Praxis-Check

Wie gut haben die Sparkassen eigentlich Apple Pay umgesetzt?

17. Februar 2020

Von Hendrik Dahlhoff *

Erinnern Sie sich noch an unseren großes Praxistest, wie Apple Pay von den (deutschen) Banken umgesetzt worden ist? Wir hatten Ihnen ja damals versprochen, auch noch die Implementation durch die Sparkassen einer ordentlichen Prüfung zu unterziehen. Hat ein bisschen gedauert. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Auf geht’s:

Seit dem 10. Dezember (und damit fast auf den Tag genau zum einjährigen Jubiläum von Apple Pay in Deutschland) können auch die Sparkassen-Kunden ihre Karte für das mobile Bezahlsystem des US-Konzerns freischalten. Zumindest, sofern es sich um eine Kreditkarte oder eine Prepaid-Karte von Visa oder Mastercard haben. Die Girocard? Kommt schon auch noch, beteuert der DSGV. Das nächste Upgrade des Sparkassen-Kernbankensystems OSPlus steht erst im Frühjahr an. Solange wird es sicherlich noch dauern. Vielleicht auch noch sechs Monate länger (also bis zum nächsten Upgrade).

Bleiben wir im Hier und Jetzt: Bezahlen mit Apple Pay sei „ganz normal“, erklärten die Sparkassen ihren Kunden in der großen Werbekampagne, die sie zum Launch gestartet hatten. Trotzdem bringt die technische Implementierung ein paar Besonderheiten mit sich: Zum einen findet die Aktivierung immer in Kombination mit der Sparkassen-App und/oder der pushTAN-App statt. Die SMS-Tan ist kein zugelassenes Merkmal für die Kartenaktivierung. Das ist auch der Grund, warum die Sparkassen schon Wochen vor dem Go-Live die Kunden zum Umstieg auf das TAN-Verfahren mit der eigenen App gedrängt hat. Dies war eine bewusste Entscheidung, während zum Beispiel die (ebenfalls zum öffentlichen Bankensektor zählende) LBBW-Tochterv BW Bank die SMS als Legitimationsmerkmal zugelassen hat.

 

 

Nach dem Öffnen der S-App erscheint Apple Pay im Menü links als zweiter und neuer Punkt (übrigens deutlich über Kwitt und Paydirekt …). Gleich danach erscheint die eigene Karte, sodass man mit dem Klick auf „Zur Wallet hinzufügen“ und der Bestätigung in der pushTAN-App die Karte prompt in der Apple Wallet vorfindet. Der gleiche Vorgang lässt sich für die Apple Watch wiederholen und geht genauso auf dem iPad.

Eine sonderbare Einschränkung gegenüber anderen Partnerbanken gibt es allerdings: Aus unbestimmten Gründen ist die Hinterlegung auf Macs mit eingebautem Touch ID (und dem für Apple Pay relevanten Secure Element) in den AGB ausgeschlossenen und technisch auch nicht möglich. Die Erklärung hier? Lässt sich nicht in Erfahrung bringen. Immerhin wird betont, dass es sich um einen temporären Zustand handeln soll. Also wohl kein absichtlicher Ausschluss. Sondern ein technischer Umstand. Eine Apple-Pay-Zahlung am Mac kann man selbstverständlich trotzdem über das gekoppelte iPhone durchführen.

Die Zahlungen – wie sollte es auch anders sein – funktionierten im Finanz-Szene.de-Praxistest einwandfrei. Die Wallet von Apple lieferte auch eine entsprechende Benachrichtigung zur eben getätigten Zahlung.

Je nach Sparkasse kostenfrei inbegriffen oder mit einer (je nach Sparkasse variierenden) Einzelabrechnung versehen, gibt es noch den „Kontowecker“, sodass der Kunde ggf. zusätzliche Push-Nachrichten von der S-App konfigurieren kann. Damit werden auch Umsatzabfragen mit Apple Pay und bei Kartenzahlung mit der physischen Karte gemeldet. Allerdings tauchen diese Vormerkungen nicht in der Buchungsübersicht der Kreditkarte in der App oder im Online-Banking auf.

Ebenfalls enttäuschend: Die Push Nachrichten liefern nur ein generisches „Ihr Kreditkartenwecker hat geklingelt!“ und erfordern den Blick auf eine Unterseite innerhalb der App, um zu erfahren, was diese Klingelei denn nun ausgelöst hat. Das geht komfortabler, wie wir im großen Praxistest zur Apple-Pay-Umsetzung der (deutschen) Banken betont haben. Nicht nur die hippen Challenger-Banken haben das besser umgesetzt. Sondern auch manche Filialbank.

Zwar hat das im Kern nichts mit der Funktionsfähigkeit von Apple Pay zu tun. Das Ganze ist aber im Kontext des zunehmenden Bedarfs an Echtzeitbanking und Komfort zu sehen, um die volle Kontrolle über die eigenen Konten und Karten zu haben. Kartenzahlungen, die erst einige Tage später auf der Abrechnung auftauchen, fühlen sich für viele Nutzer antiquiert an. Eine Echtzeitübersicht sollte im Jahr 2020 Standard sein.

Auffallend war gerade in den Tagen nach dem Start die ungeheure Menge an Werbung für Apple Pay. Man hatte nicht nur die Fenster der örtlichen Sparkasse Filiale mit Pommes*, Laufschuhen* und einem Hammer* (*bezahlt mit dem iPhone) zugekleistert, sondern in der App an verschiedenen Stellen prominent auf den neuen Bezahldienst hingewiesen. Selbst Kunden ohne Kreditkarte erhielten vor dem Start die Möglichkeit, mit einem einzigen Klick eine neue Karte über den zuständigen Berater anzufordern. Und im Online-Banking musste man mehrere Wochen Apple-Pay-Werbung auf der Startseite, nach dem Log-in als Pop-up, am Rand und nach dem Log-out ansehen. Das hatte durchaus was Nerviges. Andererseits: Der Erfolg gab den Sparkassen ja Recht. Denn wie wir kurz vor Weihnachten exklusiv berichteten, hatten sich schon innerhalb gut einer Woche mehr als 200.000 Sparkassen-Kunden für Apple Pay registriert – trotz fehlender Kompatibilität mit der Girocard.

Wie gut Apple Pay bei den Sparkassen einschlägt, ist auch für Neobanken und Fintechs von großem Interesse. Denn nun wird sich zeigen, wie viele „Probier- und Spielkonten“ bei anderen Akteuren nach dem Start der Sparkassen brachliegen. Zumindest von den Kosten her dürfte es für den einen oder anderen Marktteilnehmer ein Problem sein, wenn zu viele dieser berüchtigten Apple-Pay-Probierkonten nun längere Zeit bei einem Kontostand von null Euro vor sich hindümpeln, denn die Fixkosten werden bleiben.

Umso spannender dürfte es dann werden, wenn die Girocard mit ihrer riesigen Kundenbasis für Apple Pay freigeschaltet wird – und somit keine Hürden mehr für die Nutzung bestehen. Vielleicht haben die Sparkasse den Knall doch noch rechtzeitig gehört und die technikaffine und zahlungsstarke Apple-nutzende Kundschaft erreicht.

*Hendrik Dahlhoff ist Payment-Nerd und Autor bei Finanz-Szene.de. Sie finden ihn bei Linkedin und Twitter.

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