von C. Kirchner, B. Neubacher und H.-R. Dohms, 31. März 2026
In unserem Großbanken-Ticker verfolgen wir, was bei Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank los ist – und widmen uns auch den tendenziell im CIB-Geschäft tätigen großen Auslandsbanken.
Hier der Ticker für März 2026:
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Falls am 16. März europäische Bankengeschichte geschrieben worden sein sollte – dann auf skurrile Art und Weise. Da war der morgendliche Analysten-Call, bei dem Unicredit-Chef Andrea Orcel phasenweise klang, als würde er mit einer am Mund gehaltenen Muschel eines Analogtelefons telefonieren (und dabei im Badezimmer von Manfred Knof sitzen). Da war das herrliche Paradoxon, dass die Italiener einerseits ein Angebot zur Vollübernahme abgaben – aber andererseits betonten, das Angebot sei so unattraktiv, dass kaum jemand es annehmen werde. Und dann war da noch die verwirrende Penetranz, mit der die Unicredit in ihrer Pressemitteilung gleich dreimal betonte, sie gehe keineswegs davon aus, irgendeine Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen. In der Überschrift („No expectation to achieve control“). Im dritten Satz („It is expected that UniCredit will achieve a stake in Commerzbank in excess of 30% without reaching control“). Und dann auch noch mal am Ende („If as expected UniCredit remains with no control in Commerzbank the financial impact on capital will be negligible“). Nun mag es ja so sein, dass uns Finanzjournalisten bisweilen eine gewisse Begriffsstutzigkeit anhaftet – als kognitive Hilfestellung war die mehrmalige Wiederholung im Pressestatement aber trotzdem nicht gedacht. Vielmehr scheint die Unicredit in einem (potenziell ziemlich teuren) Dilemma zu stecken. Einerseits läuft ihr Vorgehen fast zwingend darauf hinaus, in gleich mehrerer Hinsicht die Kontrolle über die Commerzbank zu gewinnen. Andererseits kann sie genau das nicht gebrauchen. Hier entlang: FS Premium
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Nach seinem unerwarteten Abgang bei der Deutschen Bank vor wenigen Wochen schlägt Ole Matthiessen bei Standard Chartered auf. Wie die Londoner Großbank mitteilt, hat sie den Manager als „Global Head, Transaction Services & Digital Assets“ verpflichtet. Matthiessen werde ein neu zusammengeführtes Team im Bereich Corporate & Investment Banking leiten, das aus Transaction Banking, Financing & Securities Services und Digital-Assets-Geschäft bestehe. Matthiessen war 18 Jahre in der Deutschen Bank tätig und erst im Januar zum Co-Chef der Corporate Bank aufgestiegen – entsprechend überraschend kam sein plötzlicher Abschied. Entscheidend war womöglich, dass die Deutsche Bank den seit Jahren in Singapur stationierten Manager für die neue Position nach Frankfurt zurückbeordern wollte. Die Position bei Standard Chartered ermöglicht es Matthiesen nun, weiterhin von Singapur aus zu arbeiten.
„Die Commerzbank kann sich dem Dialog mit der Unicredit nicht ewig verweigern“
… wie Bettina Orlopp vom Übernahmeangebot der Unicredit erfahren hat? „Ich saß im Auto auf dem Weg in die Bank. Da poppte eine kurze Nachricht von Andrea Orcel an mich hoch, wenige Minuten vor der offiziellen Ankündigung“, erzählt die Commerzbank-Chefin im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Paywall). Darin kritisiert Orlopp auch, dass Orcel in den letzten Wochen „das Narrativ“ gewechselt habe. „Bis heute sind wir im Unklaren, was Unicredit eigentlich will.“
Während die Übernahmeschlacht mit der Commerzbank in die vielleicht entscheidende Phase geht, setzt die Unicredit ihren Jobabbau in Deutschland unvermindert fort. Wie das „Manager Magazin“ (Paywall) berichtet, sollen in Deutschland (und größtenteils in München) rund 300 bis 400 IT-Stellen abgebaut und teilweise nach Rumänien verlagert werden. Ziel sei es, Kosten zu senken und die IT-Strukturen zu vereinheitlichen. Man wolle den Prozess sozial verantwortlich und in einem „engen und konstruktiven Austausch mit dem Betriebsrat“ organisieren, wird ein Sprecher zitiert. Schon in den letzten Jahren hatte die Unicredit in Deutschland tausende Jobs abgebaut. So wird die Zahl der Vollzeit-Äquivalente im dieser Tage veröffentlichten Geschäftsbericht der Hypo-Vereinsbank nur noch mit 8.421 angegeben. Vor fünf Jahren war in dem Abschluss noch von mehr als 12.000 Mitarbeitern (allerdings nicht „FTEs“) die Rede. Wenn wir den „Manager Magazin“-Bericht richtig verstehen, werden die betroffenen IT-Stellen allerdings nicht der HVB zugerechnet.
