Exklusiv

387 Mio. €!!! SumUp macht mehr Umsatz als Revolut & Co.

9. Juli 2021

Von Thomas Borgwerth und Heinz-Roger Dohms

Das deutsche-britische Payment-Fintech SumUp hat erstmals überhaupt konsolidierte Geschäftszahlen veröffentlicht – und die lesen sich (jedenfalls auf den ersten Blick, für mehr reichte leider die Zeit noch nicht) ziemlich beeindruckend. So setzte der Zahlungsabwickler 2020 erstaunliche 387 Mio. Euro („Gross revenue“) um, wie aus dem von „Finanz-Szene“ und „Finance Forward“ im luxemburgischen Handelsregister entdeckten Konzernabschluss hervorgeht.

Da SumUp quasi zeitgleich auch seine Abschlüsse für die beiden Vorjahre veröffentlichte (auch diese Zahlen waren bislang ein streng gehütetes Geheimnis), lässt sich weiterhin erkennen: Die 2020er-Erlöse lagen trotz Corona-Krise um 10% über denen von 2019. Das ist deswegen bemerkenswert, weil die Mini-Terminals, auf denen SumUps Geschäftsmodell gründet, stark im Gastgewerbe zum Einsatz kommen – also etwa in Restaurants oder Hotellerie, die besonders unter den Corona-Lockdowns gelitten haben. Ausweislich der von Ernst & Young testierten Zahlen ist es SumUp also offenbar gelungen, die entsprechenden Einbußen anderweitig zu überkompensieren.

Die Zahlen zeigen, dass SumUp es – jedenfalls gemessen an den ausgewiesenen Umsätzen – locker mit einigen der größten europäischen Fintechs aufnehmen kann:

  • Die britische Neobank Revolut beispielsweise, die bei ihrer aktuellen Finanzierungsrunde angeblich eine Bewertung von 25 Mrd. Euro anstrebt, kam 2020 gerade mal auf Erträge (auch auf „Gross revenue“-Basis) in Höhe von 222 Mio. Euro
  • Auch das auf Auslands-Überweisungen spezialisierte britische Fintech Wise (ehemals: Transferwise), das im Zuge seines IPOs diese Woche auf einen Börsenwert von 10 Mrd. Euro kommt, lag bei den 2020er-Erträgen (allerdings endete das Geschäftsjahr früher) mit umgerechnet 330 Mio. Euro ein gutes Stück hinter SumUp. Ob auch das „Gross revenue“-Zahlen sind, haben wir gestern Abend auf die Schnelle nicht mehr recherchiert …
  • Deutlich vor SumUp liegen lediglich andere Payment-Anbieter wie Adyen oder Klarna mit jeweils zehnstelligen Umsätzen. Die sind allerdings (Adyen: 2006; Klarna: 2005) auch beide deutlich älter als SumUp (gegründet 2012)
  • Vom Geschäftsmodell am ehesten vergleichbar sind die Schweden von iZettle, die sich allerdings 2018 an den US-Giganten Paypal verkauft hatten und seitdem keine gesonderten Zahlen mehr ausweisen. Damals (genauer: im Mai 2018) hatte es geheißen, iZettle strebe fürs Gesamtjahr einen Umsatz von 165 Mio. Dollar an (damals umgerechnet 140 Mio. Euro, wobei wir nicht ganz sicher, ob sich die Zahl auf den „Gross Revenue“ oder den „Net revenue“ bezog) an. Selbst wenn iZettle dieses Ziel erreicht hätte, wäre SumUp (Umsatz in 2018, wie man jetzt weiß: 175 Mio. Euro) damals voraus gewesen – jedenfalls, wenn der „Gross revenue“ gemeint war.

