von Jana Schneider*, 27. Januar 2026
Der Digitale Euro ist längst keine ferne Vision mehr – er wird zunehmend zu einem konkreten Projekt. Die Vorbereitungsphase des Eurosystems ist abgeschlossen und zentrale Architekturprinzipien wurden definiert: Intermediationsmodell, Wallet-Struktur, Online- und Offline-Zahlungen sowie Limits. Das Projekt geht somit in die nächste Phase über.
Laut aktuellem Projektplan der EZB könnte …
Wichtig: Bei Einführung des Digitalen Euro geht es nicht darum, Bargeld zu ersetzen – er soll es ergänzen. Die Motivation dahinter ist nicht nur technischer Fortschritt, sondern auch strategisch: Mit digitalem Zentralbankgeld soll der Zahlungsverkehr im Euroraum vereinheitlicht, interoperabler, effizienter und unabhängiger von außereuropäischen Zahlungssystemen gemacht werden.
Für Banken bedeutet das aber vor allem: Die Zeit des „Abwartens“ ist vorbei. Während die öffentliche Debatte noch von Datenschutz, politischer Sinnfrage und Bargeldersatz geprägt ist, geht es für Banken längst um etwas anderes:
Wie integrieren wir den Digitalen Euro in unsere Systeme, unser Geschäftsmodell und unser Kundenerlebnis?
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Der Digitale Euro bietet Banken und dem Finanzsystem mehrere Vorteile:
Trotz der Potenziale ist der Digitale Euro kein Selbstläufer. Banken stehen vor großen Herausforderungen.
1. Neue Rolle im Zahlungsverkehr
Der Digitale Euro wird über Intermediäre wie Banken und Payment-Dienstleister an Endnutzer ausgegeben. Das bewahrt zwar das Einlagenmodell, verändert aber die Rolle der Banken: Sie werden Wallet-Provider, Identitäts-Verwalter und Integrationspartner im digitalen Zentralbankgeld-Ökosystem.
2. Technische Integrationslast liegt bei den Instituten
Banken müssen:
Gerade Institute mit historisch gewachsenen Kernbanksystemen stehen hier vor komplexen Modernisierungsschritten. Daher muss zunächst geklärt werden, ob das aktuelle System überhaupt entsprechend ausgebaut werden kann, entweder durch einen selbst oder durch einen technischen Partner, und wie zukunftsfähig es ist – Stichwort Interoperabilität mit anderen digitalen Währungen.
3. Wettbewerbsdruck steigt – von Fintechs und großen Plattformen
Wenn künftig auch Nichtbanken digitale Euro-Wallets anbieten, verschieben sich Kundenschnittstellen. Banken, die sich auf „Pflichtprogramm-Bereitstellung“ beschränken, riskieren Relevanzverlust. Die Kundenschnittstelle wird zum entscheidenden Differenzierungsfaktor.
4. Umsatzmodelle im Zahlungsverkehr geraten unter Druck
Der Digitale Euro wird Gebührenmodelle im Kartengeschäft, Cross-Border-Zahlungen oder Wallet-Ökosystemen verändern. Banken, die heute stark von Kartenumsätzen oder Acquiring profitieren, müssen ihre Erlösmodelle diversifizieren.
Selbst wenn der Digitale Euro noch nicht endgültig beschlossen ist und noch Unsicherheit über regulatorische Rahmenbedingungen und rechtlichen Status besteht, müssen Banken im Jahr 2026 aktiv werden.
1. Digitale-Euro-Roadmap definieren
Strategischer Anspruch, Zielbild, technische Zielarchitektur, Integrationspunkte, Compliance-Framework, Governance. Wer heute strukturiert plant, vermeidet spätere Ad-hoc-Projekte.
2. Wallet-Kompetenz aufbauen
Nicht als „Feature“, sondern als Produkt:
3. Technische Modernisierung priorisieren
Legacy-Systeme bleiben eine der größten Hürden. Institute sollten früh klären:
4. Datenschutz & Vertrauen als USP nutzen
Gerade im deutschen Markt ist Vertrauen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Banken können hier punkten – mit klaren Datenschutzversprechen, Transparenz über Transaktionsflüsse und sicheren Offline-Zahlungsoptionen.
Entscheidend ist dabei, dass die EZB keine detaillierten Informationen darüber erhält, wo und wofür einzelne Kunden ihre digitalen Euro ausgeben. Die Kontrolle über Kundendaten soll bei den Zahlungsdienstleistern verbleiben.
5. Neue Services entwickeln statt Mindeststandard erfüllen
Potenziale liegen insbesondere in der Entwicklung innovativer Lösungen. Dazu zählen Merchant-Services rund um digitale Euro-Payments, die nahtlose Integration für Firmenkunden sowie die Bereitstellung von Multichannel-Wallet-Lösungen. Ergänzend eröffnet API-basierte Wertschöpfung neue Möglichkeiten, um zusätzliche Services und Geschäftsmodelle zu schaffen.
Banken, die sich lediglich auf ein „Minimalprodukt“ beschränken, laufen Gefahr, attraktive Innovationsfelder, z.B. wie Mehrwertdienste in Wallets oder neue Bezahl- und Abonnementmodelle, anderen Marktteilnehmern zu überlassen und dadurch Kunden zu verlieren.
Der Digitale Euro wird den Zahlungsverkehr nicht über Nacht verändern – aber er wird strukturelle Verschiebungen auslösen. Nicht die Technologie selbst ist der Treiber, sondern die veränderte Rollenverteilung im Zahlungsökosystem.
Wer als Bank frühzeitig investiert, Standards mitgestaltet und ein überzeugendes Wallet-Erlebnis schafft, wird profitieren. Wer abwartet, riskiert, dass Fintechs oder BigTechs die Kundenschnittstelle übernehmen.
Der Digitale Euro ist weniger ein technisches Projekt, sondern ein strategischer Wendepunkt im Zahlungsverkehr – und für Banken eine Chance, ihre Relevanz langfristig zu sichern.
*Jana Schneider ist Managerin bei der auf Payment spezialisierten Unternehmensberatung Gravning. Gravning gehört zu den Content-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zu unserem Partner-Modell erfahren Sie hier.
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