Deutsche Bank: Campelli wird Vize. Hoops wird Vorstand. Leukert-Nachfolge geklärt
Seit 18 Monaten wird mittlerweile um die Commerzbank gerungen, mit den immer gleichen Argumenten, in den immer gleichen Rollen. Und so wirkte, was da am gestrigen Montag zur Aufführung kam, beinahe wie ein folkloristisches Ritual. Unicredit-Chef Andrea Orcel gab wieder mal den abgezockten Investmentbanker, der mit dem Mund wirbt („Es ist jetzt an der Zeit zu reden“), während er mit der Faust droht. Das Finanzministerium stellte sich wieder mal auf die Seite der Angegriffenen („Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Commerzbank“), ohne den Angreifer wirklich zurückzuweisen. Sascha Uebel – also der Betriebsratsvorsitzende – inszenierte sich wieder mal als Mann fürs Grobe („geschäftsschädigend“, „feindlich“, „unverschämt“). Und die Commerzbank selbst? Sagte das, was sie seit 18 Monaten sagt. Nämlich eigentlich gar nichts („Die Kommunikation der Unicredit beinhaltet keine weiteren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer wertstiftenden Transaktion. Das wäre die notwendige Grundlage für etwaige Gespräche.“) Und jetzt??? Also, wie Sie ja mitbekommen haben, liebe Leserinnen und Leser, hat die Unicredit am Montagmorgen, kurz vor 8 Uhr, tatsächlich ein Übernahmeangebot für die Commerzbank abgegeben. Wobei dieses Angebot nach allem, was sich sagen lässt, noch immer nicht das Angebot ist, also das, mit dem sich die größte italienische Bank die zweitgrößte deutsche Bank endgültig unter den Nagel reißen könnte. Sondern: Es ist, wenn man so will, ein Scheinangebot, ein Zwischenschritt, ein taktisches Manöver (siehe schon unsere frei zugängliche Ad-hoc-Analyse –> Warum es sich beim Unicredit-Angebot für die Commerzbank um Taktik handelt), offenkundig mit dem Ziel, möglichst kräfteschonend die 30%-Hürde zu überwinden (ein Schachzug übrigens, der dem Markt zu gefallen scheint, die Commerzbank-Aktie gewann rund 9% auf 32,14 Euro, die Unicredit legte zumindest leicht zu). Die große Frage lautet nun allerdings: Wie geht es weiter??? Hier unsere ausführliche Analyse: FS Premium
Der überraschende Abgang des Deutschbankers Matthiessen – und weitere Köpfe-News
Ausgerechnet am Tag der Veröffentlichung ihres Vergütungsberichts hat die Deutsche Bank einen der aufreibendsten Handelstage der letzten Jahre erlebt. Nach einer stundenlangen Abwärtsfahrt notierte die Aktie des größten hiesigen Geldinstituts am Nachmittag um bis zu 7,4% im Minus – erst kurz vor dem regulären Handelsschluss erholten sich die Papiere etwas und beendeten den Tag schließlich bei 25,70 Euro (–5,3%). Seit Jahresbeginn hat die DBK-Aktie jetzt 24% verloren und damit deutlich mehr als die Commerzbank (–17%), die auch am Donnerstag etwas glimpflicher davonkam als der Lokalrivale und zum Handelsende bei 30,23 Euro notierte (–4,1%). Etwas in den Hintergrund rückte, was sich Spannendes im Geschäfts- und Vergütungsbericht verbarg. Hier entlang: FS Premium
