfalls gemessen an der Kundenzahl) die meisten deutschen Banken die mobile Bezahllösung des US-Konzerns anbieten – was ist dann mit anderen? Ein Status-Bericht: Die Postbank hatte Apple Pay zuletzt „als Option grundsätzlich im Blick“; die deutsche Santander wollte Apple Pay schon 2018 einführen, hat’s aber irgendwie nie auf die Reihe gekriegt; die Targobank konnte/ wollte zuletzt „keinen Starttermin nennen“; bei Barclaycard soll es demnächst so weit sein; bei den Sparda-Banken hängt’s – wenn wir es richtig verstehen – am IT-Dienstleister. Berlin und Südwest (beide: Fiducia & GAD) sind dabei; BaWü, West und München (Sopra Steria) hingegen nicht bzw. nur sehr indirekt über Vimpay; die Challenger-Banken Tomorrow und Penta (wo die Anbindung infrastrukturell über die Solarisbank laufen muss) sind vermutlich schon ganz fickrig, allerdings wird’s wohl frühestens in Q3 was.

News

Die FMS Wertmanagement genannte Bad Bank der Hypo Real Estate weist für 2019 einen Gewinn in Höhe von 236 Mio. Euro aus. Im ersten Quartal 2020 seien allerdings die stillen Lasten deutlich gestiegen – und der Depfa-Verkauf verzögert sich aufgrund der Krise. (BÖZ/Paywall) +++ Die Bafin hat gestern eine Geldbuße gegen Blackrock verhängt. Höhe: 744.000 Euro. Begründung: Stimmrechts-Mitteilung zu spät abgegeben (bafin.de) +++ +++ Die LBBW verkleinert den Vorstand ihrer Tochter BW Bank von sechs auf drei Personen (Stuttgarter Zeitung) +++ Die Bundesregierung lockert die Anlage-Vorschriften für den Fonds, der die nationale Bankenabgabe verwaltet (BÖZ) +++ Finleap Connect hat ein Frankfurter Büro eröffnet, das vom bisherigen KPMG-Mann Andreas Reuß geführt wird; daneben wechseln vier weitere KPMG’ler zu dem Berliner Fintech (per Mail) +++ Das schweizerisch-deutsche Kredit-Fintech Loanboox hat eine Bafin-Lizenz gemäß §32 KWG erhalten und darf damit nun Anlagevermittlung betreiben (per Mail) +++ Der niederländische Wirecard-Rivale Adyen hat trotz Corona Umsatz und Gewinn im ersten Quartal deutlich gesteigert – was die Adyen-Aktie wiederum auf einen Kurs nur noch 3% (!) unter dem Februar-Rekordhoch trieb. (finanzen.net)

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