von B. Neubacher, C. Kirchner, H.-R. Dohms und G. Hädicke, 28. Februar 2026
In unserem Payment-Ticker finden Sie die Neuigkeiten rund um Zahlungsdienstleister, das Kartengeschäft der deutschen Banken und neue Geschäftsmodelle wie „Buy now, pay later“.
Hier der Ticker für Februar 2026:
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Die Themen diesmal:
#1: Was genau macht eigentlich Stripe? Und warum wird Stripe von Investoren dreimal so hoch bewertet wie Paypal?
#2: Eine Übernahme Paypals durch Stripe hätte durchaus eine industrielle Logik – andere Szenarien erscheinen aber deutlich plausibler
#3: Die Comdirect, die DKB, die Sparkassen, die Volksbanken – plötzlich wollen alle wie Trade Republic sein
#4: Ähnlich wie damals bei Apple Pay wirken die Sparkassen auch diesmal entscheidungsfreudiger als die Genossen
#5: Wenn der Genosektor eine Trading-App launchen will, dann stellt sich (Union Investment …) auch das ETF-Thema wieder
#6: Liegt es auch am mäandernden KI-Narrativ, dass sich die Deutsche Bank bei der Suche nach einem neuen IT-Vorstand so viel Zeit lässt?
#7: Warum geht die Commerzbank-Aktie diese Woche so ab? Nein, wir wollen nicht raunen!!! (… und tun es dann doch)
Hier entlang: Finanz-Szene (frei zugänglich)
*Der Themenblock zu Paypal beginnt ab Minute 18
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… heute monothematisch zum großen Aufreger-Thema des Monats, nämlich dem (angeblichen) Interesse von Stripe an einer Übernahme von Paypal:
… dass die Paypal-Aktie (die zuletzt um mehr als 85% unter ihrem Höchststand aus dem Juli 2021 notierte) am Montag, den 23. Februar einen ziemlich heißen Ritt hingelegt hat und zeitweise sogar vom Handel ausgesetzt wurde? Hintergrund war eine „Bloomberg“-Meldung (Paywall), wonach der Online-Bezahldienst angeblich das Interesse möglicher Kaufkandidaten auf sich gezogen hat. Um wen es sich dabei handelt, blieb allerdings offen – so wie sich die ganze Sache überhaupt in einem noch „frühen Stadium“ befinde, wie es heißt. Am frühen Abend deutscher Zeit lag die Aktie um 7% über dem Schlusskurs vom Freitag.
Die Girocard-Zahlen der Sparkassen zeigen einmal mehr, dass die Girocard da, wo sie das „Top of Wallet“-Produkt ist, tatsächlich weiterhin wächst. So stieg die Zahl der Transaktionen mit der Sparkassen-Card im vergangenen Jahr um fast 9% auf 4,6 Mrd. Stück (verglichen mit einem Plus von lediglich 5% über alle Banken hinweg), während die Umsätze bei den Sparkassen um knapp 4% auf 161 Mrd. Euro zulegten (verglichen mit einer Stagnation über alle Banken hinweg). Oder anders gesagt: Das ausgewiesene Transaktions-Wachstum der Girocard wird rechnerisch inzwischen vollständig von den Sparkassen getragen.
Als die österreichische Bawag im Juli 2024 mitteilte, das deutsche Retailgeschäft von Barclays (also im Kern die einstige „Barclaycard“) zu übernehmen, da wurde Finanzchef Enver Sirucic natürlich auch nach dem Kaufpreis gefragt. Seine etwas kryptische Antwort damals: „Es gibt keinen klaren Kaufpreis, wir übernehmen alle Verbindlichkeiten und alle Vermögenswerte.“ Was Sirucic damit zum Ausdruck bringen wollte (so jedenfalls unsere Vermutung): Wir sagen nix! Denn: Irgendeine Art von Kaufpreis gibt es natürlich bei jedem M&A-Deal, auch wenn die beteiligten Parteien ihn bei solchen Transaktionen im Zweifel lieber für sich behalten. Jedenfalls, und damit nun zur News des heutigen Morgens: Auch auf dem Barclays/Bawag-Deal pappte selbstverständlich ein Preiszettel. Und wir kennen ihn: FS Premium
Ab jetzt gilt’s – was das Commitment der Commerzbank für Wero bedeutet
Nein, das wird nichts mehr. Fast vier Jahre lang (also seit dem Rückzug aus EPI im Januar 2022) war das die natürlich nicht offizielle, aber hinter den Kulissen doch recht deutlich vorgetragene Position der Commerzbank zur europäischen Bezahlinitiative. Erst in den letzten Monaten begann sich die Tonlage zu ändern. Nämlich in dem Sinne, dass Commerzbanker plötzlich im Off so redeten („Wir beobachten die Entwicklung mit Interesse“), wie sie es bis dahin lediglich im On getan hatten. So gesehen kommt es also nur bedingt überraschend, dass Coba-Chefin Bettina Orlopp am im Februar den verspäteten Einstieg bei Wero angekündigt hat (erst einmal nur in der Anwender-Rolle, auf Sicht möglicherweise auch als Shareholder). Die Frage nach den Motiven aber stellt sich natürlich trotzdem. Hier entlang: FS Premium
Erstmals >8 Mrd. Transaktionen – aber sind die neuen Girocard-Zahlen gut?
