Deep Dive

Mr. Hyde raus, Dr. Jekyll rein – so kam es zum Erbeben bei der Berenberg Bank

Noch letzte Woche soll Hendrik Riehmer in Spanien gewesen sein, zum Golfen, so zumindest erzählt es ein Insider. Für diesen Montag seien dann Termine in London anberaumt gewesen, dem Kraftzentrum des Berenberg’schen Investmentbankings. Und dazwischen – ja, da habe ein Treffen mit der Bafin im Kalender gestanden. Aber keines, wenn man es richtig versteht, dem Riehmer eine existenzielle Bedeutung beigemessen hätte. Doch nun: Ist Hendrik Riehmer, langjähriger Co-Chef der Berenberg Bank und der vielleicht schillerndste deutsche Banker, seinen Job los. Kaltgestellt von der Bafin, genauso wie David Mortlock und Christian Kühn, die beiden anderen Geschäftsleiter. Ein in der jüngeren deutschen Bankenhistorie beispielloser Vorgang.

Aber das ist nicht alles. Denn die Mitteilung, die Berenberg (und nicht etwa die Bafin) am Freitagnachmittag versendete, knallte sogar doppelt. Nicht nur ist Riehmer raus. Sondern sein langjähriger Kompagnon, der BdB-Präsident a.D. Hans-Walter Peters, der sich aus dem operativen Geschäft eigentlich zurückgezogen hatte, ist plötzlich wieder drin. Von der Bafin eingesetzt als einer von zwei „Sonderbeauftragten“, was in diesem Fall schlicht bedeutet, dass Peters jetzt also wieder der Chef ist. Nur halt ohne Riehmer. „Was mich wirklich bewegt, ist die Loyalität unserer Kunden. Ich habe seit Freitag viel Zuspruch bekommen. Es macht Spaß, sich für so ein tolles Unternehmen noch einmal hereinzuhängen“, ließ der 71-Jährige schon am Sonntagmittag via „Abendblatt“ wissen. Fast meinte man, da freue sich einer aber mal so richtig.

Und das Publikum? Reibt sich verwundert die Augen. Von „Hinweisen auf mögliche Corporate-Governance-Verstöße“ ist in der offiziellen Mitteilung eher unspezifisch die Rede. Darüber hinaus wurde übers Wochenende allerdings auch eine inoffizielle Erzählung in Umlauf gebracht. Diese läuft darauf hinaus, dass es im Eigenhandel zu unkorrekten Buchungen gekommen sei, dass der Wirtschaftsprüfer dies beanstandet habe, und dass aber (und dies ist die Kernbotschaft) „das Kundengeschäft nicht berührt“ gewesen sei, wie sich Peters auch schon in der offiziellen Mitteilung am Freitag hatte zitieren lassen. Klingt nicht unplausibel. Aber – ist das wirklich schon die ganze Geschichte?

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