DKB stellt Girocard und Kreditkarte komplett infrage

6. Juni 2021

Von Christian Kirchner

Die DKB nimmt sowohl die Girocard als auch die klassische Kreditkarte aus ihrem Standard-Kartenportfolio heraus. Das klare „Top of Wallet“-Produkt für die rund 4,6 Millionen DKB-Kunden wird damit künftig die Visa-Debitkarte, wie die DKB auf Nachfrage bestätigte. Die Girocard und die Charge-Kreditkarte dürften zwar grundsätzlich im Portfolio bleiben, werden den Kunden aber offenbar nur noch auf Nachfrage hin ausgehändigt werden. „Die genauen Produktdetails hierzu sind noch nicht abschließend geklärt“, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte der Branchendienst „Inside Digital“ sogar die komplette Abschaffung von Girocard und Kreditkarte vermeldet. Dem widersprach die DKB.

Bislang ist es so, dass die DKB-Kunden automatisch eine Girocard sowie eine Charge-Kreditkarte erhalten. Dass dies nicht so bleiben wird, hatte sich zuletzt bereits angedeutet (siehe unsere Berichte hier und hier). Nun fällt der Schwenk aber sogar noch radikaler als vermutet. Denn: Bis dato setzen lediglich Neobanken wie N26, Revolut oder Kontist und Co. konsequent und in vielen Fällen ausschließlich auf Debitkarten mit sofortiger Liquidation. Bei klassischen Banken ergänzte bislang in der Regel die Einführung einer Debitkarte von Visa oder Mastercard lediglich das Kartenportfolio aus Girocard und der (meist optionalen) Charge-Kreditkarten.

Bei der DKB war bislang die klassische Charge-Kreditkarte das „Top of Wallet“-Produkt (übrigens machten Mitarbeiter teils sogar den Girocard-Einsatz öffentlich madig, siehe hier …). Damit hatte die DKB ein Alleinstellungsmerkmal etwa im Wettbewerb zur größten deutschen Direktbank, der ING Diba. Diese bietet ihren rund 9,5 Mio. Kunden noch überhaupt keine Charge-Kreditkarte an, sondern setzt auch auf eine Debit-Karte, händigt Kunden allerdings auch automatisch parallel eine Girocard mit aus.

Bei der DKB dürfte der radikale Schwenk zwei Gründe haben: Einerseits dürfte ihnen Visa den Schwenk auf eine Debitkarte als Top-of-Wallet-Produkt finanziell versüßen; diese Erträge kann die DKB für die laufenden Investitionen in Digitalisierung und Transformation gut gebrauchen. Visa wie Mastercard greifen hier mit tiefen Taschen die Girocard an. Anderseits strebt die Bank an, bis Mitte 2024 auf 8 Mio. Kunden zu kommen, muss also binnen drei Jahren um rund 3,4 Mio. Kunden netto wachsen. Das dürfte nur funktionieren, wenn die Bank auch Neukunden gewinnt, die nicht bonitätsstark genug für eine klassische Charge-Kreditkarte sind.

Girocard gegen den Rest der Welt: Die große Analyse zum deutschen Kartenmarkt

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