22/05/20: Finlab, Deutsche Bank, Aareal, Younited, Monzo, Liqid

22. Mai 2020

Vom traurigen Schicksal eines Frankfurter Unicorn-Machers. Manchmal wird uns vorgeworfen, wir seien in unserer Fintech-Berichterstattung ein bisschen biased. Motto: Zu viel Berlin – zu wenig Frankfurt. Zu viel Solarisbank – zu wenig Techquartier. Zu viel Finleap – zu wenig Finlab. Was man dazu sagen muss: Ja, über den börsennotierten Frankfurter Fintech-Investor Finlab berichten wir in der Tat sehr selten. Dabei hält Finlab nicht nur mehr Beteiligungen als Finleap (nämlich 18 Stück). Sondern: Darunter befindet sich nach eigenen Angaben sogar ein „Unicorn“, nämlich der Hamburger Einlagen-Broker Deposit Solutions. Bekommt Finlab bei uns zu wenig Anerkennung? Mag sein. Indes – wir sind da nicht die einzigen. Denn: Auch an der Börse ist Finlab, gemessen am angeblichen Wert der eigenen Beteiligungen, ein hoffnungsloser Underperformer. Was stimmt da nicht? Eine Analyse: Finanz-Szene.de

Mein Gott, was ist so eine „virtuelle Hauptversammlung“ doch für eine trostlose Veranstaltung … Halten wir uns mit der „vHV“ der Deutschen Bank also nicht zu lange auf und beschränken uns auf die wesentlichen Ergebnisse: Die Blaubank hat mal wieder eine Bafin-Sonderprüfung am Hals, wie AR-Chef Achleitner den Aktionären offenbarte, diesmal geht es um das Thema „Compliance“ (Reuters) +++ CEO Sewing stellte wenig überraschend klar, das sein Institut die Corona-Krise ohne Staatshilfe überstehen will (Reuters) +++ Besagter Christian Sewing wurde mit 98,86% der Stimmen entlastet, besagter Paul Achleitner mit 92,99%. Beides deutlich über Vorjahr. (HB/Paywall) +++ Deutsche-Börse-CEO Theodor Weimer wurde ebenso in den Aufsichtsrat gewählt wie Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Juristin Dagmar Valcarcel. (Manager Magazin)

Sonst noch was Neues zur Deutschen Bank? Ja! Und immerhin semi-spannend. Die Analysten haben im Wissen um die (bekanntlich ganz gut ausgefallenen) Q1-Zahlen nämlich mittlerweile ihre Prognosen fürs Gesamtjahr aktualisiert. Herauskam: Jepp, der Ertragsschub wird ein ordentlicher sein. Was aber wenig am prognostizierten Milliardenverlust ändern wird. Weil: Die Risikovorsorge dürfte sogar noch einmal deutlich höher ausfallen als zuletzt (das heißt: Mitte April) bereits befürchtet. Die Zahlen im Detail: Finanz-Szene.de

Und noch ein Nachtrag zu Deutsche Bank und Norisbank. Nachdem wir noch einmal bei allen Beteiligten reingehört haben, lässt sich über der Hergang der Ereignisse nun mit ziemlicher Sicherheit sagen: Ja, es gab Überlegungen, die Online-Tochter zu verkaufen; und ja, diese Überlegungen waren bis vor Kurzem noch aktuell. Just Ende letzter Woche soll dann aber die Entscheidung gefallen sein, an der Norisbank (erst einmal?) festzuhalten. Was Deutsche-Bank-Vize Karl von Rohr dann am Dienstag entsprechend zu Protokoll gab (siehe die Reuters-News hier) – auch wenn eine Woche zuvor aus der Bank noch andere Signale gekommen waren (siehe die Wiwo-News hier).

News

Der aktivistische Aktionär Teleios fordert vom Aareal-Vorstand den Komplettverkauf der IT-Tochter Aareon – oder zumindest die Veräußerung eines Mehrheitsanteils (Reuters) +++Tom Blomfield, Gründer des britischen N26-Rivalen Monzo, gibt seinen CEO-Posten ab und zieht sich auf die neu geschaffene „President“-Rolle zurück. (TechCrunchFT/Paywall) +++ Die bisherige Deutsche-Hypo-Vorständin Sabine Barthauer wechselt in den Vorstand der DZ Hyp (Mitteilung) +++ Die französische Kreditplattform „Younited“ (das ist die Bude, wo der langjährige Consors-CEO Kai Friedrich ein paar Monate lang den Deutschland-CEO gab, bevor er kürzlich als Ebase-Chef anheuerte) hat ihren offiziellen Deutschland-Start bekanntgegeben (Website) +++ Das unermüdliche Hamburger Fintech Naga startet nun auch noch eine „Challenger Bank“, die auf den Namen „Naga Pay“ hören soll (per Mail) +++ US-Aufseher fordern eine signifikante Kapitalzufuhr für die beiden Hypotheken-Giganten Fannie Mae und Freddie Mac (Yahoo Finance)

Wussten Sie schon …

… dass der digitale Vermögensverwalter Liqid seine „Assets under Management“ binnen weniger Tage auf etwas mysteriöse Weise mehr als verdoppelt hat? Und zwar kam das so: Diese Woche erschien die medial zum Teil sehr ernstgenommene Robo-Advisor-Studie von Fondsconsult – und die enthielt, jedenfalls in der Fassung vom 17. Mai, eine faustdicke Überraschung. Denn Liqid, lange Zeit hinter Scalable Capital die Nummer 2 im Markt, war plötzlich mit schlappen 270 Mio. Euro (per März 2020) nur noch die Nummer fünf. Hinter Cominvest. Hinter Quirion. Hinter Weltinvest. Quelle für die 270 Mio. Euro? „Schätzung durch Fondsconsult“. In der Fassung vom 20. Mai indes notierte Liqid plötzlich bei 600 Mio. Euro (per März 2020) und damit tatsächlich wieder auf Platz zwei. Quelle für die 600 Mio. Euro? „Schätzung durch Fondsconsult“. Das Beratungshaus begründeten die Last-Minute-Veränderung damit, dass man von Liqid zunächst „abgelehnt“ worden sei und Zahlen erst „im Nachhinein übermittelt“ worden seien. Wie die Schätzung von 270 Mio. Euro zustande kam? Wie sie hergeleitet, wie belegt wurde? Kein Kommentar. Ob übrigens die 600 Mio. Euro stimmen, wissen wir nicht. Uns gegenüber macht Liqid keine Angaben zu seinen AuMs.

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