Die großen Schemes geben Maestro und Vpay dem Verfall anheim

24. September 2021

Von Christian Kirchner

Mastercard und Visa setzen das bislang deutlichste Signal, dass sie eher früher als später ihre angestammten Kartendienste Maestro und Vpay abschaffen könnten. Nur kurz zu Erinnerung: Wir hatten jüngst ja von Hinweisen berichtet, wonach das Maestro-Co-Branding hierzulande möglicherweise vor dem baldigen Aus steht (siehe hier). Mindestens ebenso spektakulär ist allerdings eine Meldung, die diese Woche auf einer Payment-Konferenz in den Niederlanden verkündet wurde. Dort nämlich hat eine Allianz aus Mastercard, Visa und diversen Banken die Initiative DCA (Debit Card Acceptance) gestartet. Deren Ziel: Bis Ende 2022 soll es an den niederländischen Point of Sales eine flächendeckende Akzeptanz neuartiger Debitkarten von Mastercard und Visa geben.

Dazu muss man wissen: Die Niederländer sind nicht nur extrem kartenaffin im Alltag (85% der Umsätze am Point of Sale wurden 2020 mit Karte gezahlt). Sondern: Anders als hierzulande mit der Girocard gibt es in unserem Nachbarland seit zehn Jahren kein rein bankeneigenes Paymdent-Scheme mehr. Sondern: Bei den klassischen Bankkarten in den Niederlanden handelt es sich quasi um reine Maestro- und Vpay-Karten. Sprich: Während eine mögliches Abschaffung von Maestro und Vpay hierzulande vor allem die Girocard träfe (weil die ja für den Auslands-Einsatz das Co-Branding braucht …), kannibalisieren sich die beiden US-Schemes mit ihrem Vorgehen in den Niederlanden sozusagen selber: Mit aller Macht sollen – so jedenfalls die naheliegende Deutung – die Mastercard Debit und die Visa Debit in den Markt gedrückt werden. Während man Maestro und Vpay allem Anschein nach dem Verfall anheim gibt.

Die Motive? Sind uns nicht vollends klar. Mag sein, dass Mastercard und Debit einfach nur einer globalen Strategie folgen, die nun Land für Land zu Konsequenzen führt. Mag aber auch sein, dass die Amerikaner trotz ihrer schon jetzt starken Stellung im niederländischen Markt die Chance sehen, mit den neuen Debitkarten noch einmal besser zu verdienen. Was man weiß: Das im niederländischen Markt zu beobachtende Quasi-Duopol mit der Maestro-Bankkarte und der Vpay-Bankkarte hat nicht zuletzt regulatorische Gründe – nämlich sehr geringe Händlerkosten und eine entsprechend hohe Akzeptanz, während andere Debit- oder Kreditkarten (bislang!) am niederländischen POS oft gar nicht erst angenommen werden.

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