Deutsche Bank schließt 10-Mio.-Karten-Deal mit Mastercard

2. Februar 2021

Von Christian Kirchner

Ein einziger großer Deal verschiebt die Kräfteverhältnisse im deutschen Kreditkartenmarkt wieder zugunsten von Mastercard. Wie die beteiligten Unternehmen gestern auf Nachfrage bestätigten, steigt der US-Konzern (mutmaßlich gegen gutes Geld) zum Exklusivpartner der Deutschen Bank und damit auch der Postbank auf. Das bedeutet ganz konkret: Retail- wie Geschäftskunden der beiden Institute sollen künftig keine Visa-Karten mehr erhalten. Während sich für Deutsche-Bank-Kunden hierdurch zwar so viel gar nicht ändert (weil Mastercard dort auch bislang schon der bevorzugte, wiewohl nicht exklusive Partner war), ist der Deal für die Postbank einschneidend. Dort war bislang nämlich Visa der präferierte Kartenpartner.

Mastercard-Vorstandschef Michael Miebach – ein gebürtiger Deutscher – hatte den Deal schon Ende letzter Woche beim „Conference Call“ aus Anlass der Q4-Zahlen verkündet. Die spektakuläre Botschaft blieb allerdings medial unbeachtet, bis am gestrigen Dienstag die Kollegen von „Kreditwesen.de“ als erste über die Einigung berichteten. „Wir erweitern unsere Beziehung zur Deutschen Bank und werden exklusiver internationaler Scheme-Partner – einschließlich sowohl der Deutschen Bank und auch Postbank – und erweitern so unseren Marktanteil in Debit- und Kreditkarten“, sagte Miebach wörtlich.

Seinen Angaben zufolge sind zehn Millionen Debit- und Kreditkarten von der Umstellung betroffen (was wir, ohne dass es sich kurzfristig klären ließe, so verstehen, dass es um die ausstehenden Visa-Kreditkarten geht, aber eben auch um die Postbank-Girocards mit einer V-Pay-Co-Badge Lösung von Visa bei der Postbank – denn anders wäre die schiere Zahl von 10 Millionen Karten nicht zu erklären). Ziel der Umstellung sei es, „interne Prozesse im Umgang mit Zahlungskarten zu vereinfachen und die Integration der beiden Kundenmarken Deutsche Bank und Postbank weiter voranzutreiben. Hierfür wurde Mastercard als Partner ausgesucht“, sagte ein Sprecher der Postbank.

Auch wenn die Konditionen des Deals naturgemäß geheim bleiben, dürfte der Deal für die Deutsche Bank durchaus lukrativ sein. Denn: Banken winken in der Regel höhere Erträge, sofern sie sich verpflichten, ihren Kunden ausschließlich die Karten eines Kreditkarten-Schemes – also in der Regel Mastercard oder Visa – anzubieten. Der Nachteil der exklusiven Partnerschaften: Manche Kunden haben klare eine Präferenz für einen der Kreditkartenanbieter (was dumm ist, wenn es sich um den Anbieter handelt, dessen Karten die Bank nicht ausgibt …) oder wollen ein „Doppel“ aus Visa und Mastercard. Kundenstarke Banken scheuten daher bislang tendenziell, sich exklusiv auf ein Karten-Scheme festzulegen oder das andere nicht wenigstens optional zu bieten.

Dass die Deutsche Bank den mutmaßlichen Unmut mancher Kunden in Kauf nimmt, deutet darauf hin, dass bei ihr die kurzfristigen finanziellen Erwägungen überwiegen. Geht man einmal davon aus, dass die Vereinbarung (auch) eine Einmalkomponente beinhaltet, dann wäre es der dritte derartige Provisions-Deal binnen weniger Monate. Denn: Ende September hatte sich das größte hiesige Geldinstitut im Vertrieb von Lebens- und Rentenversicherungen für weitere zehn Jahre an die Zurich-Versicherung gebunden. Bei der Absicherung von Konsumenten- und Hypothekenkrediten ging die Deutsche Bank kurz darauf einen ähnlichen Deal mit der Talanx ein. Dabei nutzt das Institut die Marktmacht, die ihr aus der Bündelung von 19 Mio. Kunden (wenn man Deutsche Bank und Postbank zusammenzählt) erwächst.

Mastercard wiederum sendet mit der Vereinbarung ein wichtiges Signal in den deutschen Markt. Schließlich hatten die Amerikaner hierzulande über Jahre hinweg Marktanteile an Visa verloren, wie aus Daten des Portals „Kreditkart.net“ hervorgeht. Allerdings reichen die Zahlen nur bis Ende 2019.

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