Research

Nur zwei Banken haben seit 2020 Instant Payments eingeführt

21. September 2021

Von Christian Kirchner

„ING Diba startet Sepa Instant Payments“, vermeldeten wir dieser Tage. Noch während wir die entsprechende Nachricht tippten, krochen allerdings zwei Fragen in uns hoch:

  1. Öhhh, ist das überhaupt interessant? Und …
  2. Falls ja, ähhh, was daran ist interessant?

Ist die News als solche spannend – also dass die ING Diba demnächst Instant Payments anbietet? Oder eher das, was aus der Headline indirekt hervorging? Nämlich dass die größte hiesige Direktbank das vermeintliche Basis-Feature nicht schon längst eingeführt hat … Sagen wir: vor einem Jahr. Oder vor zwei oder vor drei.

Wobei – vielleicht war das Interessante ja gar nicht das, was in der Überschrift stand. Sondern das, was dort mangels Platz nicht stand. Denn wer sich die Mühe machte, nicht nur die Überschrift, sondern die ganze Meldung zu lesen, der stellte fest, dass die Oranje-Bank zwar Echtzeit-Überweisungen  ins Angebot nimmt. Aber erst einmal nur auf der Empfangsseite (selber überweisen geht also erst einmal nicht). Und vorerst beschränkt auf Firmenkunden …

Wie auch immer man das Vorgehen der ING Diba deuten möchte, zumindest eine Lesart dürfte offensichtlich sein: Eine allzu hohe Priorität räumen die Frankfurter dem Thema nicht ein. Womit sie nicht alleine stehen. Als 2018/2019 die ersten hiesigen Banken (weit vorn: die Hypo Vereinsbank, die Sparkassen und die Genos) Instant Payments launchten, dachte man eigentlich, der Rest der Branche würden bald folgen. Zumal die EU-Kommission bald darauf ankündigte, bis Ende 2021 werde aus „Instant Sepa“ ein verpflichtender Standard. Inzwischen will Brüssel davon aber nichts mehr wissen. Und etliche Banken? Auch nicht.

Unter den 50 größten bzw. namhaftesten* Banken hierzulande sind laut Finanz-Szene-Recherchen (auf Basis von Zahlen des „European Payment Council) noch immer 14 „Instant-Sepa“-Verweigerer, darunter zum Beispiel die Solarisbank oder die Apobank.

Fragt man in der Branche nach den Gründen, kommen immer wieder folgende Erklärungen:

  • Es fehle der Bedarf seitens der Kunden
  • Der Aufwand sei hoch, zum einen bei der Einführung, aber auch später dann bei der Betrugsprävention – und man habe schlicht andere Prioritäten
  • Klassische Überweisungen seien inzwischen so schnell, dass der Umstieg auf „Instant“ kaum einen Mehrwert biete

Hier die Liste (wichtige Anmerkung: „Einführung“ heißt, dass irgendeine Art von Instant Payments eingeführt wurde, sei es für den Zahlungseingang oder für den Zahlungsausgang, sei es Firmenkundengeschäft oder Retail).

Bank Einführung
1822direkt 10.07.18
Apobank nein
Barclays nein
BB Bank 27.11.18
Berliner Volksbank 27.11.18
BMW Bank nein
Bunq 2019
C24 nein
Commerzbank 05.11.18
Degussa Bank nein
Deutsche Bank 20.11.18
DKB 10.07.18
Fidor 22.04.21
Flessabank 20.11.18
Frankfurter Sparkasse 10.07.18
Frankfurter Volksbank 27.11.18
Haspa 04.11.19
ING demnächst
Klarna nein
KSK Köln 10.07.18
KSK Ludwigsburg 10.07.18
KSK München Starnberg 11.07.18
LBB AG 07.01.19
LBBW 10.07.18
MBS 10.07.18
Mercedes Bank ** nein
N26 04.11.19
Nassauische Sparkasse 10.07.18
netbank nein
Norisbank 20.11.18
OLB 25.03.19
Openbank nein
Ostsächsische Sparkasse 10.07.18
Postbank 20.11.18
Revolut 06.07.20
Santander 07.07.18
Solarisbank nein
Sparda Baden Württemberg nein
Sparda West nein
Sparkasse Aachen 10.07.18
Sparkasse Bremen 10.07.18
Sparkasse Hannover 10.07.18
Sparkasse KölnBonn 10.07.18
Sparkasse Münsterland-Ost 10.07.18
Stadtsparkasse München 10.07.18
Stastsparkasse Düsseldorf 10.07.18
targobank 26.11.19
Tomorrow nein
Unicredit 21.11.17
Vivid Money nein ***
VW Bank nein

* Die 40 nach Bilanzsumme größten hiesigen Banken mit Retail-Geschäft plus zehn Fintech-Banken
** keine Zahlungsabwicklungen generell
*** fehlerhafterweise in erster Version als Instant-Fähig dargestellt. Nur interne Überweisungen sind „Instant“

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