von B. Neubacher, C. Behr und C. Kirchner, 7. Juli 2026
Die Hauptversammlungen der Merkur Privatbank darf man sich normalerweise als harmonisch vorstellen. Es seien „alle Fragen von den vorgenannten Herren beantwortet und keine weiteren Erläuterungen gewünscht“ worden, liest man in den alten Protokollen. Oder auch: „Weitere Wortmeldungen lagen nicht mehr vor. Weitere Fragen wurden nicht gestellt.“ Oder auch: „Mitteilungspflichtige Gegenanträge“ seien „nicht eingegangen“, „Widerspruch aus dem Kreis der Versammlung“ sei „nicht erhoben“ worden. Ja, genau so scheint das all die Jahre gewesen zu sein.
Kein Wunder. Schließlich wuchs das Geschäft, sprudelten die Gewinne, stieg die Aktie – selbst dann noch, als Banken mit ähnlichen Geschäftsmodellen längst mit den Armen ruderten. Mitteilung vom 24. Oktober 2025: „Merkur Privatbank […] weiter auf profitablem Wachstumskurs“. Mitteilung selbst noch vom 19. März 2026: „Merkur Privatbank setzt profitablen Wachstumskurs […] fort.“ Ja, so war das all die Jahre!
Nun allerdings, nur drei Monate nach der letzten Erfolgsmeldung: „Brennt die Hütte“, wie es einer der Aktionäre ausdrückt. Es ist der Montag vor drei Wochen, 11 Uhr, die Merkur Privatbank hat nach München zur diesjährigen Hauptversammlung eingeladen. Doch anders als in früheren Jahren ist von Harmonie diesmal nichts zu spüren. Im „Conference Center“ des Haus der bayerischen Wirtschaft brodelt’s. Schließlich umtreibt die Anteilseigner dieselbe Frage, die auch die interessierte Öffentlichkeit umtreibt:
Wie ernst ist die Lage bei dem jahrelang scheinbar überaus erfolgreichen Münchner Spezialinstitut?
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