Kurz gebloggt

Sechs Anmerkungen zur surrealen 750-Mio.-Spritze für SumUp

17. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Das deutsch-britische Payment-Startup SumUp (das sind die mit den Mini-Terminals …) erhält von Investoren unglaubliche 750 Mio. Euro. Es ist die mit Abstand größte Finanzierung für ein deutsches oder zumindest aus Deutschland heraus gegründetes Fintech bislang. Eine Einordnung:

  1. Die Investoren, allen voran Bain Capital und Goldman Sachs, sind bereit, aus SumUp einer der größten Wetten überhaupt im europäischen Fintech-Markt zu machen. Angesichts von offiziell kommunizierten drei Millionen aktiven (aktiven!!!) Business-Kunden erscheint dieser Wagemut begründet, auch wenn die Struktur, die Bilanzierung und das Geschäftsmodell von SumUp bekanntermaßen Fragen aufwerfen (siehe hier, hier und hier).
  2. Die 750 Mio. Euro sind kein Equity, sondern Debt. Das ist nicht per se besser oder schlechter. Aber es ist ein Unterschied.
  3. Das gilt auch insofern, also ein Teil des Geldes erklärtermaßen für die „Refinanzierung bestehender Kredite“ verwendet werden soll – womit in erster Linie das 330-Mio-Euro-Darlehen teils derselben Investoren aus dem Juli 2019 gemeint sein dürfte. Es ist mithin …
  4. … eben nicht so, dass SumUp jetzt einfach mal über 750 Mio. Euro freie Liquidität verfügt. Sondern: Das 2012 in Berlin gegründete, mittlerweile von London aus operierende Payment-Startup kann sein Geld anders als andere Fintechs nicht einfach verbrennen – es muss es zurückführen
  5. Zwar liegt SumUp-Gründer Marc-Alexander Christ in der Theorie richtig, wenn er die gewählte Debt-Konstruktion gestern gegenüber „TechCrunch“ mit der eigenen Stärke begründet. Original-Zitat: „We have very stable cash flow, which allows us to take on debt.“ Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass SumUp trotz seines (angeblich) stabilen Cashflows im vergangenen Sommer gegen die Kreditbedingungen seiner Investoren verstoßen hat, wie Finanz-Szene.de enthüllte (siehe „SumUp gesteht schwere Umsatzeinbußen – und verletzt Kreditklauseln“). Mal sehen, wie der Mini-Terminal-Spezialist mit der nun höheren Schuldenlast zurechtkommt. Gleichwohl wollen es wir mit dem Relativieren auch nicht übertreiben, denn unterm Strich bleibt …
  6. … festzuhalten, dass die 750 Mio. Euro der schiere Wahnsinn und die Investoren – bzw. Investorenvertreter (Goldman Sachs, Temasek, Bain Capital Credit, Crestline, Oaktree Capital …) erlesen sind. Und wie heißt es doch gleich in der Pressemitteilung: „SumUp wird die Investition nutzen, um sein Wachstum zu beschleunigen und neue Händler zu akquirieren […] Die neuen Finanzmittel verwendet SumUp zudem für den weiteren Ausbau der Produktpalette, sowohl organisch als auch durch Akquisitionen […] Im kommenden Jahr will SumUp sein über 2000 Mitarbeiter starkes Team mit den besten Talenten der Welt in den 19 internationalen Büros auf drei Kontinenten erweitern. In Europa, den USA und Brasilien hat sich SumUp bereits einen Namen gemacht, wird aber langfristig auch nach Asien expandieren. In Europa ist SumUp zudem nun auch in Rumänien gestartet und erweitert damit die Präsenz auf insgesamt 29 europäische Märkte. Darüber hinaus hat SumUp die kompletten Anteile des bisherigen Joint Ventures mit der chilenischen BancoEstado übernommen […] Ein weiterer enorm wichtiger Schritt für SumUp ist die Markteinführung in Kolumbien …

… und so weiter und so weiter. Ist ja nicht so, als wäre das nicht alles auch ziemlich beeindruckend. Topp, die Wette gilt!

Erstmals überhaupt entschlüsselt: Das Geschäftsmodell von SumUp

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