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Erst Instant Sepa, nun digitaler Euro: Wie Treasury in Banken zum 24/7-Job wird

Mit der Pflicht zur Instant-Payments-Abwicklung hat sich eine der zentralen Steuerungsgrößen im Treasury still verschoben, noch nicht überall spürbar, aber strukturell nicht mehr zu ignorieren: Ein stabiler Tagesendsaldo garantiert keine Intraday-Abwicklungsfähigkeit mehr. Denn Transaktionen in Echtzeit haben die Spielregeln geändert.

Was früher durch Batchverarbeitung, Netting und Tagesendausgleich weitgehend geglättet wurde, schlägt heute direkt auf die operative Zahlungsfähigkeit durch. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, ob ausreichend Liquidität vorhanden ist, sondern ob sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar ist. Das klingt nach einer Nuance, ist operativ aber ein erheblicher Unterschied.

Ein Unterschied, der sichtbar wird, sobald etwas schiefgeht: Wenn Instant Payments scheitern, erlebt der Kunde meist nur das Ergebnis. Die Zahlung geht nicht durch, verzögert sich oder muss auf das klassische SEPA-Verfahren ausweichen. Wiederholte Vorfälle erzeugen Beschwerdedruck, können reputationswirksam werden und machen das Thema früher oder später auch für Aufsicht und Revision relevant – denn das Echtzeitversprechen ist dann sichtbar gebrochen.

Zwei Dimensionen, die unterschiedliche Antworten erfordern

Für Treasury entstehen dabei zwei strukturell unterschiedliche Herausforderungen.

Die erste ist untertägige Volatilität: Peaks können sich innerhalb weniger Minuten aufbauen, ausgelöst durch Kundeninitiativen, Kampagnen, Marktereignisse oder schlicht die Kumulation gleichzeitiger Auszahlungsimpulse. Entscheidend ist dabei, welche Zahlungsströme tatsächlich Instant-Payments-relevant und kurzfristig liquiditätswirksam sind und wann kritische Nettoabflüsse in engen Zeitfenstern entstehen können. Das ist institutsspezifisch und lässt sich nicht pauschal beantworten.

Die zweite Dynamik ist strukturell anspruchsvoller: Off-Times. TIPS, das EZB-Settlement-System für Instant Payments, verarbeitet Transaktionen 24/7 – Zahlungen laufen also auch nachts, an Wochenenden und über verlängerte Feiertagsfenster durch. Eingriffsmöglichkeiten, Freigabewege und Reaktionsoptionen durch Treasury sind in diesen Zeitfenstern begrenzt. Das macht Vorsorge, nicht Reaktion, zum zentralen Steuerungsprinzip. Puffer müssen vorab dimensioniert, Eskalationswege klar definiert und Standardreaktionen für typische Engpasslagen vorbereitet sein, bevor die Off-Time beginnt.

Für Institute in Verbund- und Korrespondenzstrukturen, etwa im Sparkassensektor, kommen zusätzliche Abhängigkeiten hinzu: Die operative Steuerung von Zentralbankliquidität liegt nicht vollständig im Institut selbst. Rollen, Schnittstellen und Abstimmungslogiken müssen klar definiert sein und auch in Off-Times funktionieren, was die Steuerungsanforderungen weiter erhöht.

Die gute Nachricht: Der Anteil von Echtzeitüberweisungen ist heute noch beherrschbar. Der Großteil der Transaktionen läuft weiterhin als klassische SEPA-Überweisung.

Die schlechte Nachricht: Die Richtung ist branchenweit unbestritten – und mit dem digitalen Euro kündigt sich bereits der nächste Treiber an.

Der digitale Euro bringt mehr Volatilität in das Treasury

Bereits mit der Instant-Payments-Verordnung wurde Liquiditätsmanagement so anspruchsvoll wie nie zuvor. Gleichzeitig wird Liquiditätsmanagement nie wieder so überschaubar sein wie heute. Die Entwicklung hin zu immer größeren Volumina von Echtzeittransaktionen zeichnet sich klar ab; und mit dem digitalen Euro kündigt sich ein weiterer Treiber an.

Sofern die zugrunde liegende EU-Gesetzgebung 2026 verabschiedet wird, plant die EZB zunächst einen Piloten für die zweite Jahreshälfte 2027 und eine mögliche erste Ausgabe ab 2029. Für Treasury wird der digitale Euro vor allem eines sein: ein weiterer Mechanismus, über den Liquidität zwischen Bankeinlagen und Zentralbankgeld in Echtzeit bewegt werden kann. Massenkonvertierungen, Wallet-Aufladungen oder Pay-outs in engen Zeitfenstern könnten bestehende Intraday-Peaks verstärken oder neue erzeugen. Entscheidend ist dabei nicht die Gesamtgröße des Volumens, sondern ob ereignisgetriebene Spitzen entstehen, die mit bestehenden Echtzeitzahlungsströmen kollidieren.

Ob diese Szenarien bereits 2029 eintreffen, ist noch offen. Für die Steuerungspraxis bedeutet es aber schon heute: Wer sein Operating Model jetzt so aufbaut, dass es auf neue Treiber erweiterbar ist, muss beim Go-live des digitalen Euros nicht bei null anfangen.

Was ein belastbares Operating Model leisten muss

In der Praxis reichen wenige, klar definierte Steuerungssignale aus, vorausgesetzt, sie sind fachlich präzise, datenseitig nachvollziehbar und auf tatsächlich liquiditätswirksame Zeitfenster bezogen. Ein gemeinsames Lagebild, das Treasury, Payments und Risikomanagement verbindet, schafft dafür die Grundlage – mit klaren Playbooks für Engpasssituationen und nachvollziehbar dokumentierten Entscheidungen.

Wie Banken dieses Operating Model systematisch aufbauen können – von der Analyse institutsspezifischer Zahlungsprofile über die Dimensionierung von Puffern bis zu Governance und Eskalationslogiken – beschreibt das Whitepaper „24/7 Liquiditätssteuerung: Operating Model für Instant Payments und digitalen Euro“ der PPI AG. Es steht auf der Website der PPI AG kostenfrei zum Download bereit.

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*Doreen Wangard ist Managing Consultant und Alexander Zwank ist Consultant bei dem Beratungs- und Softwarehaus PPI AG. Die PPI AG gehört zu den Content-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zu unserem Partner-Modell erfahren Sie hier.

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