Kurz gebloggt

Auch Union Investment ist jetzt Großaktionär bei Wirecard

27. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Die Liste von Großaktionären mit meldepflichtigen Positionen in Aktien des Bezahldienstleisters Wirecard ist um einen Namen länger: Die Fondsgesellschaft Union Investment hält laut Mitteilung von gestern Nachmittag 3,03% Prozent der Aktien. Hinzu kommen nochmals 1,19 Prozent in anderen Instrumenten. Alleine das Aktienpaket hat einen Wert von rund einer halben Mrd. Euro.

Überschritten hat Union Investment die 3%-Meldeschwelle laut der Mitteilung am 23. Januar, also vergangenen Donnerstag. Meldepflichtige Pakete an Aktien und sonstigen Instrumenten von über 3% halten darüber hinaus auch Goldman Sachs, Morgan Stanley, die DWS, Blackrock und die Citigroup – eine für einen Dax-Konzern einmalige Konstellation.

Befragt von Finanz-Szene.de nach den Hintergründen erklärte Marc Hellingrath, Leiter Globale Aktien bei Union Investment: „Wir haben Wirecard in einer Vielzahl von Portfolios aufgestockt. Das gilt sowohl für Deutschland-Fonds als auch für diverse globale Mandate. Hinter der Entscheidung steht die Erwartung nach mehreren Treffen mit dem Management, dass das Unternehmen starke Zahlen berichtet sowie eine verbesserte Zusammensetzung im Aufsichtsrat durch den neuen Vorsitzenden. Zudem wurde an den Themen Compliance und Revision gearbeitet.“

Wirecard ist die aktuell stärkste Aktie im Dax seit Jahresbeginn. Das Kursplus gegenüber Ultimo 2019 betrug per Schlusskurs gestern (133,25 Euro) 23%. Anders, als viele Marktbeobachter allerdings intuitiv vermuten könnten, fußt diese Rally nicht auf Deckungskäufen von Leerverkäufern, die zuvor in großem Umfang auf fallende Kurse gesetzt hatten. Laut Berechnungen des US-Datendienstleisters S3 Partners, auf den regelmäßig auch Nachrichtenagenturen zurückgreifen, waren per Freitag weiter 24,3 Millionen Aktien im aktuellen Kurswert von 3,2 Mrd. Euro leer verkauft. Das bedeutet auch, dass die Zahl der leer verkauften Aktien binnen eines Monats nur sehr leicht – nämlich um 0,5 Mio. Aktien – gesunken ist (Link zum Tweet hier) und die Leerverkäufer alleine durch die Kursrally im Januar auf Buchverlusten von 0,7 Mrd. Euro sitzen. Von einem „Short Squeeze“ kann also keine Rede sein, vielmehr halten die Pessimisten an ihren Positionen fest.

Die endgültige Kursrichtung vorgeben und eine „Entscheidungsschlacht“ zwischen Wirecard-Optimisten und den Leerverkäufern herbeiführen dürfte der Sonderbericht von KPMG zu den Vorwürfen gegen Wirecard, die vor allem die „Financial Times“ erhoben hatte. Der Report wird im Laufe des ersten Quartals erwartet. Vorläufige Geschäftszahlen zum jeweiligen Vorjahr hatte Wirecard in der Vergangenheit zudem meist in der letzten Januarwoche veröffentlicht.

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