Als „Bloomberg“ im Januar berichtete, die Deutsche Bank bzw. die DWS wollten eine „bedeutende Minderheitsbeteiligung“ an der Frankfurter Leben erwerben, also an dem gemessen an seinen Kapitalanlagen rund 13 Mrd. Euro schweren Abwickler von Lebensversicherungen – da wirkte der sich angeblich abzeichnende Deal industriell durchaus stimmig (siehe unsere Analyse –> Deutsche Bank: Zurück ins Versicherungsgeschäft, oder rein ins „Run off“-Geschäft?). Nun allerdings werfen Recherchen der „Börsen-Zeitung“ (Paywall) die Frage auf, ob ein Player wie die Frankfurter Leben für einen Player wie die Deutsche Bank wirklich ein sinnvolles Erwerbsziel darstellen kann. Grob gesagt läuft der lesenswerte Artikel auf die Diagnose hinaus, dass Teile der besagten 13 Mrd. Euro (also letztlich: Kundengelder) für Finanzierungen innerhalb des hinter der Frankfurter Leben stehenden chinesischen Fosun-Konzerns genutzt worden sein könnten. So heißt es unter anderem, aus den Mitteln sei ein Schuldscheindarlehen an eine Luxemburger Zweckgesellschaft vergeben worden, die mit Fosun verbunden gewesen sei. Eines der Darlehen soll zu einem Zeitpunkt gewährt worden sein, als der Mutterkonzern selbst mit Refinanzierungsproblemen zu kämpfen hatte. Interne Dokumente und Gespräche mit Insidern würden zudem darauf hindeuten, dass Vertreter von Fosun wiederholt versucht haben sollen, Einfluss auf Investment-Entscheidungen der Gruppe zu nehmen …
Aus Sicht der Banken-Community ebenfalls interessant: Angeblich soll Fosun auch Hauck & Aufhäuser (die Frankfurter Privatbank befand sich bis zum Verkauf an die ABN Amro ja ebenfalls im Besitz der Chinesen) als Teil einer Finanzierungsstruktur rund um die Frankfurter-Leben-Gruppe genutzt haben. So tauche in Unterlagen zu konzerninternen Finanzierungen auch ein „Hauck-Lampe-Schuldschein“ auf, der im Zusammenhang mit der Finanzierung der Übernahme des Bankhauses Lampe durch Hauck & Aufhäuser im Jahr 2021 stehen könnte. Die Frankfurter Leben wies gegenüber der „BÖZ“ den Vorwurf unzulässiger Einflussnahme zurück – alle Investitions-Entscheidungen seien von den zuständigen Gremien getroffen worden. Die übrigen Vorwürfe stehen einstweilen im Raum; Fosun habe sich bis Redaktionsschluss auf Anfrage hin nicht geäußert.
Als am Montag des 9. März die Schockwellen von den asiatischen Märkten nach Europa überschwappten und die Indikationen für hiesige Bankaktien einen morgendlichen Einbruch von rund 5% verhießen – da durfte einem durchaus angst und bange werden. Gemessen daran ist der gestrige Tag aus Sicht der hiesigen Bankenbranche dann doch relativ glimpflich ausgegangen. Konkret: Die Deutsche Bank schloss mit –1,4% bei 26,55 Euro (und hat seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs in sechs Handelstagen nunmehr 12% verloren), für die Commerzbank ging es um 0,7% auf 30,36 Euro runter (was einem kumulierten Minus von ebenfalls 12% entspricht). Verdunkelt haben sich die Aussichten aber natürlich trotzdem – was man schon allein daran erkennt, dass der Kapitalmarkt (nachdem er noch vor zehn Tagen für dieses Jahr eine kleine Zinssenkung in der Eurozone eingepreist hatte) mittlerweile von zwei EZB-Zinserhöhungen bis Jahresende ausgeht. Nun sind höhere Zinsen für Banken normalerweise ja nicht von Nachteil. Im konkreten Fall aber natürlich schon. Schließlich wäre ein Zinsanstieg diesmal keine Reaktion auf einen schwungvollen konjunkturellen Auftrieb. Sondern auf eine drohende Inflation. Anders gesagt: Auf viele Bankkunden (Unternehmen wie Konsumenten) könnten also womöglich noch härtere Zeiten zukommen. Und was das im schlimmsten Fall bedeutet, sieht man ja an unserem heutigen Aufmacher zur deutschen Santander weiter oben.
Sämtliche Großbanken-News aus Februar 2026
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