Rückblick (#4)

Was während unserer Pause in der Payment-Branche passiert ist

4. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Die EZB hat im Juli den Deloitte-Bericht zu den Problemen beim europäischen Zahlungsabwicklungs-System Target2 veröffentlicht (zur Erinnerung: Finanz-Szene hatte die IT-Mängel aufgedeckt, siehe u.a. unsere Exklusiv-Artikel -> Komplettausfall im Target2-System. Gesamter Zahlungsverkehr betroffen aus dem vergangenen Oktober sowie -> Auftragsstopp! Der Knatsch beim EZB-Großprojekt Target2 aus dem März …). Laut dem Report ist es 2020 zu insgesamt fünf IT-bedingte Störungen gekommen. Deloitte hat aus den Fehlern 18 Empfehlungen abgeleitet, von denen erste bereits in der Umsatzung sind bzw. waren. So soll zum Beispiel eine „zweite Verteidigungslinie“ beim Schutz der Systeme helfen. Auffällig: In dem Bericht sind zahlreiche Stellen geschwärzt – einschließlich derer, wo es um die sogenannte „arbeitende Seite“ geht. Gemeint ist: die Bundesbank. Original-Bericht (PDF), BÖZ (Paywall)

Nein, Stocard ist dann doch nicht die ganz, ganz große deutsche Fintech-Geschichte. Aber: eine ziemlich große! Das Mannheimer Kundenkarten-Startup hat sich nämlich für kolportierte rund 110 Mio. Euro an den schwedischen Payment-Riesen Klarna verkauft, siehe die Berichterstattung unserer Kollegen von Finance Forward (die Klarna-Strategie hatten wir vor einiger Zeit übrigens mal detailliert aufgedröselt; der Stocard-Kauf passt perfekt ins damals skizzierte Schema). Stocard war nach eigenen Angaben zuletzt auf 60 Mio. Nutzer gekommen. Macht bescheidene knapp 2 Euro Kaufpreis pro User. Womit indirekt erklärt ist, warum es bei Stocard für die ganz, ganz große Stand-alone-Unicorn-Geschichte dann doch nicht ganz gereicht hat: Bei der Monetarisierung dieser gigantischen Nutzerbasis hat es offenbar gehapert. Klarna dürfte da über ganz andere Möglichkeiten verfügen.

Und noch zwei Klarna-Zukäufe (allerdings ausnahmsweise mal nicht in Deutschland): Zum einen haben die Schweden ein Unternehmen namens APPRL gekauft, einen Spezialist für Influencer-Marketing; und zum zweiten das sogenannte „Social Commerce“-Startup Hero.

In der drittletzten Ausgabe vor unserer Sommerpause hatten wir Ihnen ja exklusiv erzählt, dass die Sparkassen mit der „Online-Girocard via Apple Pay“ starten wollen. Während unserer kam dann die Bestätigung – und noch ein interessantes Detail wurde enthüllt: Die Absicherung der Zahlungen übernimmt das zur Finleap-Gruppe gehörende Berliner Insurtech Element. War uns gar nicht bewusst, dass die so was machen …

Und noch eine Übernahme da draußen, und zwar eine fette: Visa schlägt wieder mal zu, will Berichten zufolge für 700 Mio. Pfund die britische API-Payment-Plattform Currencycloud übernehmen.

Der Otto-Konzern baut seine Uralt-Kooperation mit dem (mittlerweile zur dänischen Nets-Gruppe) gehörenden Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis aus. Konkret: Concardis soll künftig auch das Acquiring für den (neuen) Marktplatz von Otto übernehmen.

Die Deutsche Bank baut ihre Payment-Showcase-Kooperation mit Eintracht Frankfurt aus. Neuester Schnack: eine Bezahllösung namens „Mainpay“, basierend auf einer virtuellen Debitkarte von Mastercard und (den Angaben zufolge) weltweit einsetzbar an allen NFC-Terminals.

Kurz-Rückblick

Der US-Payment-Anbieter Square (der zuletzt ja auch mit der Übernahme des australischen „Buy now, pay later“-Spezialisten Afterpay für Aufsehen sorgte) bietet unter dem Label „Square Banking“ nun auch ein eigenes Bankkonto an +++ Paypals Rabatt-Portal Honey plant die Expansion nach Europa (Finance Fwd) +++ Und nochmal Paypal: Die Amerikaner schaffen ihr beliebtes Feature „MoneyPool“ ab (Chip)

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