Kurz gebloggt

Sparkassen planen revolvierende Kreditkarte – aber pssst …

14. Dezember 2021

Von Christian Kirchner

Dass die Sparkassen ihren Namen über eine englischsprachige Pressemitteilung setzen, aber kein entsprechendes Statement in deutscher Sprache verschicken – das dürfte ein Novum sein. Ob es an entsprechenden Übersetzungskapazitäten gefehlt hat? Eher unwahrscheinlich. Plausibler erscheint folgende Mutmaßung: Die Sparkassen wollten eigentlich gar keine Mitteilung versenden, haben ihrem Geschäftspartner zuliebe dann aber zumindest eine englische Fassung mitgetragen. (Ergänzung/Korrektur: Die Pressemitteilung gibt es auch auf Deutsch auf der Seite der SIA hier)

Der Geschäftspartner? Heißt in diesem Fall SIA, ein italienischer Payment-Processor. Und die Mitteilung? War gestern wie folgt überschrieben (Versalien im Original; Anm. der Redaktion):

„S-KREDITPARTNER CHOOSES SIA TO LAUNCH NEW PAYMENT CARD IN GERMANY.“

Die S-Kreditpartner, muss man dazu wissen, ist ein sparkassen-eigener Anbieter von Konsumentenfinanzierungen. Ende Oktober sorgte das ansonsten unscheinbare Unternehmen schon einmal für Aufmerksamkeit. Da nämlich launchte die S-Kreditpartner den „Expresskredit“, einen Sofortkredit, den Sparkassen-Kunden in Zukunft direkt am „Point of Sale“ beantragen sollen, um ad-hoc auch größere Anschaffungen tätigen zu können. „Mit dem Expresskredit bieten die teilnehmenden Sparkassen ab sofort ein Produkt im weltweit boomenden Markt für Buy-Now- Pay-Later-Finanzierungen an“, jubelte die „Sparkassen-Zeitung“.

Und nun also eine „neue Bezahlkarte“?

Ja, genau. Klingt erst mal abgestanden. Gewinnt aber eine gewisse Brisanz dadurch, dass es sich laut der Pressemitteilung um eine „revolvierende Kreditkarte“ mit entsprechender Kredit-Funktion handelt. Sprich: Es geht um jene Art von Kreditkarte, mit der die Verbraucher tatsächlich Schulden machen sollen. Ein lukratives Geschäftsmodell, wie reine Kreditkartenspezialisten wie die Advanzia Bank zeigen (-> „Mythos“ Advanzia Bank: So gehen 37% Eigenkapitalrendite). Insofern darf man in dem „FlexiGeld Card“ genannten Produkt durchaus ein Pendant zum kürzlich gelaunchten „Expresskredit“ sehen. Es geht weniger um die Zahlungsfunktion, als um die Kreditfunktion.

Das Konto bei der Sparkasse, die Karte von Advanzia

Dass die Sparkassen in diesem Bereich eher dürftig aufgestellt sind, zeigen Aussagen des in der Pressemitteilung zitierten S-Kreditpartner-Manager Jan Welsch. Der nämlich sagt, die „FlexiGeld Card“ werde „dazu beitragen, die Kunden im Sparkasse-Ökosystem zu halten“. Im Moment sei es nämlich so, dass viele Sparkassen-Kunden „die Kreditkarten von Wettbewerbern nutzen“.

Im Klartext: Viele Kunden da draußen haben zwar ihr Girokonto und ihre Girocard von der Sparkasse. Ihre Kreditkarte allerdings (also das Produkt, mit dem Geld verdient wird und das wächst) beziehen sie von den Advanzias, Barclaycards oder Hanseatic Banks dieser Welt.

Tatsächlich lässt sich auf Bundesbank-Daten ableiten, dass auf 43 Mio. Girokonten bei den Sparkassen nur 1,6 Mio. Kreditkarten mit Kreditfunktion entfallen. Das entspricht einem Verhältnis von 25:1. Bei den Privat- und Kreditbanken liegt die entsprechende Relation bei viel vorteilhafteren 9:1, zudem haben letztere rund ein Drittel Marktanteil, aber zwei Drittel des Netto-Wachstums in den letzten fünf Jahren an Karten mit Kreditfunktion abgeschöpft. Klar, der Vergleich hinkt ein wenig, weil unter den Privat- und Kreditbanken auch die besagten Spezialinstitute eingruppiert werden, die oft gar kein Girokonto anbieten. Und doch zeigt die Gegenüberstellung, dass es bei den Sparkassen Aufholpotenzial gibt.

Warum die Sparkassen dann gestern keine deutsche Pressemitteilung verschickt haben und die S-Kreditpartner auch auf Nachfrage keinerlei weiteren Auskünfte gab?

Schwer zu sagen. Vielleicht, weil Kreditkarten mit Kreditfunktion wegen der oftmals hohen Zinsen kein Thema sind, über das Banken sonderlich gerne reden. Vielleicht auch, weil der Launch erst für 2023 geplant ist, es für eine allzu offensive Kommunikation also noch zu früh sein könnte. Vielleicht aber auch, damit Journalisten aus der "NEW PAYMENT CARD"-Meldung keine allzu offensiven Schlüsse ziehen. Denn: 2023 ist ja auch das Jahr, in dem Mastercard die Maestro-Karte auslaufen lässt. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, die Sparkassen könnten das Maestro-Aus als willkommenes Vertriebsargument für ihre neue Kreditkarte verwenden.

Mastercard schafft Maestro Mitte 2023 ab – in ganz Europa

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