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Von „PaaS“ bis Identity: Wie Payment-Player ihr Geschäftsmodell erneuern

18. November 2021

Von Reinhard Höll*, Marc Niederkorn und Birgit Teschke

Zweifellos war 2020 auf vielen Ebenen ein turbulentes Jahr. Der Zahlungsverkehr bildete keine Ausnahme – der Sektor erlebte den ersten Ertragsrückgang seit elf Jahren. Die weltweiten Payment-Erträge beliefen sich auf 1,7 Billionen Euro, was einem coronabedingten Rückgang von 4% gegenüber 2019 entspricht. Doch insgesamt erwies sich der Sektor als widerstandsfähig gegenüber drastischen wirtschaftlichen Veränderungen, selbst als weite Teile der Volkswirtschaft im Jahr 2020 stillstanden.

Mit der Rückkehr zu globalem Wirtschaftswachstum und einer weiteren Reduktion der Bargeldnutzung gehen wir davon aus, dass die Erträge im weltweiten Zahlungsverkehr schnell wieder auf ihren langfristigen Wachstumspfad von 6-7% zurückkehren und bis 2025 rund 2,2 Billionen Euro erreichen werden.

Die anhaltende niedrige Zinsmarge als bisher wichtiger Ertragsträger wird für die Payment-Player einen größeren Anreiz schaffen, neue gebührengestützte Einnahmequellen zu erschließen und über ihren traditionellen Schwerpunkt hinaus in angrenzende Bereiche wie beispielsweise Identitätsdienste zu expandieren. In ähnlicher Weise erhalten Payment-Anbieter mit der zunehmenden Integration des Zahlungsverkehrs in den kommerziellen und privaten Handel mehr Zugang zu angrenzenden Geschäftsfeldern, die genauso groß sind wie der Kernbereich ihrer Erträge. Eine Chance dieser Größenordnung erregt natürlich Aufmerksamkeit. Technologieunternehmen und Wettbewerber aus dem Ökosystem konzentrieren sich bereits auf diese attraktiven (und oft weniger regulierten) Elemente der Payment-Wertschöpfungskette.

Die Pandemie half dem digitalem, kontaktlosem Bezahlen

Die Pandemie hat 2020 wichtige Dynamiken im Zahlungsverhalten verstärkt: die rückläufige Bargeldnutzung (weltweit -16%), die Verlagerung von stationärem Handel zu Online-Handel, den Anstieg der bargeldlosen Transaktionen (+6% gegenüber dem Vorjahr) und die stärkere Verbreitung von „Buy Now, Pay Later“- Zahlungen.

Insbesondere die Nutzung digitaler Zahlverfahren stieg sprunghaft an, da sich Verbrauchertrends zu kontaktlosen und digitalen Zahlungsmethoden weiterentwickelten. Nehmen wir zum Beispiel Australien, einen Vorreiter bei der Einführung von „Tap to Pay“: Hier stiegen die Transaktionen mit digitalen Wallets von März 2020 bis März 2021 um 90% an – zu diesem Zeitpunkt wurden somit bereits 40% des kombinierten kontaktlosen Debit-/Kreditvolumens über digitale Wallets abgewickelt. Ähnlich spielen Echtzeit-Zahlungen eine immer wichtigere Rolle: Die Zahl solcher Transaktionen ist allein im Jahr 2020 um 41% gestiegen, oft zur Unterstützung von kontaktlosen Geldbörsen und E-Commerce-Zahlungen.

Die Pandemie hat Unternehmen dazu veranlasst, ihre Zahlungsvorgänge und Kundeninteraktionen zu überdenken. Unternehmen sind sich der ihnen zur Verfügung stehenden Payment-Lösungen zunehmend bewusst und motiviert, die Nutzung der Lösungen zu fördern, die ihren Bedürfnissen (und denen ihrer Kunden) am besten entsprechen. So konkurrieren Zahlungsanbieter um maßgeschneiderte Lösungen wie QR-Codes, „Tap-to-Pay“ und linkbasierte Zahlungen (die von Händlern über eine URL initiiert werden), die das Zahlungserlebnis nahtlos, angenehm und zunehmend kontaktlos machen. Die Vereinfachung des Onboarding-Prozesses für Händler kann auch dazu beitragen, mehr Händler zu akquirieren, Kosten zu senken und die Händlererfahrung zu verbessern.

Neue Geschäftsmodelle bieten große Chancen

Alte Grundsätze haben nach wie vor Gültigkeit, die Kundenbeziehung bleibt weiter wichtig. Doch für einen langfristigen Erfolg wird die Integration des Zahlungsverkehrs in die gesamte Kauf- und Zahlungsabwicklung zwischen Unternehmen und Kunden immer zentraler. Dies erfordert ein breiteres Ökosystem mit neuen und robusten Dienstleistungen. Sprich: Für viele Payment-Player bieten sich erweiterte und zum Teil neue Geschäftsmodelle an:

  • Weiterentwicklung vom Zahlungsverkehr in Richtung bankennahe Software, Infrastruktur und Dienstleistungen: Der größte Anteil der Payment-Erträge fällt weiter an den Endpunkten der Wertschöpfungskette an, bei der direkten Interaktion zwischen Zahlern und Zahlungsempfängern. Es bieten sich viele Möglichkeiten im sich schnell entwickelnden Payment-as-a-Service-Bereich. Die meisten bisherigen Beispiele konzentrieren sich auf verbraucherorientierte Lösungen, aber auch auf der B2B-Seite gibt es noch Potenzial.
  • Stärkere Vernetzung von Handel, Vertrieb und Trade Enablement: Neue Wettbewerber schöpfen ihren Ertrag oft aus neuen Dienstleistungen wie Händlerfinanzierung oder Gateway und drücken zugleich die Gebühren im Payment. Payment-Anbieter können Händlern helfen, zum Beispiel mit Datenanalysen oder besserer Verlinkung mit Warenwirtschaftssystemen. Lösungen, die sich auf die Automatisierung des Onboarding-Prozesses, die Erhöhung der Kundenbindung und die Verbesserung der Verkäufererfahrung konzentrieren, dürften einen großen Markt finden. Beispiele hierfür sind Affiliate-Marketing, Loyalitätslösungen, E-Invoicing-Plattformen und B2B-Handelsverzeichnisse.
  • Verknüpfung von Bezahlen und Finanzieren: Neue Methoden, zum Beispiel basierend auf Instant Payment oder „BNPL“-Methoden, werden eingeführt oder neue Technologien in bestehende Angebote integriert. Finanzierungs- und Einlagenmodelle mit erheblichen regulatorischen Anforderungen oder höheren Risikoprofilen gehören zu den vielversprechenden Feldern, bei denen Banken im Vorteil sind.

Der Payment-Sektor ist bereit für eine schnelle Rückkehr zu langfristigen Wachstumsraten von 6 bis 7 Prozent, mit vielen Möglichkeiten sowohl für etablierte als auch für neue Player. Neue Wachstumsfelder werden jedoch nicht für alle Unternehmen erreichbar sein: Player, die ihre Strategien nicht anpassen, werden wahrscheinlich ein Wachstum unter ihrem Niveau hinnehmen müssen und riskieren, verdrängt zu werden.


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