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Privatbanken bereiten Co-Badge-Lösung für die Girocard vor

Mit einiger Verspätung reagiert nun auch der private Bankensektor auf das bevorstehende Aus des Maestro-Systems. Laut Recherchen von Finanz-Szene steht der Bank-Verlag (also der Payment-Dienstleister des BdB) vor der Einführung sogenannter Co-Badge-Karten, mit denen sich die Girocard um die Funktionalitäten der Debitkarten von Mastercard bzw. Visa erweitern lässt. Dank der Co-Badge-Lösung sollen die Kunden weiterhin mit der Girocard auch im Ausland bezahlen und Geld abheben können. Genau das geht bislang noch mithilfe des – ebenfalls von Mastercard stammenden – Maestro-Systems. Dieses allerdings wird ab Mitte kommenden Jahres nach und nach eingestellt (siehe unser Scoop aus dem vergangenen Oktober), ab Juli dürfen keine neuen Karten mit Maestro-Funktionalität mehr ausgegeben werden.

Auf Nachfrage bestätigte eine Sprecherin des Bank Verlags, die technischen Voraussetzungen für die Co-Badge-Lösungen sowohl mit Visa als auch MastercardDebit geschaffen zu haben. “Der Bank Verlag befindet sich dazu mit mehreren Banken in Umsetzungsprojekten. Der Roll-out wird noch in diesem Jahr beginnen”, hieß es dazu.

Letztlich geht es bei der Umstellung auf die Co-Badge um nicht weniger als die Marktstellung der Girocard. Diese ist mit einer Verbreitung von geschätzt 100 Millionen Stück noch immer die am weitesten verbreitete Bezahlkarte hierzulande – steht aber aufgrund ihrer begrenzten Funktionalitäten (Stichwort: fehlende E-Commerce-Fähigkeit) zunehmend unter Druck. Die Möglichkeit, mit der Karte weiterhin im Auslandsurlaub bezahlen zu können, ist daher essenziell. Entsprechend groß ist der Druck auf den Bank-Verlag, eher früher als später mit der Co-Badge-Lösung auf den Markt zu kommen – ansonsten droht die Bindung der Kunden an die für die Deutsche Kreditwirtschaft lukrative Girocard verloren zu gehen.

Zumal: Viele kundenstarke Neo- und Direktbanken setzen längst auf reine Debitkarten von Mastercard und Visa und erklären die immer öfter auf Kosten der Girocard zum sogenannten “Top of Wallet”-Produkt. Unter diesen Instituten sind etwa die DKB, die Comdirect, N26, die Targobank und die OLB – während die deutsche Santander sogar schon das komplette Aus für die Girocard angekündigt hat. Viel dürfte nun davon abhängen, wie die Deutsche Bank (samt Postbank) und die Commerzbank ihre künftige Karten-Strategie ausrichten. Bei den beiden Platzhirschen führen Girocards und Kreditkarten bislang ein friedliches Nebeneinander – während die Debitkarten der beiden US-Schemes nur ein Nischenprodukt sind.

Etwas weiter als die Privatbanken schienen zuletzt immerhin Sparkassen und Volksbanken zu sein:

  • Die Sparkassen setzen für die Post-Maestro-Zeit auf eine Co-Badge-Lösung aus der Girocard und Debit Mastercard. Allerdings ist die Durchdringung auch eineinhalb Jahre nach dem Produkt-Launch noch extrem gering; nicht einmal 5% der Sparkassen bieten die Karte bislang an. Ab Ende 2022 soll auch eine Co-Badge-Lösung aus Girocard und Debit Visa zur Verfügung stehen, teilt der DSGV auf Anfrage mit. “Welche Variante der Sparkassen-Card ausgegeben wird, entscheidet jedes kartenemittierende Institut selbständig.”
  • Die Genobanken sprachen letzten Herbst zunächst davon, nach dem Maestro-Aus auf das klassische V-Pay-System von Visa zu setzen. Diese Pläne sind allerdings inzwischen vom Tisch (wohl auch, weil Insider auch dem V-Pay-System keine allzu große Überlebensdauer mehr zubilligen). Stattdessen wollen nun auch Volks- und Raiffeisenbanken auf Co-Badge-Lösungen mit Visa Debit bzw. Mastercard setzen. “Die Banken können sich zwischen diesen beiden Produkten entscheiden”, heißt es beim BVR auf Nachfrage.

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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