SumUp bietet mit seinen mobilen Endgeräten Zahlungsabwicklung für Kredit- und EC-Kartenzahlungen an. Zielgruppe sind in erster Linie kleinere, stationäre Händler sowie –wie gesagt – Restaurants und Cafés. Die Umsatzerlöse gliedern sich auf in Gebühren für die Zahlungsabwicklung und Erlöse für den Verkauf der mobilen Endgeräte. Bei den Gebühren für die Zahlungsabwicklung konnte SumUp die Erträge in 2020 um gut 10% auf 332 Mio. Euro steigern (Vorjahr 298 Mio. Euro). Beim Verkauf der Endgeräte kam allerdings nur noch ein sehr kleines Plus von 4% auf 54,6 Mio. Euro zusammen (Vorjahr 52,4 Mio. Euro).

Die zusätzlichen Gebühren aus der Zahlungsabwicklung mussten nicht durch verringerte Gebührensätze erkauft werden. SumUp konnte die Rohmarge aus der Zahlungsabwicklung sogar leicht von 56% auf 57% steigern. In Summe erwirtschaftete SumUp eine Rohmarge („Net revenue“) von 190 Mio. Euro. Wie bereits in den Vorjahren wurde diese Marge allerdings durch den Verlust bringenden Verkauf der Endgeräte (-51 Mio. Euro) erheblich gemindert, sodass in Summe ein Rohertrag von 139 Mio. Euro (Vorjahr 119 Mio. Euro) zu Buche stand.

Da die zusätzlichen Kosten der weiteren Geschäftsexpansion unvermindert anhielten (die Personalkosten lagen mit 75 Mio. Euro 50% über dem Vorjahr, die übrigen Kosten beliefen sich auf 140 Mio. Euro) erzielte SumUp ein negatives Ebit von 84 Mio. Euro, gegenüber 58 Mio. Euro im Vorjahr. Sprich: Das in Berlin gegründete, aber mittlerweile schwerpunktmäßig von London aus agierende Fintech erkauft sein Umsatzwachstum vorerst weiterhin mit Verlusten.

Finanz-Szene.de hatte in der Vergangenheit wiederholt die Bilanzierungs-Praktiken sowie die verzweigte Konzernstruktur von SumUp hinterfragt (siehe etwa unsere Stücke -> Woher, bitteschön, kommt der Umsatz von  SumUp?,  oder auch -> Erstmals überhaupt entschlüsselt: Das Geschäftsmodell von SumUp). Auch bei der zunächst einmal flüchtigen Betrachtung des jetzt veröffentlichten Konzernabschlusses stellen sich Fragen, denen man sich vielleicht mal ein bisschen tiefergehend widmen müsste. Etwa: Wozu braucht ein acht Jahre altes Startup 50 (50!!!) Konzerneinheiten? So viele nämlich finden sich in der Liste der konsolidierten Gesellschaften.

Ungewöhnlich ist auch, dass SumUp sein Wachstum anders als mehr oder weniger alle anderen großen europäischen Fintechs nicht über Eigenkapital-Fundings, sondern über Kredite finanziert (siehe unsere Stücke -> SumUp gesteht schwere Umsatzeinbußen – und verletzt Kreditklauseln sowie -> Sechs Anmerkungen zur surrealen 750-Mio.-Spritze für SumUp).

09Die Folgen dieser Strategie zeigen sich in den jetzt von uns entdeckten Konzernabschlüssen. Während SumUp in 2018 lediglich 4 Mio. Euro Zinsen zahlen musste, hinterlässt die seitdem sehr dynamische Schuldenaufnahme deutliche Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die zu zahlenden Zinsen beliefen sich 2020 bereits auf 35 Mio. Euro. Bei Zins tragenden Finanzschulden von 239 Mio. Euro am Anfang des Jahres und 434 Mio. Euro zum Jahresende errechnet sich hieraus ein gemittelter Zinssatz von 10% (!!!). Mit einem solchen Zinssatz lassen sich die Fremdkapitalgeber in der Regel eine gehörige Portion Risikoaufschlag bezahlen.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

SumUp gesteht schwere Umsatzeinbußen – und verletzt Kreditklauseln

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing