Analyse

Mastercard gegen Girocard: Beginnt jetzt der Häuserkampf?

9. September 2020

Von Christian Kirchner

Gleich viermal tauchte in der Pressemitteilung der Oldenburgischen Landesbank zum Deal mit Mastercard das Wort „exklusiv“ auf. Dreimal im Sinne von „exklusiver Partnerschaft“. Und einmal im Sinne von „exklusiver Debitkarte“ (siehe hier). Umso mehr verwunderte, dass unser Anruf bei der OLB zu der Erkenntnis führte, das mit dem „Exklusiv“ sei ja eigentlich gar nicht so gemeint gewesen. Denn: Nein, nein, dass Mastercard jetzt der „exklusive Partner“ sei, bedeute nicht, dass die Girocard kein Partner mehr sei. Und: Nein, nein, dass die Mastercard Debit jetzt die „exklusive Debitkarte“ der OLB sei, bedeute nicht, dass die OLB-Kunden nicht auch weiterhin mit der Girocard bezahlen können. Und zwar nicht nur für eine Übergangszeit.

Als wir das Ganze am nächsten Tag dann so vermeldeten (also ohne das „exklusiv“ und mit dem Verweis auf die Girocard), führte dies dann allerdings an anderer Stelle zu Verwunderung – nämlich bei Mastercard Deutschland. Dort nämlich war man (wurde uns jedenfalls glaubhaft zugetragen) davon ausgegangen, dass das mit dem „Exklusiv“ genauso gemeint gewesen sei, wie es in der Mitteilung zu lesen gewesen war. Sprich: „Exklusiv“ im Sinne von „ausschließlich“, was den auch den Ausschluss der Girocard impliziert, auch wenn auf der „Maestro“ steht. Vielleicht nicht sofort. Aber alsbald.

Huch: Was ist das denn für eine Kommunikation? Und: Ist das alles nur ein großes Missverständnis – oder steckt mehr dahinter? Lesen Sie erst die Fakten. Und dann unsere Interpretation.

Die Fakten

  • Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte. Oder anders gesagt: Visa ist bei der OLB jetzt ganz raus! Bislang hatten die Kunden nämlich die Wahl zwischen Mastercard und Visa Card, bei höherwertigen Kontomodellen gab es sogar beides. Künftig händigt die OLB ihren Kunden indes keine Visa-Produkte mehr aus. Das ist ein Erfolg, den Mastercard durchaus gebrauchen kann, ging es doch in den letzten Jahren eher andersherum: Banken warfen Mastercard zugunsten Visa raus. Zur Einordnung: Noch vor fünf Jahren war Mastercard mit 19 Mio. ausstehenden Kreditkarten klarer Marktführer in Deutschland; Visa kam auf 13 Mio. Karten (Daten via kreditkarte.net). Per Ende 2019 stand es dann 17,1 Mio. Karten (Visa) zu 17,5 Mio. Karten (Mastercard). Im März erst lief die Targobank mit 300.000 Karten von Mastercard zu Visa über (siehe hier).
  • Weniger Plastik gibt es erstmal nicht, sondern mehr. Heißt es nicht, die Plastikkarten werden peu au peu verschwinden und in digitale Endgeräte wandern? Zumindest bei der OLB besteht diese Gefahr auf Jahre hinaus nicht. Die Mastercard Debit kommt automatisch, auch an alle Girocard-Fanatiker ohne Zweitkarte. „Für jede ursprünglich ausgegebene Girocard wird dem Kunden eine zusätzliche Mastercard Debit zugeschickt“, heißt es bei der OLB in einem Karten-FAQ. Und der kartenaffine Durchschnittskunde dürfte künftig gleich mit drei Karten herumlaufen: der Girocard, der neuen Mastercard Debit und einer Mastercard Kreditkarte.
  • Die Girocard bleibt, siehe oben … Allerdings weist die OLB in besagter Mitteilung die lokalen Einzelhändler schon mal darauf hin, dass demnächst Kunden an der Kasse stehen könnten, die keine Girocard mehr dabei haben, sondern nur noch mit der Mastercard Debit wedeln. Man solle doch besser schon mal die Terminals entsprechend anpassen …

Die Interpretation

Das vierfache „Exklusiv“ fällt vermutlich nicht in die Rubrik „Unglücklich formuliert“, sondern in die Kategorie „Psychologische Kriegsführung“. Das Interesse seitens Mastercard scheint klar: Die Amerikaner wollen die Girocard lieber heute als morgen herausdrängen bei der OLB. Denn so ein Showcase, dass Filialbanking auch ohne der Deutschen liebste Karte geht – das wäre natürlich ein Paukenschlag (zumal die OLB mit ihren 750.000 Kunden ja kein ganz kleiner Player ist). Und: Wo, wenn nicht bei der Oldenburgischen Landesbank, soll der Häuserkampf gegen die Girocard ihren Ausgang nehmen. Schließlich gehört das Nordwest-Institut ja seit 2017 zu einem Konsortium rund um den US-Finanzinvestor Apollo und tickt seitdem, nun ja, nach etwas anderen Regeln als die BdB-0-8-15-Banken (siehe unsere leicht gealterte Analyse hier).

Die Oldenburgische Landesbank freilich kann nicht ganz so schnell, wie Mastercard gern würde und wie sie womöglich auch selbst gern würde. Was allerdings eher nichts mit wehmütiger Solidarität zur Deutschen Kreditwirtschaft (die ja hinter der Girocard steht) zu tun hat. Sondern: Das Problem sind die Kunden, von denen viele halt immer noch an der gewohnten Karte hängen dürften. Und was für den Kunden gilt, gilt (siehe oben) auch für manche Händler, die immer noch und womöglich auch weiterhin auf das alte Annahmeverfahren setzen. Und: Nicht zuletzt gilt das alles auch für die OLB selbst. Denn wir heißt es in dem schon erwähnten Karten-FAQ so schön: „Sie benötigen weiterhin Ihre Girocard, denn nur mit der Girocard kann am Geldautomaten eine Einzahlung getätigt oder am Kontoauszugsdrucker ein Auszug gezogen werden.“

Noch geht’s also nicht ohne die Girocard. Noch.

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