Die VR Payment – also die Acquiring-Tochter der DZ Bank – hat beim Umsatz die 200-Mio.-Euro-Schwelle geknackt. Im Geschäftsjahr 2024 (die entsprechenden Zahlen wurden erst kürzlich veröffentlicht) summierten sich die Erträge der Frankfurter auf 223 Mio. Euro, verglichen mit dem Vorjahr ein Zugewinn um rund ein Fünftel. Dabei beliefen sich allein die Provisionserträge auf 180 Mio. Euro (+21%). Der Vorstand führte das auf ein „gestiegenes Händlervolumen im Acquiring“, einen „Anstieg der Transaktionsmengen im Netzbetrieb“ sowie eine „gestiegene Anzahl verarbeiteter Kreditkarten“ zurück. Das kräftige Wachstum überrascht insofern, als sich VR Payment mit mächtiger Konkurrenz durch digitale Challenger wie SumUp, Flatpay oder Adyen messen muss … hier weiterlesen: FS Premium
Kein Bargeld ist auch keine Lösung – ein paar Takes zur „Cashless Society“: Die Bargeldnutzung in Deutschland sinkt dramatisch – doch ist eine „Cashless Society“ wirklich so erstrebenswert? Blackouts wie in Berlin und Spanien zeigen schonungslos, wie angreifbar digitale Zahlungssysteme sind. Bargeld sichert Resilienz in Krisenzeiten und ermöglicht soziale Teilhabe für vulnerable Gruppen. Zudem bleibt es für Händler das günstigste Zahlungsmittel. Ein Blick auf die Vorteile des Bargelds, die in der Diskussion oft zu kurz kommen – und auf jene Lösungen, mit denen die Finanzbranche für Verbraucher echte Wahlfreiheit beim Bezahlen schaffen kann: Finanz-Szene (frei zugänglich)
Dürre Erträge, hoher Verlust – Ratepay verharrt im Restrukturierungs-Modus
Das Multibanking-Prinzip verliert nicht nur bei Lese-Kontozugriffen durch Drittparteien an Bedeutung (siehe unser gestriger Scoop) – sondern auch bei der Zahlungsauslösung. So gibt die Bundesbank die Anzahl der von entsprechenden Drittdiensten initiierten Überweisungen für das erste Halbjahr 2025 mit 80,7 Millionen Stück an – ein Rückgang sowohl gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 (82,5 Millionen) als auch gegenüber Juli bis Dezember 2024 (84,3 Millionen). Dabei war das Niveau auch schon vorher überschaubar. So machten die Zahlungsauslösungen durch Drittanbieter zuletzt gerade mal 2,1% aller Überweisungen aus. Alles in allem sind in der Bundesbank-Statistik auch nur 31 Zahlungsauslöse-Dienstleister insgesamt registriert.
Fotoüberweisungs-Fintech Gini gelingt der Exit – auch Commerzbank profitiert
Das im letzten Sommer angekündigte Bündnis zwischen der European Payments Initiative (also dem Betreiber von Wero) und der European Payments Alliance (einem Zusammenschluss diverser nationaler Bezahlsysteme) ist perfekt. Nach Abschluss einer „erfolgreichen Machbarkeitsstudie“ unterzeichneten die Parteien ein „Memorandum“, wonach schon in den nächsten Monaten eine „länderübergreifende Interoperabilität“ zwischen den verschiedenen europäischen Bezahlsystemen erreicht werden soll. In einem ersten Schritt würden sich die Nutzer von Wero dann nicht mehr nur untereinander Geld schicken können, sondern genauso mit Kunden von Bancomat (Italien), SIBS (Portugal), Bizum (Spanien) und Vipps (Norwegen) – und zwar noch in diesem Jahr. Ab kommendem Jahr soll die gleiche „Interoperabilität“ im E-Commerce sowie im stationären Handel gelten. Sprich, ein Wero-Kunde könnte dann im Italien-Urlaub in einem Laden bezahlen, der zum Akzeptanznetzwerk von Bancomat gehört. Ehrlicherweise: Der Zeitplan klingt reichlich ambitioniert.
Mastercard Deutschland wechselt seinen Deutschland-Chef aus. Wie der Kreditkarten-Konzern bekannt gab, zieht der bisherige hiesige Country Manager Peter Robejsek weiter ins Asien-Geschäft nach Singapur. Sein Nachfolger in Frankfurt wird Nikolaus Trzeschan, der zuletzt das Produktmanagement für den DACH-Raum verantwortete. Trzeschan war 2019 vom Lufthansa-Loyaltyprogramm „Miles & More“ gekommen und hatte bei Mastercard zunächst im Beratungsbereich Finanzdienstleister und deren IT-Partner betreut. Für Trzeschan wiederum hat Mastercard intern ebenfalls bereits einen Nachfolger gefunden: Seit neuestem firmiert der bisherige „Director Account Management“ Jan von Ketelhodt als Leiter des Bereichs „Product & Solutions“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er war 2020 vom Acquirer Concardis (mittlerweile Nexi) in die Frankfurter Dependance des US-Konzerns gewechselt.
Bei der Solarisbank gehen die Personalrochaden auf Managementebene weiter. Wie ein Sprecher Finanz-Szene bestätigt, hat Finanzchef Konstantin Kavvadias das Fintech kürzlich verlassen und ist nur noch in beratender Funktion für die Berliner tätig. Die Demission hatte sich abgezeichnet (siehe unsere Recherche aus dem Oktober) und wurde zum Jahreswechsel dann offenbar in einem Abwasch mit den Abgängen von CEO Carsten Höltkemeyer und CRO Ansgar Finken vollzogen. Wer Kavvadias auf der CFO-Position nachfolgt, ist noch nicht bekannt – ein Solaris-Sprecher erklärte lediglich, dass „in naher Zukunft“ eine Verstärkung des Management-Teams geplant sei. Wie aus Registereinträgen hervorgeht, hat vorerst der „Director of Finance“ Eugen Wollfarth Prokura erhalten.
Sämtliche Payment-News aus Dezember 2025 und Januar 2026
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