Wussten Sie schon?

Payone verkaufte Visa-Anteile – und fing so Ertragseinbruch auf

15. Mai 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Wussten Sie schon, … dass der größte deutsche Zahlungsdienstleister, nämlich die teils in Sparkassen-Besitz befindliche Frankfurter Payone GmbH, während der Corona-Krise umfangreich Reserven versilbert hat? Wie aus im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüssen hervorgeht, trennte sich das Frankfurter Unternehmen im großen Stil von Aktien des Kreditkartenkonzerns Visa – und erzielte hierdurch einen Einmalgewinn in Höhe von etwas mehr als 28 Mio. Euro. Dank der Sondereffekts gelang es Payone, den Vorsteuergewinn im Geschäftsjahr 2020 (aktuellere Zahlen liegen noch keine vor) auf knapp 61 Mio. Euro (+61%) zu steigern, obwohl die Provisionserträge infolge der Pandemie  einbrachen.

Die Visa-Anteile stammen noch aus der alten, den Sparkassen gehörenden BS Payone GmbH und waren vor zwei Jahren offenkundig in die neue Payone GmbH eingebracht worden. Bei Letzterer handelt es sich um ein Joint Venture, an dem die Sparkassen nur noch 40% der Anteile halten und die Mehrheit beim milliardenschweren französischen Payment-Konzern Wordline liegt (zu Worldline wiederum gehört der frühere, ebenfalls französische Ingenico-Konzern, der sein Deutschland-Geschäft in das Joint Venture mit den Sparkassen eingebracht hatte. Siehe auch -> Warum die Sparkassen beim Ingenico-Deal die Gelackmeierten sind).

Ob die Versilberung der Aktien eine Reaktion auf die Corona-Krise war oder schon im Zuge der Bildung der Payone GmbH beschlossen wurde, ist unklar. Eine Unternehmenssprecherin wollte sich hierzu auf Nachfrage nicht äußern. Wirtschaftlich lohnend dürfte der Verkauf allemal gewesen sein. Denn: Es ist auf Basis der Abschüsse zwar nicht ersichtlich, zu welchem Preis die Visa-Anteile exakt abgestoßen wurden. Allerdings hatten der Aktienkurs des US-Konzerns 2020 nach jahrelanger Hausse ein durchweg hohes Niveau erreicht – wodurch es der Payone GmbH möglich wurde, die Anteile offenbar deutlich über Buchwert zu verkaufen und den beschriebenen Einmalertrag einzustreichen.

Das operative Geschäft entwickelte sich im ersten Corona-Jahr dagegen enttäuschend. So brachen die Provisionserträge (also die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle des Unternehmens) von vormals 510 Mio. auf nur mehr 409 Mio. Euro ein. Auch Payone sei 2020 “von der Covid-19-Pandemie hart getroffen wurde”, notiert dementsprechend der Jahresabschluss. “Ganze Branchen sind von heute auf morgen weggebrochen. Die Reiseindustrie, Hotellerie, Restaurants, Einzelhandel und alle Veranstalter mussten sich stark einschränken oder gar schließen.” Ein Lichtblick, immerhin: Das Transaktions-Aufkommen mit der Girocard stieg um 27,3%. Allerdings konnten diese oft kleinvolumigen Umsätze den Wegfall des großvolumigen Geschäfts etwa in der Reiseindustrie nicht kompensieren.

Dass der Gewinn trotz des Umsatzeinbruchs sogar anstieg, erklärt sich abgesehen von dem Visa-Deal auch dadurch, dass es Payone gelang, parallel zum Rückgang der Provisionserträge auch den Provisionsaufwand signifikant zurückzufahren. Dieser sanken von 296 Mio. auf 237 Mio. Euro.

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